Geringe Renditen am Bondmarkt zwingen Pensionspläne zum Umdenken bei der Geldanlage. Doch obwohl viele Experten eine stärkere Hinwendung zu Equity-Anlagen vorausgesehen hatten, sind Aktien europaweit nicht der größte Profiteur dieser Entwicklung.
So hat in Europa der Aktienanteil in den Pensionstöpfen um 2 Prozentpunkte abgenommen und beträgt im Januar 2015 nur noch 32 Prozent gesunken, berichtet das Beratungshaus Mercer mit Verweis auf eigene Erhebungen. Auf den zweiten Blick ergibt sich jedoch ein anderes Bild. In Kontinentaleuropa hat die Allokation in Aktien leicht zugenommen, der niedrigere Wert geht vor allem auf den Rückgang von Aktieninvestments in Großbritannien und Irland zurück. In Großbritannien hat in den vergangenen Jahren ein deutlicher Wandel stattgefunden. Während 2003 noch etwa 68 Prozent der UK-Pensionspläne aus Aktien bestand, sind es 2015 nur noch 33 Prozent.
In Kontinentaleuropa verzeichnet eine andere Anlageklasse höhere Zuflüsse: Viele Altersvorsorgeeinrichtungen verstärken ihr Engagement in alternativen Investments. Im Durchschnitt ist die Allokation in diese Asset-Klasse im vergangenen Jahr von 12 auf 14 Prozent gestiegen. Vor allem Multi-Asset Strategien und Private-Debt-Instrumente verzeichneten deutliche Zuflüsse.
Deutsche Investoren setzen verstärkt auf Aktien
In Deutschland zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Investoren mit versicherungsförmiger Regulierung haben ihre Investitionen in Immobilien und alternative Anlagen von 21 auf 33 Prozent erhöht. Die Treuhandsysteme der betrieblichen Altersvorsorge haben den Anteil dieser Anlageklassen dagegen um 5 Prozentpunkte auf 16 Prozent reduziert.
Sowohl bei treuhänderischen als auch bei versicherungsförmig regulierten Pensionsfonds sind die Portfolio-Anteile von Aktien gestiegen, allerdings weisen die versicherungsförmigen regulierten Einrichtungen in Europa den geringsten Aktienanteil überhaupt auf: Er liegt nur bei 15 Prozent. Im Durchschnitt sind es bei allen Pensionseinrichtungen in Europa 32 Prozent. Bei den treuhänderischen Pensionsplänen gab es europaweit dagegen mit 7 Prozentpunkten die im Verhältnis stärkste Umschichtung hin zu Aktien, sie sind mit 38 Prozent in Aktien investiert. Der Grund: Ihre Investmentstrategien unterliegen keinen so strengen Einschränkungen wie die regulierten bAV-Einrichtungen.
Ausgeprägter Home-Bias bei Bonds
Trotz eines Zuwachses bei Aktien und alternativen Anlageformen besteht der Hauptteil der Portfolios nach wie vor aus Bonds. Bei deutschen Altersvorsorgeeinrichtungen ist dabei ein starker Fokus auf den Heimatmarkt zu erkennen: 78 Prozent der Anleihen in den Portfolios deutscher treuhänderischer Pensionspläne bestehen aus inländischen Staats- und Unternehmensanleihen. Bei regulierten bAVs sind es sogar 90 Prozent der Bonds.
Passive Strategien nehmen zu
Die rekordniedrigen Zinsen sorgen freilich nicht nur für eine Verschiebung bei der Asset-Allokation, sondern auch bei den Anlagemethoden. Bei Investitionen in traditionellen Assets setzen institutionelle Investoren in Europa laut Mercer immer stärker auf passives Management. Dies liegt vor allem an den geringeren Kosten, im derzeitigen Niedrigzinsumfeld stehen hohe Managementgebühren oft in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu den spärlichen Renditen. Anders sieht es bei der Anlage in alternative Investments aus: Dort setzen die Altersvorsorgeeinrichtungen in der Regel auf aktive Strategien. Allgemein kommt Mercer zu dem Ergebnis, dass die größten Investoren am stärksten aktive Strategien verfolgen.
Für Unternehmen wird die Asset-Allokation bei Pensionsplänen zu einem immer drängenderen Thema. Der immer weiter absackende Rechnungszins zwingt sie dazu, auch im Niedrigzinsumfeld eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften, um die Last der Pensionsrückstellungen in ihren Bilanzen nicht zur groß werden zu lassen.
Info
Für den Mercer European Asset Allocation Survey 2015 wurden mehr als 1.100 betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen mit einem Anlagevolumen über insgesamt 950 Milliarden Euro berücksichtigt. Die Daten der Analyse wurden im Januar 2015 gesammelt. 8 Prozent der betrachteten Investoren sind in Deutschland angesiedelt.
Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und Chefin vom Dienst bei DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.
