Die Emsland Group, die aus Kartoffeln und Erbsen Produkte für die Lebensmittelindustrie herstellt, hat eine harte Restrukturierung hinter sich. Nun stehen die Zeichen bei dem Mittelständler, der im Jahr rund 600 Millionen Euro erwirtschaftet, wieder auf Wachstum. Dafür wurde die Finanzierungsstruktur umgebaut. Das Unternehmen gab sein Debüt am Schuldscheinmarkt. Finanzchef Peter Höning spricht mit FINANCE über den aktuellen Stand.
Herr Höning, im März haben Sie erstmals begonnen, für die Emsland Group ein Schuldscheindarlehen zu platzieren. Vor wenigen Wochen ist das Geld auf Ihrem Konto eingegangen. Warum haben Sie sich für dieses Instrument entschieden?
Wir haben den Schuldscheinmarkt angezapft, um eine optimale Beimischung für unseren Finanzierungsmix im Zuge der Refinanzierung des Konsortialkredites für die nächsten Jahre zu haben. Nach drei harten Jahren der Restrukturierung und Neuausrichtung wollen wir wieder investieren und uns dafür finanziell langfristig auf eine sichere Basis stellen. Das ist uns mit dem Schuldschein gelungen. Das Volumen liegt bei 60 Millionen Euro mit ausschließlich fixen Kupons und einer guten Granularität der Investoren. Durch die Laufzeiten haben wir unser Fälligkeitenprofil deutlich verbessert. Der Schuldschein besteht aus Tranchen mit fünf, sieben und zehnjähriger Laufzeit, wobei viel Volumen auf die beiden längeren Tranchen entfällt. Mit der 2,4-fachen Überzeichnung waren wir in unserer Debüttransaktion sehr zufrieden.
Der Schuldschein ist nicht die einzige Neuerung in Ihrer Finanzierung: Sie haben auch Ihren Konsortialkredit neu aufgesetzt.
Ja, das war ein wichtiger Teil bei der Neuaufstellung unserer Finanzierung. In dieses Projekt haben wir in den vergangenen zwölf Monaten viel Arbeit gesteckt. Unser neuer Konsortialkredit hat nun ein Volumen von 150 Millionen Euro. In Kombination mit dem Schuldschein und weiteren Finanzierungsbausteinen (unter anderem Leasing, Factoring und Reverse Factoring) sind wir bei einer Gesamtsumme von 400 Million Euro hinreichend finanziert. Mit diesem Kapital will die Emsland Group nun wieder das Wachstum vorantreiben und in die Modernisierung der Geschäftsprozesse investieren.
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Neue Finanzierung der Emsland Group ist unbesichert
Welche Verbesserungen konnten Sie denn bei den Kreditbedingungen erreichen?
Da konnten wir in jeglicher Hinsicht bessere Konditionen erzielen – sowohl im Hinblick auf die Struktur und die Covenants als auch auf die Kosten. Vor einigen Jahren hatte die Emsland Group Covenants gerissen, die Bedingungen waren bei der vorangegangenen Finanzierung entsprechend streng und voll besichert. Die neue Finanzierung ist unbesichert und auf die zukünftige strategische Ausrichtung ausgelegt.
Hat sich auch der Bankenkreis verändert?
Wir haben die neue Finanzierung mit bestehenden Banken abgeschlossen. Insgesamt ist der Kreis deutlich kleiner geworden. Beim vorherigen Kredit waren 14 Banken aktiv, die sich in den vergangenen Jahren als sehr verlässlich erwiesen haben. Die neue Konsortialfinanzierung wird von sechs großen und zwei lokalen Banken gestellt. Mit dem Schuldschein konnten wir den bisherigen Konsortialpartnern die Möglichkeit bieten, die Unternehmensgruppe weiter zu begleiten.
Viele Landwirte klagen über die seit Monaten anhaltende Dürre. Das trifft auch Sie, da der Grundstoff Ihrer Produktion Kartoffeln und Erbsen sind. Wirft Sie das zurück?
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Diese Schwankungen gehören zur Arbeit mit einem Naturprodukt und sind damit Teil unseres Geschäftsmodells. Natürlich macht uns die extreme Ausprägung in diesem Erntejahr Sorgen. Nach einer guten Ernte im vergangenen Jahr und der langjährigen Erfahrung mit Ernteschwankungen können wir aber auch mit dieser Dürrekrise umgehen. Grundsätzlich wird aber die gesamte kartoffelverarbeitende Industrie mit den erwarteten Mindermengen bei gleichzeitig steigender Nachfrage umgehen müssen.
Wie viel Spielraum gibt Ihnen denn Ihre neue Finanzierung, um solche Schwankungen auszuhalten?
Die Neustrukturierung der Finanzierung ist von Beginn an auf unser ernteabhängiges Geschäftsmodell und die neue Strategie der Unternehmensgruppe ausgelegt worden. Dazu zählt ein ausreichender Headroom, auf den wir uns mit unseren Bankpartnern wie in der Vergangenheit auch geeinigt haben – darin liegt der Vorteil einer langjährigen Geschäftsbeziehung. Wir haben in verschiedenen Simulationen durchgespielt, was passieren könnte. Selbst im schlechtesten Fall waren wir weit davon entfernt, in die Nähe eines Covenant-Bruchs zu kommen.
Info
Mehr über die Karriere von Peter Höning erfahren Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe. Weitere Gespräche mit Finanzchefs finden Sie zudem auf unserer Themenseite CFO-Interviews.
Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und Chefin vom Dienst bei DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.


