Auch Crédit Agricole senkt Firmenkundenziele

Crédit Agricole

15.03.19
Banking & Berater

Auch Crédit Agricole senkt Firmenkundenziele

Die französische Crédit Agricole hat ihr Wachstumsziel im deutschen Corporate & Institutional Banking halbiert. Deutschlandchef Frank Schönherr meint, man müsse den deutschen Markt „realistisch betrachten“.

Eigentlich hatte die französische Crédit Agricole bei der gestrigen Präsentation ihrer Geschäftszahlen im deutschen Firmenkundengeschäft Positives zu vermelden: Im Gegensatz zu den meisten deutschen Banken konnten die Franzosen ihre Erträge mit deutschen Firmenkunden im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf rund 313 Millionen Euro steigern.

Allerdings muss auch die erst seit wenigen Jahren in Deutschland erkennbar präsente Großbank von ihren ehrgeizigen Zielen abrücken: Mitte September hatte Deutschlandchef Frank Schönherr bei FINANCE-TV noch angekündigt, pro Jahr um 10 Prozent wachsen zu wollen. Nun argumentiert Schönherr, man müsse „realistisch“ auf das wettbewerbsintensive deutsche Firmenkundengeschäft blicken. Das neue Wachstumsziel für die Corporate & Institutional Bank (CIB) in Deutschland liegt bei 5 Prozent pro Jahr. Doch auch damit würde die Crédit Agricole im deutschen Firmenkundengeschäft noch Marktanteile gewinnen.

Crédit Agricole wächst profitabel

Schönherr betonte, dass das bisherige Wachstum der Bank im CIB, wo die Franzosen ihr Geschäft mit deutschen und österreichischen Firmenkunden bündeln, profitabel gewesen sei. Mit konkreten Zahlen – etwa zum Zins- und Provisionsüberschuss oder zu den risikogewichteten Aktiva – konnte er diese These jedoch nicht unterlegen. Nur so viel: Der Kapitaleinsatz (Capital Committment) sei in den vergangenen beiden Jahren stabil geblieben.

Dies lässt vermuten, dass die Bank den Margenrückgang im Kreditgeschäft im Gegensatz zu deutschen Banken wie Commerzbank, HSBC, DZ Bank und LBBW nicht über ein ausgeweitetes Kreditbuch, sondern über einen höheren Provisionsüberschuss kompensieren konnte. „Unser Ertragswachstum erzielten wir überwiegend mit unseren bestehenden Kunden, bei denen wir unseren Wallet Share ausgeweitet haben“, verriet Schönherr. 


Hinzu kommt, dass der Bank zufolge rund 60 Prozent der Erträge aus dem Kapitalmarktgeschäft stammen, das für gewöhnlich sehr provisionsträchtig ist. Jeweils 10 Prozent entfielen auf internationales Geschäft und die strukturierte Finanzierung. Der Marktanteil im Fremdkapitalgeschäft habe sich in Deutschland seit 2014 von 1,6 auf 3,1 Prozent verdoppelt. Die Bank bezeichnet sich selbst als „European Debt House“.

Mehr Fremdkapitalmarktgeschäft mit Dax-Konzernen

Wachstumspotenzial in diesem Geschäftsfeld sieht Schönherr vor allem noch bei Dax-Konzernen. Von diesen zählt die Bank laut eigenen Angaben bereits 77 Prozent zu ihren Kunden. Im MDax seien 23 Prozent und im SDax 16 Prozent der Unternehmen derzeit Kunden der Bank.

Die Crédit Agricole versucht, bei diesen mit ihrer guten Kapitalausstattung und ihrer Underwriting-Kapazität zu punkten. Tatsächlich haben Banken bei großen Anleiheplatzierungen einen Wettbewerbsvorteil, wenn sie Teile der Transaktion vorrübergehend auf die eigenen Bücher nehmen und dem Firmenkunden dadurch Transaktionssicherheit bieten können. Die harte Kernkapitalquote der Crédit-Agricole-Gruppe nach vollständiger Umsetzung von Basel III lag zuletzt bei 15 Prozent – höher als bei den meisten anderen im deutschen B2B-Geschäft tätigen Banken.


Auch im Eigenkapitalgeschäft hat die Crédit Agricole die Weichen auf Wachstum gestellt: Seit vergangenem Sommer kooperieren die Franzosen mit dem Bankhaus Metzler. Die Zusammenarbeit läuft Schönherr „sehr gut“. Die Franzosen würden beispielsweise von der Analysten-Kompetenz von Metzler im Automobilsektor profitieren. Allerdings hat die Kooperation bisher erst ein einziges IPO-Mandat hervorgebracht: Den letztendlich abgesagten Börsengang des Anlagenbauers Exyte, bei dem die Bank Joint Bookrunner war.

Crédit Agricole will Produktsilos einreißen

Schönherr will mit seinen Firmenkunden aber nicht nur mehr Fremd- und Eigenkapitalgeschäft machen, sondern Firmenkunden beispielsweise auch stärker nach Asien begleiten. Grundsätzlich arbeitet die Bank schon länger daran, die sechs unabhängigen Geschäftseinheiten in Deutschland, zu denen neben dem CIB auch der Asset Manager Amundi und der Factoring-Anbieter Eurofactor gehören, besser miteinander zu verzahnen. Dafür sollen Produktsilos eingerissen werden, wodurch sich die Rolle der Senior-Banker im CIB der Crédit Agricole verändert. Diese sollen nicht mehr nur CIB-Produkte vertreiben, sondern die Firmenkunden ganzheitlich betreuen.

Eine große Rolle möchte die Gruppe auch bei Green Finance spielen. Global betrachtet, sieht sich die Bank bei Green Bonds mit 71 Transaktionen im vergangenen Jahr im Wert von rund 11,7 Milliarden US-Dollar als Marktführer.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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