Es brennt im Firmenkundengeschäft: Erstmals seit 10 Jahren „verbrennen“ die Banken ihr Geld.

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08.01.20
Banking & Berater

Banken verbrennen Geld im Corporate Banking

Der Preiskampf im deutschen Firmenkundengeschäft wird immer extremer. Erstmals seit 10 Jahren sind die Renditen der Banken im deutschen Firmenkundengeschäft unter deren Eigenkapitalkosten gefallen. „Sie verbrennen Geld“, warnt die Unternehmensberatung Bain.

Die Lage im deutschen Firmenkundengeschäft wird immer prekärer: Nach einer Berechnung der Unternehmensberatung Bain haben es die Banken im ersten Halbjahr 2019 erstmals seit der Finanzkrise nicht geschafft, ihre Eigenkapitalkosten zu verdienen. Bain zufolge sackte die Eigenkapitalrendite gegenüber dem zweiten Halbjahr 2018 von 10 auf 7 Prozent ab, während die Eigenkapitalkosten auf 7 bis 10 Prozent geschätzt werden.

Damit nehme der Verdrängungswettbewerb im Corporate-Banking in Deutschland „bedrohliche Züge“ an. „Um ihre Marktpositionen aggressiv auszubauen, nehmen die Banken immer niedrigere Margen in Kauf. Nun ist die Branche an einem Punkt angekommen, an dem sie Geld zu verbrennen beginnt“, analysiert Bain-Partner Christian Graf.

Profitabilität im Firmenkundengeschäft auf Rekordtief

Die für das erste Halbjahr 2019 errechneten Zahlen sind der Tiefpunkt einer langanhaltenden Entwicklung: Seit dem ersten Halbjahr 2011, als die Banken im deutschen Firmenkundengeschäft Bain zufolge eine Eigenkapitalrendite von 34 Prozent erzielten, ging die Rentabilität nahezu in jedem einzelnen Halbjahr zurück. Im ersten Halbjahr 2016 lag sie mit 14 Prozent noch doppelt so hoch wie zuletzt.

Diese drastische Entwicklung hat ihre Ursache vor allem darin, dass seit dem Jahr 2017 die Größe des Ertrags-Pools im deutschen Firmenkundengeschäft stagniert – so auch im ersten Halbjahr 2019. Demgegenüber stehen jedoch steigende Kosten für IT, Regulierung, Restrukturierung und seit kurzem auch wieder für die Risikovorsorge. Im Zuge dessen sank der Profitabilitätsindex zwischen dem ersten Halbjahr 2018 und 2019 von 90 auf 84 (der Referenzwert von 100 markiert das Jahr 2007). Auch das ist der niedrigste Wert seit der Finanzkrise. Zum Vergleich: Bis zum Jahr 2011 hatte sich die Profitabilität bis auf 175 erholt.

Es gibt noch mehr Daten, die zeigen, dass viele zentrale Eckpfeiler eines profitablen Firmenkundengeschäfts auf gefährlichen Niveaus verharren: Die Kreditmarge lag zuletzt bei 1,2 Prozent, der Trend zeigt seitwärts. Gleichzeitig entstammen nach wie vor über 70 Prozent der Erträge dem Zinsüberschuss. Dieser Anteil sinkt trotz der niedrigen Kreditmargen deshalb nicht, weil die Banken ihre Kreditvergabe an Firmenkunden immer schneller ausweiten.

FINANCE-TV

Kapitalmarktgeschäft: „Die Banken spielen ihre Kundennähe nicht aus“

Im ersten Halbjahr 2019 stieg das Firmenkreditvolumen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent auf nahezu 1,2 Billionen Euro. In den vergangenen sechs Jahren lagen die Wachstumsraten im Schnitt „nur“ bei 3 Prozent, in der Spitze bei 5 Prozent. In diesem Umfeld übertreffen Sparkassen und Privatbanken das Marktwachstum sogar noch, wodurch ihr Marktanteil gewachsen ist. Weniger Kreditwachstum zeigt der sich konsolidierende Landesbankensektor.

Wie Banken reagieren sollen

Den Kern des Problems sieht Bain beim Thema Kundenbeziehungen: „Den Banken fällt es immer schwerer, Kundenbeziehungen nachhaltig profitabel zu gestalten“, erklärt Bain-Partner Jan-Alexander Huber. Sein Kollege Mike Kühnel bemängelte erst kürzlich bei FINANCE-TV, dass die etablierten Banken vor allem daran scheitern, ihre guten Kundenbeziehungen im Mittelstandsgeschäft in Zusatzgeschäft umzumünzen. Bain hält es für essentiell, dass sich die Banken auf ihre Wettbewerbsvorteile konzentrieren und mit Partnern – etwa Plattformbetreibern und Fintechs – zusammenarbeiten.

Die Zeit dafür drängt. „Jede Bank muss ihr Firmenkundengeschäft jetzt wetterfest machen“, rät Christian Graf. Dies könne zum Beispiel erreicht werden, indem Banken ihren Vertrieb systematisch steuern, eine klare Produkt- und Kundenstrategie verfolgen sowie konsequent auf neue Technologien setzen. „Corporate-Banking lässt sich in Deutschland nach wie vor ertragsstark und rentabel betreiben“, glaubt der Strategieberater – fügt aber hinzu, dass dies „nicht jeder Bank gelingen“ wird. „Es wird unrentable Verlierer geben“, warnt Graf.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

„Es wird unrentable Verlierer geben.“

Christian Graf, Partner, Bain

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