Der Agrarchemiekonzern Bayer kauf den Saatguthersteller Monsanto für fast 60 Milliarden Dollar. Die Finanzierung des M&A-Deals beschert den Investmentbankern einen Geldregen.

Bayer

05.07.18
Banking & Berater

Bayer sorgt für Geldregen im Investmentbanking

Wegen des Monsanto-Kaufs füttert Bayer die Investmentbanken nach wie vor mit riesigen Zahlungen. Aber die Deutsche Bank profitiert nicht davon.

Der Mega-Deal zwischen Bayer und dem US-Saatguthersteller Monsanto beschert den Investmentbankern immer noch ordentliche Zahltage. Bis Ende Juni haben die Leverkusener ihren Investmentbankern alleine in diesem Jahr Gebühren von 313 Millionen US-Dollar gezahlt, wie aus Zahlen des Datendienstleisters Thomson Reuters hervorgeht. Kein Konzern weltweit hat in diesem Jahr bislang mehr bezahlt.

Haupttreiber sind zwei Transaktionen aus dem Juni: Der Dax-Konzern um Neu-CFO Wolfgang Nickl hat im vergangenen Monat Bonds im Volumen von 18 Milliarden Euro platziert sowie eine Kapitalerhöhung über 6 Milliarden Euro durchgeführt, um die Monsanto-Übernahme zu finanzieren.

Auf Sicht von drei Jahren befindet sich Bayer mit durchschnittlichen Gebühren für das Investmentbanking in Höhe von 204 Millionen US-Dollar weltweit auf dem 9. Platz. Der Dax-Konzern ist auch das einzige deutsche Unternehmen unter den Top 25. Den Dreijahresvergleich führt das japanische Industriekonglomerat Softbank an, das in diesem Zeitraum insgesamt 317 Millionen Dollar an Investmentbanking-Gebühren bezahlt hat. Platz 2 geht an den Bierbrauer Anheuser-Busch Inbev, der vor knapp zwei Jahren den Konkurrenten SAB Miller für über 100 Milliarden Dollar gekauft hat.  

FINANCE-Köpfe

Wolfgang Nickl, Bayer AG

Wolfgang Nickl startet seine Laufbahn 1992 als Berater und Controller bei dem deutschen IT-Dienstleister Sercon, bevor er 1995 zur Western Digital Corporation wechselt. Für den US-Festplattenhersteller ist er zunächst als Geschäftsplaner in den Niederlanden tätig, im Anschluss als Director Business Solutions in San José im Silicon Valley.

Im Jahr 2000 wechselt Nickl als Finanzvorstand zum US-amerikanischen IT-Unternehmen Converge, kehrt jedoch wenig später zu Western Digital zurück. Acht Jahre lang durchläuft Nickl dort mehrere Positionen im Finanz- und Strategiebereich. Währenddessen erwirbt Nickl 2005 einen MBA-Abschluss von der University of Southern California’s Marshall School of Business. 2010 wird er zum Finanzchef von Western Digital befördert.

Im Dezember 2013 kehrt Nickl nach Europa zurück und wird CFO des niederländischen Chipherstellers ASML. Im September 2017 beruft der Chemie- und Pharmakonzern Bayer, der seinerzeit inmitten der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Saatgutspezialisten Monsanto steckt, den damals 48-Jährigen zum CFO. Nickl tritt seine neue Position im Juni 2018 an.

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Der Gebührentopf im Investmentbanking schrumpft

Die Zahlen von Thomson Reuters zeigen aber auch: Trotz der Vielzahl an großen M&A-Transaktionen und daran anschließenden Kapitalaufnahmen sind die Gebührentöpfe im Investmentbanking im ersten Halbjahr zurückgegangen, und zwar um 5 Prozent gegenüber 2017. In der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) fiel der Rückgang mit 6 Prozent noch etwas stärker aus.

Der deutsche Markt ist von dem weltweiten Rückgang – auch dank Bayer – jedoch nicht betroffen. Die Gebühren aus dem Investmentbanking haben hierzulande im ersten Halbjahr sogar um 8,2 Prozent auf 1,6 Milliarden  Dollar zugelegt. In der Schweiz sind die Erträge im gleichen Zeitraum indes um mehr als 17 Prozent eingebrochen. Hier flossen den Investmentbanken Erträge in Höhe von 716 Millionen Dollar zu.

Deutsche Bank verliert ähnlich wie der Markt

Im Ranking der Investmentbanking hat sich an der Spitze wenig verändert. JP Morgan (3,8 Milliarden Dollar, plus 5,8 Prozent gegenüber Vorjahr) und Goldman Sachs (3,2 Milliarden Dollar, plus 3,2 Prozent) sind nach wie vor die beiden Banken, die am meisten Gebühren einstreichen.

Morgan Stanleys Investmentbanking wächst um 6,2 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar, womit die US-Bank zwei Kontrahenten überholt und auf Rang 3 springt. Verlierer sind die Bank of America Merrill Lynch (2,6 Milliarden Dollar) und Citi (2,4 Milliarden Dollar), die im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 Gebührenrückgänge von über 10 Prozent verzeichnen und auf die  Ränge 4 und 5 abrutschen.

Auch die Deutsche Bank verzeichnet im ersten Halbjahr rückläufige Einnahmen, in etwa in Höhe der Markteinbußen. Das größte deutsche Geldhaus hat zwar den 8. Platz behauptet, im Investmentbanking allerdings 6,5 Prozent weniger Gebühren eingenommen. Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat angekündigt, die Anzahl der Mitarbeiter im Investmentbanking deutlich verkleinern zu wollen – vor allem in den Vereinigten Staaten.

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