Die Deutsche Bank tätigt ihr Euro-Clearing-Geschäft künftig von Frankfurt aus. Für London ist dies ein weiterer Rückschlag infolge des Brexit.

Deutsche Bank /Mario Andreya

30.07.18
Banking & Berater

Brexit: Deutsche Bank verlagert Euro-Clearing nach Frankfurt

Der Brexit zwingt jetzt auch die Deutsche Bank zu Veränderungen: Das Institut will neues Euro-Clearing-Geschäft künftig in Frankfurt abwickeln. Davon profitiert auch die Deutsche Börse.

Neue Euro-Clearing-Geschäfte mit der Deutschen Bank sollen künftig über Frankfurt am Main laufen. Das Geldhaus bestätigte diese Informationen der „Süddeutschen Zeitung“, nachdem zuvor die „Financial Times“ über die Pläne berichtet hatte. Grund für die Entscheidung ist der bevorstehende Brexit.

Betroffen ist allerdings lediglich das Neugeschäft. Bei bestehenden Geschäften sei es „praktisch unmöglich“, diese von einer auf eine andere Plattform zu verlagern, zitiert die „Süddeutsche“ einen Bankensprecher. Arbeitsplatzverlagerungen sollen mit dem Schritt nicht verbunden sein.

Bislang tätigte die Deutsche Bank das Euro-Clearing-Geschäft vorwiegend von London aus. Der „Financial Times“ zufolge liegt das Volumen des gesamten Euro-Clearing-Marktes bei bis zu 1 Billion Euro an einem Börsentag. Zurzeit ist allerdings unklar, inwieweit das Euro-Clearing nach dem Brexit noch über die Londoner Clearing-Stellen laufen dürfte, da diese außerhalb des Euro-Raums nicht mehr der europäischen Finanzaufsicht unterstehen würden.

Deutsche Börse holt im Euro-Clearing auf

Von dem Schritt der Deutschen Bank wird auch die Deutsche Börse profitieren: Über deren Tochter Eurex sollen die Clearing-Geschäfte künftig getätigt werden. Die Eurex konkurriert in dem Geschäft mit dem Clearing-Haus LCH der London Stock Exchange. Die Marktanteile sind ungleich verteilt: Während die LCH auf über 80 Prozent kommt, liegt der Marktanteil der Deutschen Börse erst bei rund 10 Prozent.

Der Dax-Konzern hat allerdings im Vorjahr die Initiative ergriffen, um dem Rivalen LCH im Zuge des Brexit große Marktanteile abzunehmen. Günstige Konditionen und ein offensives Werben um neue Kunden sind die Kernbestandteile dieser Strategie, eines zentralen Wachstumsvorhabens des neuen Börsenchefs Theodor Weimer. Der Manager hat das Ziel ausgegeben, den Marktanteil der Eurex bis Ende 2019 auf 25 Prozent zu steigern. 29 Banken sind bereits auf der Clearing-Plattform der Deutschen Börse angemeldet.

Euro-Clearing hat strategische Bedeutung

Lobbyisten hoffen nun, eine wachsende Bedeutung der Frankfurter Clearing-Stelle könnte auch Folgegeschäft mit sich bringen und dazu beitragen, nach London abgewandertes Handelsgeschäft zurückzuholen.

Britische Finanzplatzlobbyisten befürchten hingegen, dass London als Folge der Brexit-bedingten Abwanderungen bis zu 100.000 Arbeitsplätze verlieren könnte. Lobbygruppen sowohl in London als auch in Frankfurt haben das Euro-Clearing in der Vergangenheit als strategisch wichtig für die Entwicklung ihres jeweiligen Finanzplatzes bezeichnet.

Die Deutsche Bank ist mit ihren Verlagerungsplänen in großer Gesellschaft. Zuletzt hatten mehrere asiatische Banken Frankfurt als strategischen Europa-Standort auserkoren. Auch die US-Banken verlagern Teile ihres Geschäfts. Unter anderem will Morgan Stanley mehrere hundert Stellen nach Frankfurt und Dublin verlegen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wie sich die verschiedenen Banken auf den EU-Austritt Großbritanniens vorbereiten, lesen Sie auf unserer Themenseite Brexit.