Mizuho ist bereits die vierte japanische Investmentbank, die wegen des Brexits künftig ihre Fahne in Frankfurt hisst. Die Frankfurter Banken-Lobby jubelt.

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25.07.17
Banking & Berater

Brexit treibt Mizuho nach Frankfurt

Mit der Investmentbank Mizuho zieht jetzt auch die vierte der fünf japanischen Großbanken wegen des Brexits nach Frankfurt um. Frankfurt wird zum Brexit-Gewinner.

Frankfurt wird um eine weitere Investmentbank bereichert: Wegen des Brexit verlegt nun auch die japanische Investmentbank Mizuho Securities ihren EU-Sitz von London in die Main-Metropole. Das gab die Bank am heutigen Dienstag bekannt. 

Die Entscheidung kommt nicht überraschend, da mit Daiwa, Nomura und der Sumitomo Mitsui Financial Group schon drei der fünf großen japanischen Banken Frankfurt als ihr neues Europa-Zentrum bestimmt haben. Offen sind damit nur noch die Brexit-Pläne der Mitsubishi UFJ Financial Group. Geht es nach der Frankfurter Banken-Lobby „Frankfurt Main Finance“ ist Mizuho nicht die letzte Bank, die von London nach Frankfurt umziehen wird.

Die Lobbyisten erwarten, dass wegen des Brexit mindestens zwölf Banken ihren Europasitz nach Frankfurt verlegen wollen, hoffen aber auf noch mehr: „Wir sind unserem ambitionierten Ziel, dass dieses Jahr 20 Banken ihr Vertrauen in das Finanzzentrum Frankfurt setzen, ein Stück näher gekommen“, jubelt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Main Finance. Er glaubt, dass am Ende sogar mindestens 10.000 Banking-Arbeitsplätze von London an den Main wandern werden.

Frankfurt kristallisiert sich als Brexit-Gewinner heraus

Offen ist, wie viele Mitarbeiter die japanischen Banken nach Frankfurt bringen werden. Keine der japanischen Banken machte dazu Angaben. Deutlich offener kommunizieren das die amerikanischen Geldhäuser, die ihren EU-Sitz nach Frankfurt verlegen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, bringt Morgan Stanley mit dem Umzug des Wertpapierhandels 200 Mitarbeiter und mit dem Asset-Management weitere 100 Stellen nach Frankfurt. Die Citigroup verlagert wohl 150 bis 200 Stellen von London nach Hessen, um von hier aus künftig ihren EU-Wertpapierhandel zu betreuen. 

Auch Goldman Sachs möchte eine große Anzahl von Arbeitsplätzen nach Frankfurt verlegen, die britische Standard Chartered hat Frankfurt bereits als neue Euro-Zentrale definiert. Die Deutsche Bank spielt mit dem Gedanken, einen Teil ihres Wertpapierhandels nach Frankfurt zurückzuholen. Während bei all diesen Banken – inklusive der vier japanischen – zunächst jeweils nur ein paar hundert Spezialisten nach Frankfurt kommen werden, könnte eine Stellenverlagerung der Deutschen Bank von London nach Frankfurt ohne weiteres eine vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen betreffen. Einige der neu entstehenden Stellen dürften aber auch mit bereits in Frankfurt sitzenden Bankern besetzt werden.

Mit den zahlreichen Bekundungen von Banken aus den vergangenen Wochen, Frankfurt zu favorisieren, kristallisiert sich das deutsche Finanzzentrum zunehmend als Brexit-Gewinner heraus. Als Alternativen zu Frankfurt gelten Paris, Amsterdam und Dublin.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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