Goodbye London, hallo Deutschland: Wegen des Brexits liebäugeln immer mehr Banken mit einem Umzug nach Franfurt. Die Pläne werden nun immer konkreter.

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23.06.17
Banking & Berater

Brexit treibt Morgan Stanley, Goldman und Nomura nach Frankfurt

Der Brexit treibt immer mehr Banken nach Frankfurt: Nachdem Goldman Sachs den Umzug offiziell angekündigt hat, werden jetzt offenbar auch die Verlagerungspläne von Morgan Stanley und Nomura konkret.

Seitdem Großbritannien den Austritt aus der Europäischen Union angekündigt hat, kursieren immer wieder Gerüchte, dass Banken ihr Geschäft nach Frankfurt verlagern könnten. Jetzt werden die Brexit-Pläne offenbar konkret: Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge ist Morgan Stanley kurz davor, Frankfurt als neue Euro-Zentrale auszuwählen, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.

Allerdings sollen nicht alle Jobs, die aus London abgezogen werden, nach Frankfurt gehen. Während das Broker-Geschäft künftig in Frankfurt angesiedelt sein soll, geht das Asset-Management-Geschäft dem Bloomberg-Bericht zufolge nach Dublin. Frankfurt gilt vor allem wegen der Nähe zur Europäischen Zentralbank als attraktiv, Dublin punktet mit der sprachlichen und kulturellen Nähe zu London. Morgan Stanley beschäftigt 5.000 Mitarbeiter in London.

Wenige Tage zuvor berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (F.A.S.) unter Berufung auf Frankfurter Immobilienkreise, dass Morgan Stanley auf der Suche nach weiteren 10.000 bis 12.000 Quadratmetern ist – das dürfte mindestens zu einer Verdreifachung der Belegschaft in Frankfurt führen, schätzt die Zeitung weiter.

Goldman Sachs will Arbeitsplätze nach Frankfurt verlagern

Auch bei anderen Großbanken scheinen sich die Pläne konkretisiert zu haben. Als erste US-Bank hat Goldman Sachs nun offiziell angekündigt, eine große Anzahl von Arbeitsplätzen nach Frankfurt verlagern zu wollen. Goldman-Europachef Richard Gnodde sagte in einem Interview mit der F.A.S., dass die Zahl der Arbeitsplätze in Frankfurt „sehr wahrscheinlich“ mindestens verdoppelt werde. Derzeit arbeiten etwa 200 Goldman-Banker in Frankfurt.

Im Mai kündigte bereits die Londoner Bank Standard Chartered an, dass Frankfurt künftig die neue Europa-Zentrale wird. Die Mainmetropole ist mit rund 100 Mitarbeitern schon jetzt der größte Standort auf dem Kontinent und außerdem für das Euro-Clearing zuständig. Im Gespräch über eine Verlagerung nach Frankfurt sind auch JP Morgan Chase und die Citigroup, hier gibt es allerdings keine konkreten Zusagen.

Japanische Nomura und Daiwa zieht es nach Frankfurt

Anders sieht es bei den japanischen Großbanken aus: Am gestrigen Donnerstag erst berichtete Bloomberg, dass die japanische Bank Nomura ihren Hauptstandort in der Europäischen Union nach Frankfurt verlagern werde, wie aus Finanzkreisen zu hören sei. Eine offizielle Meldung werde für die kommende Woche erwartet. Es sollen weniger als 100 Mitarbeiter nach Frankfurt ziehen.

Der kleinere Konkurrent Daiwa Securities teilte ebenfalls gestern mit, eine Tochter mit Banklizenz in Frankfurt ausbauen zu wollen. Mit DC Advisory ist Daiwa bereits mit einer Beratung in Frankfurt vertreten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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