Die Lage der Commerzbank wird immer kritischer.

Commerzbank

08.01.21
Banking & Berater

Commerzbank schreibt 1,5 Milliarden Euro Goodwill ab

Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof räumt auf: Die Bank schreibt nicht nur den Goodwill komplett ab, sondern erhöht auch die Risikovorsorge für faule Corona-Kredite.

Im Krisenjahr 2020 kommt es für die Commerzbank noch schlimmer als gedacht: Weil die Bank mit mehr faulen Krediten rechnet, erhöht sie die Risikovorsorge auf „mindestens“ 1,7 Milliarden Euro. Im Herbst prognostizierte der MDax-Konzern für 2020 noch ein Kreditausfallrisiko von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro.

Zusätzlich kündigte die Commerzbank an, den bestehenden Goodwill in Höhe von 1,5 Milliarden Euro komplett abzuschreiben. Das betrifft von der Dresdner Bank übernommene Geschäfte und die polnische MBank. Als Grund für die Abschreibung der Firmenwerte nennt die Bank schlechtere Marktparameter sowie das Zinsniveau in der Eurozone. Letzteres ist gleichwohl seit geraumer Zeit extrem niedrig. 

Neu-CEO Knof räumt bei Commerzbank auf

Dass die Commerzbank gerade jetzt die Abschreibungen vornimmt, dürfte daher auch mit dem Vorstandswechsel zusammenhängen. Erst vor wenigen Tagen hatte Manfred Knof den CEO-Posten übernommen und harte Einschnitte angekündigt. Dazu zählt insbesondere der Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen.

Er kommentierte die Mitteilung vom heutigen Freitag nun so: „Nach dieser bilanziellen Maßnahme sehen wir uns gut für den weiteren Weg gerüstet. Unser Ziel ist es, die Bank nachhaltig profitabler zu machen.“

Commerzbank steckt tief in roten Zahlen

Kurzfristig belastet die erhöhte Risikovorsorge und die Abschreibung das Ergebnis jedoch. Die Commerzbank dürfte 2020 nun einen deutlich höheren Verlust erzielen als bisher erwartet: Nach Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal hatten Analysten dem „Handelsblatt“ zufolge im Schnitt mit gut 300 Millionen Euro Verlust gerechnet. Nach neun Monaten lag das Minus unter dem Strich bei 211 Millionen Euro. Entsprechend schlecht kam die Nachricht an die Börse an: Die Commerzbank-Aktie sackte am Freitagnachmittag um über 2,5 Prozent ab.

2019 hatte die Commerzbank noch einen Gewinn von 644 Millionen Euro erzielt. Neben der Coronakrise und den Abschreibungen, verhagelt auch die Pleite von Wirecard der Commerzbank das Ergebnis. Die Goodwill-Abschreibung werde sich aber nicht auf die Eigenkapitalquote, die gerade in Krisenzeiten ein wichtiger Puffer ist, auswirken, betonte die Bank. Diese soll weiterhin zum Jahresende bei 13 Prozent liegen.

Commerzbank reagiert auf zweiten Corona-Lockdown

Zugleich rüstet sich die Commerzbank mit den heutigen Ankündigungen auch für 2021: So sind in den angepassten Zahlen zur Risikovorsorge auch 500 Millionen Euro erhalten, die die Bank bereits für Kreditausfälle im laufenden Jahr zurückgelegt hat.

Grund dafür seien vor allem die Auswirkungen des zweiten Lockdowns. „Mit der Erhöhung der Risikovorsorge reagieren wir auf die anhaltende Corona-Pandemie und sind für die weiteren Entwicklungen in diesem Jahr gut vorbereitet“, kommentiert Finanzchefin Bettina Orlopp die Zahlen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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