Die Commerzbank strukturiert um – mit Auswirkungen auf das Firmenkundengeschäft.

Julia Schwager/Commerzbank AG

29.09.16
Banking & Berater

Commerzbank will Mittelstandsbank umbauen

Unter dem Druck der Gerüchteküche hat die Commerzbank schon heute wesentliche Eckdaten ihrer Strategie bis 2020 vorgelegt. Firmenkunden bleiben im Fokus, müssen sich aber auf organisatorische Veränderungen einstellen.

Mehr digitalisierte Prozesse, die nachhaltige Rückkehr zur Profitabilität und ein klarer Fokus auf zwei Kernbereiche: Das sind die Eckpunkte der Commerzbank-Strategie für die kommenden Jahre, die das Bankhaus heute Vormittag unter dem Druck des Kapitalmarkts vorgelegt hat.

Die finale Entscheidung über die Pläne fällt zwar erst morgen, aber die Gerüchte über Stellenabbau und Konzernumbau haben in den vergangenen Tagen eine derartige Dynamik gewonnen, dass der Vorstand sich offensichtlich gezwungen sah, die Karten aufzudecken. Eine zentrale Zahl steht schon fest: Die Restrukturierung wird die Bank insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro kosten.

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Firmenkundengeschäft bleibt Kerngeschäft der Commerzbank

Folgt die Commerzbank den nun vorgelegten Plänen, so haben diese auch Auswirkungen auf das Firmenkundengeschäft. Dieses bleibt allerdings Kernbereich der Bank: Künftig sollen allein die beiden Kundensegmente „Privat- und Unternehmerkunden“ sowie „Firmenkunden“ im Fokus der Strategie stehen. Allerdings erfolgt die Betreuung wohl in veränderter Form: Die Segmente Mittelstandsbank sowie Corporates & Markets – wo bislang die verbliebenen Investmentbanking-Aktivitäten der Commerzbank gebündelt sind – möchte Vorstandschef Martin Zielke  bündeln.

Damit scheint sich zu bewahrheiten, was schon seit längerem am Markt kursierte: Bereits seit einigen Wochen wird spekuliert, die Bank könnte die kleinen Firmenkunden aus der Mittelstandsbank herauslösen und zur Betreuung an die Privatkundensparte angliedern. Die großen Firmenkunden hingegen würden Teil des Kapitalmarktbereichs. Bei diesen will die Commerzbank Gerüchten zufolge auch eine neue Offensive starten, die über die deutschen Grenzen hinausreichen soll. 

Der Umbau des Firmenkundengeschäfts bedeutet durch die Bündelung mit der Mittelstandsbank wohl auch das Aus für das Investmentbanking als eigenständigen Geschäftsbereich. Das Handelsgeschäft möchte die Commerzbank nach eigenen Angaben reduzieren, um Risiken zu verringern. Das dadurch freigesetzte Kapital soll in das Kerngeschäft mit Kunden investiert werden. Finanzentscheider hatten die Commerzbank in einer FINANCE-Umfrage in diesem Frühjahr als gut im Mittelstand verankert bewertet. Im internationalen Geschäft sowie in den Investmentbanking-Bereichen schnitt die Bank in der Umfrage dagegen schwächer ab

Commerzbank setzt auf Digitalisierung

Verbunden mit der Neugruppierung sind klare Ertragsziele: Bis 2020 möchte die Commerzbank ihre Profitabilität „nachhaltig erhöhen“. Die Netto-Eigenkapitalrendite der Commerzbank soll Ende 2020 bei mindestens 6 Prozent liegen, so die eigene Erwartung. Bei einer Normalisierung des Zinsumfelds seien 8 Prozent und mehr erzielbar. Das sind allerdings keine Zielwerte, die bei den Eigenkapitalgebern Freude auslösen dürften. Mit ihren Renditezielen liegt die Commerzbank nicht nur unter einer Verzinsung, wie sie die meisten Industriekonzern erreichen, sondern auch unter den Zielen vieler anderer europäischer Großbanken.

Insgesamt erwartet die Commerzbank für das Jahr 2020 Erträge von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro. Die Kostenbasis möchte die Commerzbank auf 6,5 Milliarden Euro reduzieren. Deutliche Effizienzgewinne verspricht sich die Bank, die kürzlich erst ein umfassendes IT-Projekt abgeschlossen hat, durch technologische Neuerungen: 80 Prozent der relevanten Prozesse möchte Zielke in den kommenden Jahren digitalisieren.

Der klarere Fokus und die Automatisierungspläne führen, wie bereits erwartet, zu einem deutlichen Stellenabbau: Insgesamt fallen der Commerzbank zufolge etwa 9.600 Vollzeitstellen weg. Im Gegenzug sollen 2.300 neue Stellen in Wachstumsfeldern entstehen. Damit ergibt sich ein Netto-Stellenabbau von 7.300 Vollzeitstellen. 

Commerzbank erwartet Goodwill-Abschreibungen

Infolge des Umbaus  rechnet die Commerzbank auch mit Goodwill-Abschreibungen in den Segmenten Corporate & Markets sowie der Mittelstandsbank. Im dritten Quartal 2016 seien  „aller Voraussicht nach rund 700 Millionen Euro abzuschreiben“, warnt der Vorstand. Das Konzernergebnis im dritten Quartal wäre dann negativ. Für das Gesamtjahr 2016 erwartet die Commerzbank aber trotz der Abschreibungen auf den Goodwill ein „leicht positives“ Konzernergebnis.

Die Aktionäre müssen sich durch die Neuausrichtung auf eine Durststrecke einrichten: Die Bank teilte mit, sie werde zur Finanzierung der Restrukturierungskosten von rund 1,1 Milliarden Euro „vorerst keine weiteren Dividendenzahlungen vornehmen“. Die erwirtschafteten Ergebnisse sollen in die Gewinnrücklage fließen. So soll die harte Kernkapitalquote nach Basel 3 auch in den nächsten Jahren bei den schon jetzt fast erreichten 12 Prozent bleiben und zwischen 2018 und 20202 sukzessive auf gut 13 Prozent steigen. Dass die Früchte des Konzernumbaus reichen, um die Bilanzqualität signifikant zu verbessern, erwartet das Management offenbar nicht.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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