Jakob Eich/Frankfurt Business Media

13.03.17
Banking & Berater

Das sind die Top-Banken im Firmenkundengeschäft 2017

Viele Auslandsbanken haben das deutsche Firmenkundengeschäft für sich entdeckt. An die deutschen Platzhirsche Commerzbank und Deutsche Bank kommen sie trotz deren Schwierigkeiten aber immer noch nicht heran.

Die Commerzbank hat ihre Marktführerschaft im deutschen Firmenkundengeschäft ausgebaut. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von Greenwich Associates. Die US-Beratungsgesellschaft befragt jährlich CFOs, Treasurer und Finanzverantwortliche aus europäischen Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz nach ihren Bankpartnern. 84 Prozent der 227 Befragten aus Deutschland sind demnach Firmenkunden des zweitgrößten deutschen Geldhauses. Im Vorjahr waren es 81 Prozent.

Damit zeigen sich die befragten Finanzchefs unbeeindruckt von den Umstrukturierungen bei der Commerzbank, die auch mit einem umfangreichen Stellenabbau im Firmenkundengeschäft einhergehen soll. Auch der Qualität der Corporate-Banking-Angebote, die Greenwich im Rahmen von mehr als zwei Dutzend Kriterien abfragt, tut dies offenbar noch keinen Abbruch: Die Commerzbank zählt gemeinsam mit der Deutschen Bank, LBBW und Unicredit zu den Qualitätsführern im hiesigen Firmenkundengeschäft.

Deutsche Bank verliert Firmenkunden – mit Absicht?

Etwas differenzierter fällt das Bild bei der zweitplatzierten Deutschen Bank aus, deren Corporate-Banking-Angebote 76 Prozent der befragten deutschen CFOs und Treasurer nutzen. Zwar erhielt das Institut auch in der diesjährigen Umfrage wieder gute Noten. Jedoch verlor die Bank sowohl im deutschen als auch im europaweiten Ranking, für das Greenwich Associates sich auf Bankbeziehungen von rund 600 befragten Unternehmen ab 2 Milliarden Euro Jahresumsatz stützt, an Reichweite.

Tobias Miarka, Managing Director bei Greenwich Associates, führt dies allerdings weniger auf die aktuellen Schwierigkeiten der Bank zurück, die gerade erst einen erneuten Umbau ihres Kapitalmarktgeschäfts angekündigt hat.  „Der Rückgang der Marktdurchdringung entspricht mindestens in Teilen der selbstgewählten Strategie der Bank, sich gezielt von weniger lukrativen Kunden zu trennen, um die Kraft auf interessante Mandate zu fokussieren“, sagt Miarka und verweist auf eine weitere Erhebung der Studie: Auf die Frage, ob man in den kommenden sechs bis zwölf Monaten mehr oder weniger Geschäft mit einem bestimmten Haus machen wolle, seien die Antworten bei der Deutschen Bank etwa gleichverteilt. Miarka  vermutet: „Die Kunden fühlen sich unterschiedlich behandelt und reagieren darauf.“ Mit anderen Worten: Die Bank muss ihr Kundenportfolio nicht aussortieren, das tun die CFOs selbst.

BNP Paribas ist Marktführer im europäischen Firmenkundengeschäft

Genug Auswahl haben die Finanzchefs, denn diverse Auslandsbanken wollen hierzulande neue Firmenkunden gewinnen. Trotz der zahlreichen Offensiven dominieren die deutschen Banken aber weiterhin klar das Geschehen, wie das Ranking von Greenwich zeigt: Auch auf Rang drei steht mit der Unicredit / Hypovereinsbank ein lokales Haus. Zwei Drittel der befragten deutschen Finanzchefs sind Firmenkunden der Bank.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine aktuelle FINANCE-Umfrage unter rund 120 Finanzentscheidern aus dem gehobenen Mittelstand und Konzernen, deren Ergebnisse in der am Freitag erschienenen Titelgeschichte dokumentiert sind.

Europaweit haben dagegen andere Banken die Nase vorn im Firmenkundengeschäft: BNP Paribas ist der Umfrage zufolge klarer Marktführer. 61 Prozent der Befragten nutzen die Corporate-Banking-Angebote der französischen Großbank. Auf Platz 2 folgt die HSBC, deren Marktdurchdringung bei 52 Prozent liegt. Immerhin 42 Prozent der Befragten sind Firmenkunden der Deutschen Bank. Die beste Qualität liefern der Umfrage zufolge BNP Paribas, Citi, ING und Unicredit.  

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Wie Banken um die Gunst der CFOs buhlen und welche Trends es im Corporate Banking gibt, das erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.