Künftig nur noch drei große Geschäftsbereiche: Wieder einmal baut der Vorstand die Deutsche Bank um.

Deutsche Bank

06.03.17
Banking & Berater

Deutsche Bank baut Kapitalmarktgeschäft radikal um

Ein weiteres Mal zerschlägt die Deutsche Bank ihr Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft und fügt es neu zusammen. Für CFOs und Treasurer, die Geschäftsbeziehungen zur Deutschen Bank pflegen, ändert sich vieles.

Nach der Commerzbank und der Unicredit-Tochter HVB baut mit der Deutschen Bank nun auch die dritte große deutsche Privatbank ihr Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft stark um. Im Zuge ihres tiefgreifenden Konzernumbaus, den die Deutsche Bank am gestrigen Sonntagabend bekanntgab, werden das Investmentbanking (Global Markets), das Corporate-Finance-Geschäft inklusive M&A-Beratung und die Transaktionsbank GTB (Global Transaction Banking) in einem neuen großen Geschäftsbereich zusammengeführt, von dem aus künftig das komplette Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank gesteuert wird. 

Chef-Investmentbanker Jeff Urwin muss gehen

Chef dieses Bereichs wird der derzeitige Finanzvorstand Marcus Schenck. Schenck stammt aus dem Investmentbanking und leitete vor seiner Zeit als CFO von E.on und der Deutschen Bank das Deutschlandgeschäft der US-Investmentbank Goldman Sachs. Co-Chef wird der Südafrikaner Garth Ritchie, der bislang das Global-Markets-Geschäft leitet. Schenck wird den CFO-Posten aufgeben und gemeinsam mit Privatkundenvorstand Christian Sewing zum Deputy CEO aufsteigen. Einen neuen Finanzchef hat die Deutsche Bank aber noch nicht gefunden. Der bisherige, in New York ansässige weltweite Investmentbanking-Chef Jeff Urwin scheidet aus dem Vorstand aus. Über seinen Abgang war bereits spekuliert worden. 

Die Deutsche Bank hatte die Bereiche, die sie jetzt zusammenführt, erst im Oktober 2015 stärker voneinander getrennt. Damals spaltete sie das Investmentbanking auf und schlug die einzelnen Teile den Bereichen Global Markets und der Corporate & Investmentbank zu, unter deren Dach derzeit auch die für CFOs und Treasurer wichtige Transaktionsbank operiert. 

Deutsche Bank taxiert Restrukturierungskosten auf 2 Milliarden Euro

In ihrem neu formierten Kapitalmarktgeschäft will die Deutsche Bank ihren Schwerpunkt künftig auf Firmenkunden legen. Am Geschäft mit institutionellen Kunden – im Kern sind das andere Banken und spezielle Investorengruppen wie zum Beispiel Hedgefonds – hält die Deutsche Bank fest, wenn auch „fokussiert“, wie sie schreibt. Den Firmenkunden verspricht sie aber eine stärkere Zuwendung: „Mit der Zeit soll ein größerer Teil der Bilanz für das Geschäft mit Unternehmenskunden genutzt werden.“

Auch in die Transaktionsbank „soll weiterhin investiert werden“. Ihr Global Transaction Banking hatte die Deutsche Bank vor gerade einmal etwas mehr als einem Jahr neu aufgestellt. Welche Konsequenzen der erneute Konzernumbau für das dortige Personaltableau haben wird, ist zur Stunde noch unklar.

Gleichzeitig will die Bank die Zusammenführung aber auch nutzen, um Synergien zu heben. Dadurch sollen die kombinierten Kosten des Kapitalmarktgeschäfts, die 2016 rund 12,9 Milliarden Euro betrugen, um 700 Millionen Euro sinken. Die Kosten für Abfindungen und Restrukturierungen beziffert die Deutsche Bank auf 2 Milliarden Euro. Diese fallen aber nicht nur im Kapitalmarktgeschäft, sondern auch im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung an. Der bislang geplante Abbau von 9.000 Stellen, davon 4.000 in Deutschland, werde nun größer ausfallen, erklärte Bankchef John Cryan, ohne in die Details zu gehen.

Großbanken garantieren Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro

Die Konzentration aller firmenkundenrelevanten Bereiche unter dem Dach des Kapitalmarktgeschäfts ist nur eine von vielen einschneidenden Maßnahmen, die Bankchef John Cryan gestern Abend angekündigt hat: Die Postbank bleibt nun doch Teil der Deutschen Bank und wird mit dem dortigen Privatkunden- und kleinen Firmenkundengeschäft zusammengeführt. Von der Vermögensverwaltung wird ein Minderheitsanteil an die Börse gebracht, außerdem kommt bis Anfang April eine Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro, für deren Erfolg eine namhafte Gruppe anderer Großbanken als Underwriter garantiert. Es ist die vierte Kapitalerhöhung in den letzten sieben Jahren. 

Zudem werden nicht näher benannte Altbestände aus dem Kapitalmarktgeschäft in eine interne Bad Bank verschoben, die risikogewichtete Aktiva (RWA) von 20 Milliarden Euro und eine Bilanzsumme von 60 Milliarden Euro umfassen soll. Dieses Portfolio soll bis 2020 nahezu halbiert werden. Weitere Geschäfte mit einem RWA-Volumen von 10 Milliarden Euro und einer Bilanzsumme von 30 Milliarden Euro sollen innerhalb der nächsten 18 Monate abgestoßen werden.

Durch die Kapitalerhöhung soll die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank bis zum Jahresende auf 14,1 Prozent anwachsen und die Leverage Ratio 4,1 Prozent erreichen. In Folge der Verkleinerung der Bilanz soll die Leverage Ratio, die de facto eine Art ungewichtete Eigenkapitalquote darstellt, in der Folge weiter auf 4,5 Prozent ansteigen. Zum Jahreswechsel lag die harte Kernkapitalquote bei 11,9 Prozent. Die Investoren quittieren die Umstrukturierung und die anstehende Verwässerung ihrer Anteile am Montag Mittag mit einem Kursminus von 6 Prozent.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie die anderen Banken sich in ihrem Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft aufstellen, zeigt unsere FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.

Mehr Infos über den neuen Chef des Kapitalmarktgeschäfts der Deutschen Bank gibt es im FINANCE-Köpfe-Profil von Marcus Schenck.