Trübe Stimmung in Frankfurts Banktürmen: Die Eigenkapitalrendite nähert sich laut einer Bain-Studie dem Tiefpunkt.

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17.12.19
Banking & Berater

Deutsche Banken sind zu Fusionen verdammt

Eine neue Studie zeigt Erschreckendes: Die Eigenkapitalrenditen der deutschen Banken haben sich zuletzt halbiert. Aus der Misere kommen viele Kreditinstitute kaum noch aus eigener Kraft heraus.

Düstere Aussichten für Deutschlands Banken: Die neueste Studie der Beratungsgesellschaft Bain hat erbracht, dass sich die durchschnittliche Eigenkapitalrendite deutscher Banken nach Steuern im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr halbiert hat. Statt bei mageren 2 Prozent liegt sie bei noch schlechteren 1 Prozent.

Gleichzeitig ist das Verhältnis von Aufwand zum Ertrag, die Cost-Income-Ratio, im Schnitt gestiegen. Gründe für diesen ungünstigen Trend liegen in rückläufigen Erträgen bei stagnierenden Kosten – trotz laufender Sparprogramme. „Es ist derzeit ein trübes Wetter für Banken“, sagte Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain und Autor der Studie, diese Woche vor Journalisten in Anspielung auch auf das graue Frankfurter Dezemberwetter.

Niedrige Zinsen, stagnierende Provisionen

Gleich mehrere Faktoren machen den Geldinstituten derzeit das Leben schwer. Zum einen sind die deutschen Banken hochgradig zinsabhängig, etwa 72 Prozent der Erträge stammen aus diesem Feld. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist das ein Problem, denn Lage hat sich durch die jüngsten Entscheidungen der EZB noch einmal verschärft – und wird sich absehbar nicht bessern.

Aber auch bei den Provisionen, die etwa ein Viertel der Bankergebnisse ausmachen, kommen die Geldhäuser insgesamt kaum voran. „Die Provisionsergebnisse stagnieren seit Jahren“, sagt Sinn. Das gelte sowohl für das Privat- als auch für das Firmenkundengeschäft.

„Die Provisionsergebnisse stagnieren seit Jahren.“

Walter Sinn, Bain

Zur schlechten Ertragslage gesellen sich enorme Kosten: Die Banken müssen in die Digitalisierung des Geschäfts und in die Umsetzung regulatorischer Maßnahmen, etwa für Basel-III- und die Finanzmarktrichtlinie Mifid, investieren. Auch der Personalabbau sorgt der Studie zufolge kurzfristig nicht für Erleichterung, sondern für erhöhte Restrukturierungskosten. „Insgesamt nähert sich die Cost-Income-Ratio mit 73 Prozent wieder im Schnitt dem Niveau des Finanzkrisenjahres 2008“, so das niederschmetternde Fazit von Sinn.

Autobanken glänzen mit höchsten Eigenkapitalrenditen

Allerdings spreizt sich die Rentabilität der einzelnen Bankengruppen stark. Vorne liegen derzeit die Autobanken mit 8,5 Prozent Eigenkapitalrendite. Auch Privatbanken, zu denen etwa Hauck & Aufhäuser oder Berenberg zählen, verdienen mit 6 Prozent Eigenkapitalrendite überdurchschnittlich.

Die Direktbanken wie ING, Comdirect oder DKB, die bei der vergangenen Studie vor einem Jahr noch in der Top-Gruppe des Rankings gelandet sind, haben einen herben Rückschlag erlitten: Sie waren mit einem Rückgang von 3,2 Prozentpunkten die größten Verlierer, rangieren mit 4,6 Prozent Eigenkapitalrendite aber noch im oberen Drittel der hiesigen Banken.

Besonders schlecht stehen die Großbanken mit Eigenkapitalrenditen von um die 1,6 Prozent da. Obwohl Deutsche Bank und Commerzbank erneut Personalabbau angekündigt haben, bleiben deren Erträge niedrig. Gerade auch deren Firmenkundengeschäft ist von niedrigen Erträgen betroffen, wie eine andere Analyse von Bain im Sommer zeigte. Der scheidende Commerzbank-Firmenkundenchef Michael Reuther kündigte deshalb gegenüber FINANCE im November noch Maßnahmen an, wie die Sparte bei Deutschland wichtigster Firmenkundenbank profitabler werden soll. Der Test steht allerdings noch aus.

Die europäische Bankenkonsolidierung kommt, aber …

So oder so: Mit dem schlechten Abschneiden 2018 ist der Boden noch nicht erreicht, prognostiziert Bain. Obwohl die Banken in den vergangenen zehn Jahren bereits 30 Prozent der Filialen und 15 Prozent der Mitarbeiter eingespart hätten, müssten weitere Maßnahmen folgen. Bis 2025, glaubt Sinn, würden nur noch etwa 15.000 der derzeit 23.900 Filialen existieren. „Das Banking bleibt auf dem Sanierungskurs“, betont der Experte.

Mittelfristig glaubt Bain, dass die Eigenkapitalrenditen der Banken weiter fallen werden: Im schlechtesten Fall  sogar um ein ganzes Prozent. „Dann wären sie vermutlich nicht mehr positiv“, sagt Sebastian Thoben, Partner bei Bain und Co-Autor der Studie. Die „Gesamtprofitabilität“ der deutschen Kreditwirtschaft sei „in Gefahr“.

Selbst bei größten Sparanstrengungen glaubt Thoben deshalb, dass die Banken in den kommenden Jahren nicht um Übernahmen und Fusionen herumkommen werden, um die sich auftuende Renditelücke zu schließen, die Bain mit 23 Milliarden Euro beziffert. Grenzüberschreitende M&A-Deals kämen allerdings erst in Betracht, nachdem die Banken halbwegs saniert seien.

„Die Banken müssen noch Komplexität reduzieren.“

Sebastian Thoben, Bain

„Erst sanieren, dann konsolidieren“, betont Thoben und gab den Kreditinstitute noch Hausaufgaben auf: „Die Banken müssen noch Komplexität reduzieren. Die Kosten sind zu hoch, die IT-Landschaft zu fragmentiert“, sagt Thoben. „Außerdem müssen die Banken noch kundenorientierter werden.“

Eine Aussage, die sicher viele Firmenkunden unterschreiben werden.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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