Aufatmen bei der NordLB: Die in Schieflage geratene Landesbank darf die 3,6 Milliarden Euro Kapitalmaßnahmen annehmen, Brüssel hat grünes Licht gegeben. Jetzt müssen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt noch zustimmen.

Ulli Reinecke/NordLB

06.12.19
Banking & Berater

EU genehmigt 3,6 Milliarden Euro für NordLB

Nach monatelangem Ringen hat die EU-Kommission die milliardenschwere Kapitalmaßnahme für die NordLB gebilligt. Noch ist die Rettung aber nicht in trockenen Tüchern.

Die EU gibt grünes Licht für die geplanten Kapitalmaßnahmen zur Rettung der NordLB. Wie die Landesbank mitteilte, hat die EU-Kommission den Kapitalzuschuss der Länder Niedersachen und Sachsen-Anhalt sowie der Sparkassengruppen für beihilfefrei und demnach mit dem EU-Recht vereinbar erklärt. Die Umsetzung der Maßnahme soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Damit erhält die NordLB eine Kapitalspritze von insgesamt 3,6 Milliarden Euro. Die Verteilung der finanziellen Mittelzuflüsse sieht dabei wie folgt aus: Das Land Niedersachsen als größter Anteilseigner der NordLB schießt 1,5 Milliarden Euro in bar zu und sichert der Landesbank „zusätzliche kapitalentlastende Maßnahmen“ in Höhe von 800 Millionen Euro.

Sachsen-Anhalt, mit rund 6 Prozent an der Bank mit Sitz in Hannover beteiligt, schießt 200 Millionen Euro in bar dazu. Die Sparkassen-Finanzgruppe sichert der NordLB schließlich eine Barkapitalzufuhr in Höhe von 1,1 Milliarden Euro.

Brüssel: Umstrittene Kapitalzufuhr ist „beihilfefrei“

Die Genehmigung der Kapitalmaßnahmen war dabei kein Selbstläufer: Schon im Februar dieses Jahres einigten sich die Sparkassengruppen und sowie die Bundesländer darauf, die NordLB finanziell zu stützen, nachdem die Landesbank wegen fauler Schiffskredite in Milliardenhöhe in finanzielle Schieflage geraten war. Als Option wurde damals auch eine Übernahme durch die Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge gehandelt, diese private Lösung lehnten die Träger der NordLB aber schließlich ab.

Allerdings zog die geplante öffentlich-rechtliche Rettung eine Prüfung des Plans durch die EU-Kommission nach sich. Denn die Brüsseler Wettbewerbsbehörde muss eine Kapitalspritze öffentlich-rechtlicher Träger – in diesem Fall die der beteiligten Bundesländer – genehmigen. Das kann sie nur tun, wenn sie urteilt, dass die entsprechende Kapitalspritze zu den vereinbarten Konditionen auch in dieser Form von einem privaten Investor getätigt werden würde.

Nach der formalen Prüfung, die mehr als ein Dreivierteljahr gedauert hat, hat die Behörde der Kapitalzufuhr nun final das Siegel „beihilfefrei“ erteilt und damit bestätigt, dass die Rettung der Bank keine wettbewerbsverfälschende staatliche Beihilfe ist. „Die Entscheidung der EU-Kommission ist ein wichtiges Etappenziel für die Kapitalstärkung und Neuausrichtung der Bank“, kommentiert der Vorstandschef der NordLB, Thomas Bürkle. Nun werde man den begonnenen Umbau der NordLB konsequent fortsetzen.

NordLB baut massiv Stellen ab

Kern des auferlegten Umbauprogramms: Die Bank soll kleiner und effizienter werden. Hierfür will die NordLB ihre Vollzeitstellen auf 2.800 bis 3.000 Stellen im Jahr 2024 reduzieren. Bereits in diesem Jahr haben die Hannoveraner die Mitarbeiterzahl um 400 auf 5.450 gesenkt. Außerdem sieht der Plan eine Reduzierung des Bilanzvolumens auf 95 Millionen Euro bis Ende 2024 vor. Zuletzt konnte die NordLB ihre Bilanzsumme schon um 7 Milliarden Euro auf 147 Milliarden Euro senken (Stand Ende September 2019).

Die nun genehmigte Kapitalmaßnahme ist auf dem Weg zur Restrukturierung ein wichtiger Schritt: Denn nach der Durchführung der Maßnahme soll die Kernkapitalquote der NordLB auf 14 Prozent steigen. Ende September lag die Quote noch bei 6,53 Prozent. Die EZB verlangt von der NordLB eigentlich eine Kernkapitalquote von 10,57 Prozent, war die vergangenen Monate wegen der laufenden Rettungsmaßnahmen aber nachsichtig mit der Forderung umgegangen.

Neunmonatszahlen der NordLB machen Hoffnung

Auch die Ende November dieses Jahres vorgelegten Neunmonatszahlen senden erste positive Signale. In den ersten neun Monaten hat die NordLB ihren Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahr fast vervierfacht – auf 257 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 73 Millionen Euro). Auch das Risikovorsorgeergebnis der Hannoveraner hat sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei -4 Millionen Euro nahezu stabilisiert. Noch im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert bei -147 Millionen Euro.

Trotzdem ist die NordLB finanziell gesehen noch nicht über den Berg: In den ersten drei Quartalen sank ihr Zinsüberschuss auf 750 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 925 Millionen Euro). Als Grund hierfür führt die Bank die Verringerung der Bilanzsumme sowie die „deutliche Rückführung des Schiffsfinanzierungsportfolios“ an. Und auch für den Umbau der Bank hat die NordLB bis zum September dieses Jahres 98 Millionen Euro ausgeben müssen, nach 122 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

NordLB-Chef Bürkle rechnet mit Verlust für 2019

Insgesamt rechnet NordLB-Chef Bürkle für 2019 mit einem Verlust, der zudem „auch im kommenden Jahr spürbare Auswirkungen auf das Bankergebnis“ haben wird. Besonders die Restrukturierungsaufwendungen und Mitarbeiterabfindungen dürften die Bank belasten.

Bevor die NordLB jedoch ihrer Rettung vollends sicher sein kann, stehen noch die letzten Genehmigungen aus: Die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt müssen nun dem Staatsvertrag mit neuen Beteiligungsquoten zustimmen sowie die Kapitalmaßnahmen absegnen. Damit die Bundesländer ihren Segen erteilen können, war das grüne Licht aus Brüssel eine Voraussetzung.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Update, 6. Dezember 2019, 18:22 Uhr: Wie die NordLB mitteilte, verlässt der Kapitalmarktvorstand und stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hinrich Holm die Bank mit Auslaufen seines Vertrages zum 31. Januar 2020. Seine Position wird nicht nachbesetzt, seine Aufgaben werden auf die übrigen Vorstandsdezernate verteilt.

Zudem bestellt die NordLB ihren CFO und Chief Operating Officer (COO), Olof Seidel, als neues Vorstandsmitglied. Die Positionen des CFO und COO hatte Seidel bereits seit eineinhalb Jahren als Generalbevollmächtigter inne. Seiner Bestellung muss die EZB noch formal zustimmen.

Sparprogramme, Verlagerungen, Bilanzsanierung: Kaum ein Unternehmen kommt über die Jahre ohne eine Restrukturierung aus. Welche Unternehmen sich gerade in einer Restrukturierung befinden, erfahren Sie auf unserer FINANCE-Themenseite Restrukturierung.