Krisenmanagament statt Fusionspläne: DSGV-Präsident Helmut Schleweis

DSGV

19.03.20
Banking & Berater

Fusion von Helaba und Deka fürs Erste vom Tisch

Aufgrund der Corona-Krise lassen die Sparkassen die Gespräche über eine mögliche Fusion zwischen der Dekabank und der Helaba erstmal ruhen. Doch auch vor der Pandemie gab es bereits starken Gegenwind für den Plan von Sparkassen-Chef Helmut Schleweis.

Vorerst wird es weder eine engere Zusammenarbeit noch eine Fusion zwischen der Dekabank und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) geben – das hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag deutlich gemacht. Der Grund ist die Corona-Krise: „Es ist jetzt nicht die Zeit, sich mit den eigenen Strukturen zu beschäftigen“, so Schleweis. „Jetzt muss die ganze Aufmerksamkeit unseren Kunden gehören. Sie müssen gut durch die Krise kommen“, so der 66-Jährige weiter.

Oberste Priorität für die Sparkassen und Landesbanken sei es derzeit, Unternehmen wie Freiberufler vor dem wirtschaftlichen Absturz zu schützen. Hierfür hätten einzelne Institute aus dem Verbund sogar Ruheständler reaktiviert, um etwa die Kreditanträge im Rahmen des KfW-Hilfsprogramms rascher zu bewältigen.

Schwierige Bankenfusion nur aufgeschoben?

Die geplante vertiefte Zusammenarbeit und perspektivische Fusion zwischen Deka und Helaba war als Zwischenschritt zu einem Sparkassen-Zentralinstitut gedacht. DSGV-Präsident Schleweis wirbt bereits seit 2018 für ein solches Zentralinstitut. Und er scheint nicht aufgeben zu wollen: Schleweis versprach, das Projekt Helaba/Deka unverändert wiederaufzunehmen, „sobald Corona besiegt ist“.

Zuletzt war aber auch schon vor Corona umstritten, ob es wirklich zu einer Fusion in der Zukunft kommen könnte, denn es gab auch viel Gegenwind. Unklar ist etwa noch, was genau in ein gemeinsames Institut eingebracht werden soll, wie die Kosten verteilt oder auch wie das Geschäftsmodell aussehen soll.

Vor einigen Wochen berichtete das „Handelsblatt“ zudem, dass mehrere Eigner des Fondsdienstleisters Deka sich gegen einen Zusammenschluss mit der Helaba positionieren würden. Ende Februar habe etwa der Vorstandschef der Hamburger Sparkasse und Präsident des Hanseatischen Sparkassenverbandes, Harald Vogelsang, bereits gegen die bloße Prüfung eines Zielbildes für ein Zentralinstitut gestimmt, während sich die Banken aus Ostdeutschland und Schleswig-Holstein ihrer Stimme enthalten haben sollen.

Mittlerweile hätten laut Schleweis die Landesobleute als Vertreter der deutschen Sparkassenvorstände vor wenigen Tagen über das ausgearbeitete Zielbild beraten. Als nächstes hätten nun eigentlich die Anteilseigner von Deka und Helaba über eine Due Diligence abstimmen sollen – doch dazu kommt es jetzt vorerst nicht mehr.

Zinsergebnis der Sparkassen auf Rekordtief

Durch ein Zentralinstitut könnten im Sparkassenlager, welches wegen seiner hohen Sparereinlagen besonders stark unter den aktuellen Negativzinsen leidet, enorme Skaleneffekte gehoben werden, lautete die ursprüngliche Idee. Vielerorts ließen sich Kosten einsparen.

Wie wichtig das ist, zeigen auch wieder die vorgelegten Zahlen der Sparkassen-Finanzgruppe. Denn für die Zukunft malte Schleweis ein düsteres Bild: „Die Ergebnisse der Sparkassen werden absehbar in den kommenden Jahren weiter unter Druck geraten.“ Dabei seien die jüngsten Entwicklungen rund um die Corona-Krise noch gar nicht eingepreist, so der Sparkassen-Chef.

Das wachsende Kundengeschäft im Jahr 2019 konnten die im Vergleich zum Vorjahr um sechs Institute reduzierten 378 Sparkassen aufgrund des anhaltenden Zinstiefs nicht in einen höheren Gewinn überführen. Der vorläufig ausgewiesene Jahresüberschuss lag bei 1,8 Milliarden Euro und damit genau auf dem Niveau von 2018. Das Zinsergebnis sackte im Jahr 2019 um 557 Millionen Euro auf 20,2 Milliarden Euro ab, was dem niedrigsten Wert seit 15 Jahren entspricht.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de