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07.06.19
Banking & Berater

Garth Ritchie droht offenbar Cum-Ex-Ärger

Die Staatsanwaltschaft Köln nimmt in den Cum-Ex-Ermittlungen einem Zeitungsbericht zufolge nun wohl auch Garth Ritchie ins Visier. Der Investmentbanking-Chef der Deutschen Bank steht schon länger in der Kritik.

Im größten deutschen Steuerskandal weitet die Staatsanwaltschaft Köln ihre Ermittlungen gegen große Banken aus. Nach Informationen des Recherchenetzwerkes von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR betrifft dies auch die Deutsche Bank, bei der allein 70 heutige und ehemalige Mitarbeiter ins Visier geraten sind – offenbar auch Top-Manager wie Investmentbanking-Chef Garth Ritchie. Die Deutsche Bank äußerte sich nicht dazu, gegen wen konkret ermittelt wird. Sie bestätigte lediglich, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen „gegen weitere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder eingeleitet“ habe. 

Den Banken wird vorgeworfen, beim sogenannten Cum-Ex-Skandal mit dem Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende den Staat um Milliarden betrogen haben, in dem sich die Händler die auf die Dividendenerlöse fällige Steuer mehrmals erstatten ließen. Der „SZ“ zufolge untersuchen die Ermittler nun auch Banken, die derlei Deals zwar nicht selbst betrieben haben, jedoch als Abwicklungsdienstleister fungierten.

Dies könnte womöglich auch für die Deutsche Bank gelten, heißt es weiter. Das Institut gab daraufhin bekannt, man habe nicht „an einem organisierten Cum-Ex-Markt“ teilgenommen – nicht als Käufer und auch nicht als Verkäufer von Aktien. Der Bank zufolge geschehe die Ermittlungsausweitung „rein aus Gründen der Verjährungsunterbrechung“.

Garth Ritchie ist schon länger angezählt

Dass Garth Ritchies Name nun prominent im Zusammenhang mit den Cum-Ex-Ermittlungen genannt wird, kommt für ihn zur Unzeit. Der Investmentbanker steht schon länger in der Kritik. Bei der Hauptversammlung Ende Mai wurde Ritchie von den Aktionären nur mit 61 Prozent entlastet. So schlecht wie Ritchie schnitt nur Compliance-Chefin Sylvie Matherat bei den Aktionären ab. Beide erhielten 14 Prozentpunkte weniger als die anderen Vorstände, denen 75 Prozent der anwesenden Aktionäre das Vertrauen aussprachen. 

Die Investoren der Deutschen Bank stören sich an den hohen Bonuszahlungen, die der Investmentbank-Chef im vergangenen Jahr erhalten hat, obwohl er seine gesetzten Ziele einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge nur zu 80 Prozent erreicht hatte. Obwohl die anderen Vorstandsmitglieder wie CEO Christian Sewing ihren Zielen deutlich näher kamen, verdiente kein Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied mehr als Ritchie, der 8,6 Millionen Euro einstrich.

Das liegt vor allem an der sogenannten „Funktionszulage“, die der Südafrikaner als Verantwortlicher für das Brexit-Management erhält und die rund ein Drittel der Gesamtvergütung ausmacht. Die hohen Bonuszahlungen der Bank brachten einige Aktionäre zuletzt stark in Rage: „Wie können Sie bei einer so schwachen Zielerreichung derart hohe Bonusbeiträge gewähren“, lautete bei der Hauptversammlung die rhetorische Frage der Deka zur generellen Vergütungspraxis in der Bank.

Auch Compliance-Chefin Sylvie Matherat ist angezählt

Bereits im vergangenen Jahr wurde lange über einen möglichen Abschied von Garth Ritchie spekuliert. Sein auslaufender Vertrag wurde letztendlich aber doch um weitere fünf Jahre verlängert. Dennoch reißen die Spekulationen über ein vorzeitiges Ausscheiden nicht ab. Zum einen wird gemutmaßt, die Deutsche Bank könnte Ritchie ablösen wollen, auf der anderen Seite gibt es auch Spekulationen darüber, dass Ritchie sich entscheiden könnte, das Institut zu verlassen.  

Auch Ritchies Vorstandskollegin Sylvie Matherat, die für Recht und Compliance bei der Deutschen Bank verantwortlich ist, steht in der Kritik. Ihr wird immer wieder vorgeworfen, die Skandale der Deutschen Bank nicht energisch genug aufgearbeitet zu haben. Dass vergangenes Jahr die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin dann noch einen Sonderbeauftragten in die Deutsche Bank entsandte, um das Haus beim Vorgehen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu überwachen, dürfte ihre Position nicht gestärkt haben.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de