Die HSBC Deutschland erwirtschaftet ihren Gewinn zu 60 Prozent über Provisionen. Einen großen Anteil daran hatten die lukrativen Mega-Übernahmen von Monsanto durch Bayer und von Syngenta durch ChemChina.

HSBC Trinkaus & Burkhardt

23.02.17
Banking & Berater

HSBC legt im Firmenkunden- und Investmentbanking zu

Stark gewachsene Provisionserlöse haben es der HSBC in Deutschland ermöglicht, dem Margenverfall im Kreditgeschäft zu entgehen. Das beschert der Bank steigende Gewinne. Bei der Kreditvergabe wird die Bank zunehmend wählerisch.

Während die Deutsche Bank und die Commerzbank derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt sind, erntet die HSBC Trinkaus & Burkhardt (im Folgenden HSBC) die Früchte ihrer Offensive im Firmenkundengeschäft. Unter dem Strich stand für die Düsseldorfer Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 ein Vorsteuergewinn von rund 230 Millionen Euro, 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der operative Gewinn lag bei rund 745 Millionen Euro nach 690 Millionen Euro 2015.

Den größten Gewinnbeitrag steuerte das Firmenkunden- und Investmentbanking bei. Das klassische Kreditgeschäft mit Mittelständlern bündelt die Bank im Commercial Banking unter der Leitung von Christian Kolb. Dieses legte im operativen Ergebnis (nach Risikovorsorge) von 148,6 auf 166,5 Millionen Euro zu.

Das Geschäft mit Großkunden (Global Banking), verantwortet von Martin Hörstel, ist unter dem Dach Global Banking & Markets angesiedelt. Hier wuchs der operative Gewinn um 44,2 auf 485,9 Millionen Euro.

Provisionen machen bei HSBC 60 Prozent des Gewinns aus

Den Gewinnanstieg verdankt die Bank vor allem ihren hohen Provisionserlösen, die gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent auf 474,7 Millionen Euro anstiegen und 60 Prozent des HSBC-Gewinns ausmachen. Die Bank ist dadurch deutlich unabhängiger von dem branchenweit abschmelzenden Zinsüberschuss als andere Banken. Dieser legte aber trotzdem noch um 9,7 auf 211,4 Millionen Euro zu, weil die HSBC ihr Kreditbuch im Zuge ihrer Firmenkundenoffensive stark ausgeweitet hat. Das höhere Kreditvolumen kompensiert so die rückläufigen Margen der einzelnen Kredite.

Schon zum Halbjahr war die HSBC im Firmenkunden- und Investmentbanking auf Kurs und hatte Provisionszuwächse verzeichnet. Lag das in der ersten Jahreshälfte vor allem an dem auftragsstarken Wertpapiertransaktionsgeschäft, sorgte im zweiten Halbjahr in erster Linie das Kapitalmarktgeschäft für volle Auftragsbücher. Dieses beinhaltet sowohl das Eigen- als auch das Fremdkapital- sowie das M&A-Geschäft. Die HSBC ist unter anderem bei der Übernahme von Monsanto durch Bayer bei der Finanzierung und dem Kauf von Syngenta durch ChemChina als Berater mandatiert.

HSBC erntet Früchte ihrer Firmenkundenoffensive

HSBC-Deutschlandchefin Carola von Schmettow sieht ihre Bank denn auch auf Kurs: „Wir haben unsere Wachstumsstrategie erfolgreich umgesetzt.“ Zuletzt hat die HSBC aber eine kleine Strategiewende vollzogen. Firmenkundenchef Norbert Reis hatte in der Juli/August-Ausgabe des FINANCE-Magazins angekündigt, dass die Bank vom Säen zum Ernten übergehen wolle.  

Zudem wird die Bank bei der Kreditvergabe wählerischer. Laut Carola von Schmettow werde die HSBC das weitere Kreditwachstum sehr stark nach wertorientierten Maßstäben steuern und „hinreichend großes Zusatzgeschäft einfordern“, wenn die Kreditmargen nicht für eine angemessenen Risikovorsorge und Kapitalverzinsung ausreichen.

Das Wachstum im Firmenkundengeschäft hat allerdings seinen Preis. Um Kunden von anderen Banken abzuwerben, musste die HSBC auch personell nachlegen. Das spiegelt sich im gestiegenen Personalaufwand wieder. Mit 355,4 Millionen Euro standen knapp 20 Millionen Euro mehr Personalaufwendungen zu Buche als im Vorjahr. Hinzu kommen „einmalig höhere Personalaufwendungen“ durch den Fokus auf „qualitatives Wachstum“. Dahinter verbergen sich sowohl Kosten für Mitarbeiter, die im Zuge der Neuordnung im Firmenkundengeschäft die Bank verlassen haben, als auch Gehaltserhöhungen, die mit der Firmenkundenoffensive einhergingen. Die prominentesten Abgänge waren Stephen Price und Markus Buncsak.    

Die gestiegenen Personalaufwendungen haben auch zu einem allgemeinen Anstieg der Verwaltungskosten um 7,1 Prozent auf 567,9 Millionen Euro geführt. Da die Erträge jedoch parallel mitgewachsen sind, verharrt das Kosten-Ertragsverhältnis (Cost-Income-Ratio) mit rund 70 Prozent auf Vorjahresniveau.

HSBC will dieses Jahr kräftig in die IT investieren

Gestärkt hat die HSBC im abgelaufenen Geschäftsjahr auch ihre Eigenkapitalbasis. Im Dezember führte die Bank eine Kapitalerhöhung über 235 Millionen Euro durch, damit das starke Kreditwachstum die Bilanzrelationen nicht durcheinander wirbelt. Die Kernkapitalquote stieg dadurch um 2 Prozentpunkte auf nun 12,3 Prozent. An der Refinanzierungsstrategie der HSBC hat sich hingegen nichts geändert. Kundeneinlagen machten 2016 mit 13,6 Milliarden Euro rund 60 Prozent der Bilanzsumme aus und sind damit weiterhin der wichtigste Refinanzierungsbaustein der Bank.

Mit „verhaltenem Optimismus“ blickt die HSBC auf das Jahr 2017. Jetzt gehe es darum, die ausgereichten Kredite in langfristig profitables Geschäft umzumünzen, gibt Bankchefin von Schmettow die Marschrichtung vor. Auch will die Bank „kräftig in die IT-Infrastruktur investieren.“ Das betrifft zum einen Investitionen in die Wertpapierabwicklung, wo sich die HSBC als relevanten Anbieter in Deutschland sieht. Zum anderen muss auch regulierungsbedingt wie bei fast jeder Bank die bankinterne IT-Infrastruktur modernisiert werden – eine Anforderung, der sich auch die HSBC nicht entziehen kann.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Die HSBC Deutschland kompensiert die sinkenden Margen im Kredit- über mehr Provisionsgeschäft. Ob und wie das den anderen Banken gelingt, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.