HVB-Zentrale in München: Die Hypo Vereinsbank wächst im ersten Halbjahr 2015 im Firmenkundengeschäft, profitiert aber noch mehr von einem starken Investmentbanking.

HVB

06.08.15
Banking & Berater

HVB wächst im Firmenkundengeschäft

Mit starken Quartalszahlen begegnet die Hypo Vereinsbank den aufkommenden Spekulationen um eine erneute Kürzungsrunde. Zwar zahlt sich die Retail-Offensive noch nicht aus, doch Investmentbanking und Firmenkundengeschäft der HVB glänzen.

Angetrieben von einem starken Investmentbanking und einem weiter expandierenden Firmenkundengeschäft hat die Hypo Vereinsbank (HVB) ein starkes zweites Quartal verzeichnet. Die operativen Erträge der deutschen Tochter der italienischen Großbank Unicredit wuchsen von April bis Juni im Vergleich zum ersten Quartal um 9,1 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro, das operative Ergebnis gar um 69,8 Prozent auf 309 Millionen Euro. In der Halbjahresbetrachtung stehen Zuwächse von 6 Prozent bei den Erträgen und 27,2 Prozent beim Ergebnis zu Buche.

Firmenkundengeschäft: HVB wächst mit Exportfinanzierungen

In den Zahlen spiegeln sich unterschiedliche Entwicklungen wider. Während die Bankenabgabe und die hohen Investitionen in den Ausbau des Privatkundengeschäfts das Ergebnis belasteten, glänzte das Investmentbanking mit hohen Gewinnen, die vor allem im Devisenhandel anfielen. So stieg das Handelsergebnis der HVB gegenüber dem ersten Quartal um 50 Prozent auf 270 Millionen Euro, während der Zinsüberschuss auf 668 Millionen Euro nur marginal zulegte und der Provisionsüberschuss um knapp 15 Prozent auf 257 Millionen Euro zurückging.

Das Firmenkundengeschäft verzeichnete nicht genauer spezifizierte „Zuwächse“, vor allem auf Grund eines starken Geschäfts mit Immobilien- und Außenhandelsfinanzierungen. Doch auch die HVB leidet unter dem scharfen Wettbewerb um die lukrativen Firmenkunden: „Das Firmenkundengeschäft ist unverändert hart umkämpft, und das bei überschaubarem Finanzierungsbedarf der Unternehmen“, sagte HVB-Firmenkundenchef Lutz Diederichs gegenüber FINANCE.

Dies hat offenbar auch das Wachstum der HVB im ersten Halbjahr gebremst: „Auch wenn unser Kreditvolumen im ersten Halbjahr leicht gestiegen ist, bleibt die Kreditnachfrage deutscher Unternehmen weiterhin verhalten“, weiß Diederichs zu berichten.

Attraktive Wachstumsmöglichkeiten im Firmenkundengeschäft sieht Diederichs für die HVB aktuell „insbesondere im Außenhandel, bei komplexen Finanzierungsthemen, bei alternativen Kapitalanlagen und Hedging-Produkten.“ Für die wichtigsten Herausforderungen seiner Firmenkunden hält Diederichs die immer weiter voran schreitende Digitalisierung von Märkten, die gleichzeitig immer internationaler werden. „Die HVB ist dafür sowohl im Außenhandel als auch im Bereich der Digitalisierung gut aufgestellt“, glaubt der Firmenkundenchef.

Das Kreditbuch der HVB wächst, die RWAs schrumpfen

In der aktuellen Berichtsperiode wurde der Druck des harten Wettbewerbs auf die Geschäftsperformance auch dadurch abgefedert, dass die Kreditrisikovorsorge in der Investmentbank noch einmal deutlich zurückgegangen ist: Im ersten Halbjahr musste die HVB dort nur noch 36 Millionen Euro zurücklegen, nach 62 Millionen im Jahr davor. Im Commercial Banking hingegen, wo die HVB das Privat- und Firmenkundengeschäft bündelt, stieg die Risikovorsorge von 44 auf 62 Millionen Euro an.

Obwohl HVB-Chef Theodor Weimer mit einer weiteren „Normalisierung“ der Risikovorsorge in den nächsten Quartalen rechnet – also einem weiteren Anstieg –, hat die HVB ihr Kreditvolumen gegenüber Privat- und Firmenkunden im ersten Halbjahr von 109,6 (Jahresende 2014) auf 111,2 Milliarden Euro ausgeweitet. Das geschah aber offenbar nicht wegen Zuwächsen im Firmenkundengeschäft. Aus der Ergebnispräsentation der HVB ist herauszulesen, dass das wachsende Kreditbuch wohl in erster Linie auf das lebhafte Immobilienfinanzierungsgeschäft mit privaten Häuslebauern zurückzuführen ist.

HVB steigert harte Kernkapitalquote auf fast 23 Prozent

Dennoch gelang es  der HVB im ersten Halbjahr, ihre gesamten Risikoaktiva von 85,8 auf 81,3 Milliarden Euro zu reduzieren. Allein das Kreditrisiko verringerte sich um 4 Milliarden Euro, hauptsächlich in Folge von Neuberechnungen im Bereich der Steuern. 

Der Risikoabbau hat die ohnehin schon sehr robuste Bilanz der HVB nochmals gestärkt. Die nach den vollen Basel-3-Kriterien berechnete Kernkapitalquote CET1 wuchs zwischen dem Jahreswechsel und Ende Juni von 21,7 Prozent auf 22,8 Prozent. Auch bei der Leverage-Ratio liegt die HVB mit 5,9 Prozent deutlich vor den meisten anderen Banken, die überwiegend Werte zwischen 3 und 4 Prozent und CET1-Eigenkapitalquoten von 10 bis 15 Prozent ausweisen.
 
Die guten Zahlen dürften zunächst die Befürchtungen dämpfen, dass auch die HVB von der anstehenden Kostensenkungsrunde betroffen sein könnte, die Unicredit-Chef Federico Ghizzoni plant. Zwar ist davon auszugehen, dass die Italiener auch im schwergewichtigen Deutschlandgeschäft den Rotstift ansetzen werden. Neben der HVB gehört aber auch das Bankhaus Neelmeyer zu den deutschen Töchtern der Unicredit. Außerdem betreiben die Italiener in Deutschland ein recht umfassendes Leasinggeschäft.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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