Laut Medienberichten plant die italienische UniCredit einen Konzernumbau und will angeblich auch in Deutschland und Österreich durchgreifen.

UniCredit

05.08.15
Banking & Berater

Medien: UniCredit will in Deutschland umbauen

Laut einem Zeitungsbericht steht die Bank UniCredit vor einem Umbau, der auch Deutschland betrifft. Hierzulande gehört der Bank die HypoVereinsbank.

Laut Medienberichten plant der CEO der italienischen Großbank UniCredit, Federico Ghizzoni, einen Radikalumbau der Bank, der auch das deutsche Geschäft trifft. So will er die Bank profitabler machen und eine weitere Kapitalerhöhung vermeiden. Wie die Financial Times (FT) berichtet, fürchtet die Bank, aufgrund ihrer aufsichtsrechtlich zwar ausreichenden, im Branchenvergleich aber recht geringen Kernkapitalquote von 10,1 Prozent im ersten Quartal von der Europäischen Zentralbank zu einer Kapitalstärkung gedrängt zu werden. Auf Nachfrage von FINANCE wollte die UniCredit zu dem Artikel keinen Kommentar abgeben.

Ghizzoni spielt laut FT verschiedene Maßnahmen durch, um die vierte Kapitalerhöhung innerhalb von sieben Jahren zu vermeiden. Zu den Optionen gehöre laut FT auch eine „aggressive Restrukturierung der deutschen und österreichischen Tätigkeiten“, da die Cost-Income-Ratios, also das Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag, dort bei rund 80 Prozent lägen.

Was passiert mit der HVB?

Die deutsche Unicredit-Tochter Hypo Vereinsbank lehnte einen Kommentar gegenüber FINANCE ab. Die Bank hat neben dem Geschäft mit Privatkunden auch eine große Firmenkunden-Sparte – zusammen mit dem Investmentbanking machte sie im Geschäftsjahr 2014 knapp die Hälfte des Ergebnisses vor Steuern aus.

Drastische Einschnitte wären bei der Bank allerdings nicht zwingend. Laut dem Geschäftsbericht 2014 ist sie mit einer harten Kernkapitalquote von 22,1 Prozent solide ausgestattet. Gleiches gilt für den Konzernüberschuss, der mit 785 Millionen Euro zwar unter dem Vorjahreswert von rund 1 Milliarde liegt, aber dennoch stabil ist. Verbesserungswürdig ist jedoch in der Tat die Cost-Income-Ratio, die 2014 gegenüber dem Vorjahr von 63,1 Prozent auf 77,3 Prozent angestiegen ist. Damit ist sie zu diesem Zeitpunkt aber immer noch kleiner als die CIR der Commerzbank (79,1 Prozent) und der Deutschen Bank (86,7 Prozent).

Im Privatkundengeschäft positioniert sich die Bank schon neu. Der Umbau soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Auch das Wachstum im Private Banking & Wealth Management sowie im Firmenkundengeschäft werde laut der HVB konsequent vorangetrieben. Das Deutschland-Engagement der UniCredit geht jedoch auch über die HVB hinaus und umfasst weitere Bereiche wie beispielsweise das Bankhaus Neelmeyer, das Leasinggeschäft der Mobility Concept GmbH und weitere Töchter und Beteiligungen.

Die meisten Banken verschonen deutsches Firmenkundengeschäft

Um in Zeiten der Niedrigzinsen profitabel zu bleiben, setzen die großen europäischen Geldhäuser derzeit konsequent den Rotstift an. Sowohl die die britische Barclays Bank, als auch die Londoner HSBC kündigten einen massiven Stellenabbau an. Das deutsche Firmenkundengeschäft werde jedoch in keinem der Fälle ernsthaft angerührt. Zu wertvoll und zu begehrt ist der deutsche Mittelstand, bei inländischen und ausländischen Banken.

Manche Geldhäuser bauen die Deutschland-Aktivitäten sogar aus. So zuletzt die französische BNP Paribas, welche die Anzahl ihrer deutschen Firmenkunden in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hat. Laurent Poiron, Head of Corporate  Coverage, ruft Deutschland als einen Kernmarkt aus und kündigt weiteres Wachstum an. Bis 2017 will das Bankhaus hierzulande 600 deutsche Firmenkunden betreuen. Die BNP Paribas profitierte dabei auch vom Rückzug der Royal Bank of Scotland aus dem Cash-Management-Geschäft. Diese empfahl ihren Kunden sogar den Wechsel zur BNP.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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