ING Diba

19.02.18
Deals

ING Diba kauft Firmenkunden-Fintech Lendico

Die ING Diba übernimmt das Berliner Fintech Lendico und forciert damit ihre Wachstumsabsichten im deutschen Firmenkundengeschäft. Bisher hatte die Bank nur auf Kooperationen mit Fintechs gesetzt.

Die niederländische Bank ING Diba plant bereits seit längerem den Ausbau ihres deutschen Firmenkundengeschäfts. Nun hat sie ihre Absichten durch einen M&A-Deal nochmals bekräftigt: Wie heute bekannt wurde plant die ING die Übernahme des Berliner Fintechs Lendico. Zuerst berichtete das Online-Portal „Finanz-Szene“ über die Transaktion.

Entsprechende Unterlagen seien dem Bundeskartellamt zur Prüfung gemeldet worden, teilte die Bank im Laufe des Vormittags in einer Pressemeldung mit. Die ING rechnet mit zwei bis vier Wochen für die Überprüfung des Zukaufs. Wie viel die Übernahme von Lendico kosten wird, ist nicht bekannt. Beide Seiten hätten diesbezüglich Stillschweigen vereinbart, so ein Sprecher.

Lendico stammt aus Rocket-Internet-Schmiede

Lendico wurde 2013 von der Start-up-Schmiede Rocket Internet gegründet. Das Fintech fokussiert sich eigenen Angaben zufolge auf Darlehen für kleine und mittelständische Unternehmen. Auf der Lendico-Plattform sollen „Kreditnehmer und professionelle Anleger zusammengebracht werden“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens.

Bisher können Unternehmen Kredite zwischen 10.000 und 250.000 Euro mit einer Laufzeit zwischen 12 und 60 Monaten bei Lendico aufnehmen. Eigenen Angaben zufolge beschäftigt das Fintech über 100 Mitarbeiter in vier Ländern.

ING entscheidet sich bewusst gegen Eigenentwicklung

ING-CEO Nick Jue hatte bereits auf der Bilanzpressekonferenz Anfang Februar angedeutet, dass er mit einem Online-Kredit für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) an den Markt gehen wolle. Beobachter waren bisher davon ausgegangen, dass die ING ein solches digitales Angebot selber entwickeln würde.

Doch die ING setzt hier auf den Faktor Geschwindigkeit. Durch den Zukauf sollen die Entwicklungen in diesem Bereich schneller vorangetrieben werden, erklärte ein ING-Sprecher auf die Frage, warum die Bank nicht selbst ein Angebot entwickelt hat.

ING setzte bisher auf Fintech-Kooperationen

Die Übernahme von Lendico kommt auch deshalb überraschend, weil sich die ING bisher eindeutig gegen die Integration von Fintechs in die Prozesse der Bank ausgesprochen hatte. „Wir sehen in Deutschland derzeit keine Notwendigkeit, Fintechs zu kaufen“, sagte Tomas Peeters, ehemaliger Chief Strategy Officer der ING-Diba, im Interview mit FINANCE vor rund zwei Jahren und begründet dies damit, dass die Start-ups selbständig bleiben sollten, damit sie ihre Innovationskraft und Schnelligkeit beibehalten könnten. Kooperationen wurden dabei Beteiligungen daher stets vorgezogen.

Doch unter dem neuen ING-CEO Nick Jue scheint diese Vorgabe nicht mehr zu gelten. Zukünftig würde man nichts kategorisch ausschließen, teilt die ING auf eine FINANCE-Anfrage mit. Wenn sich attraktive Übernahmeziele ergäben, käme neben Kooperationen auch weitere Übernahmen infrage.  

Fintechs machen Banken immer mehr Konkurrenz

Fintechs gelten als Bedrohung für die traditionellen Finanzinstitute. Durch weitestgehend digitalisierte und automatisierte Prozesse haben sich Fintechs zu einer echten Alternative zu Beratern und physischen Geschäftsstellen entwickelt. Vermehrt wird die Frage aufgeworfen, ob traditionelle Banken noch gebraucht werden. 

Um sich diesen Entwicklungen entgegenzustellen, haben einige Banken den Schritt auf Fintechs zugemacht. Neben der ING ist auch die Commerzbank Kooperationen mit den Start-ups eingegangen. Durch den Start ihres Venture-Capital-Segments Main Icubator 2014 hat die Bank Fintechs sogar eine Plattform gegeben, um sich weiterzuentwickeln.
 
andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Keine Bank kann es sich leisten, sich den Fintechs zu verschließen. Deshalb prüfen fast alle Geldhäuser Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die FINANCE-Themenseite Fintech-Strategien zeigt, wie die Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank und Co. mit den Start-ups umgehen.

Weitere Geschäftszahlen, Trends und Personalia erfahren Sie auf unserer Themenseite Firmenkundengeschäft.