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25.01.17
Banking & Berater

Insider: Deutsche Bank plant IPO der Fondssparte

Die Deutsche Bank erwägt den Börsengang ihrer Fondstochter Deutsche Asset Management. Mit einem Milliardenerlös aus dem Teilverkauf der Ertragsperle will die Bank ihr dünnes Kapitalpolster aufbessern.

Die Deutsche Bank braucht dringend frisches Kapital. Dafür ist das größte deutsche Geldhaus offenbar bereit, sich von Teilen seiner lukrativen Vermögensverwaltungssparte zu trennen. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, bereitet die Deutsche Bank derzeit einen Börsengang der Deutschen Asset Management vor. Wahrscheinlich sei, dass die Bank einen Minderheitsanteil von 25 bis 50 Prozent abgebe.

Selbst ein Teilverkauf der erfolgreichen Tochter würde einen Milliardenerlös in die Kassen von Deutsche-Bank-CFO Marcus Schenck spülen: Laut „Handelsblatt“ wird der Börsenwert der Deutschen Asset Management in der Bank und am Markt auf 6 bis 8 Milliarden Euro taxiert. Das entspräche 0,8 bis 1,1 Prozent des verwalteten Vermögens, das Ende September bei 715 Milliarden Euro lag.

In trockenen Tüchern ist der IPO allerdings noch nicht: Während Mitarbeiter der Fondstochter berichten, der Verkauf gelte „im Haus als gesetzt“, heißt es aus der Bank, der Aufsichtsrat habe sich mit Thema noch nicht befasst. Erst im vergangenen September hatte Deutsche-Bank-Chef John Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter bekräftigt, die Deutsche Asset Management bleibe essenzieller Bestandteil des Geschäftsmodells der Bank. Damals kochten erste Spekulationen über einen möglichen Teilverkauf der Fondstochter hoch.

Vermögensverwaltung ist die Renditeperle der Deutschen Bank

Für die Deutsche Bank sind die Pläne, eine Minderheitsbeteiligung an der Vermögensverwaltung abzugeben, ein zweischneidiges Schwert. Der Vorteil: Das Geldhaus könnte den Milliardenerlös gut gebrauchen, um seine schwache Kapitaldecke aufzupolstern. Die harte Kernkapitalquote lag Ende September bei nur 11,1 Prozent. Bis 2019 muss sie nach Vorgaben der Aufsicht auf mindestens 12,25 Prozent steigen.

Dafür will die Bank ohne Kapitalerhöhung auskommen, weshalb CEO Cryan zum einen das Sparprogramm verschärft hat und zum anderen das risikoreiche Investmentbanking zusammenstutzt, das viel Kapital bindet. Eine ähnliche Strategie fuhr zuletzt die Unicredit: Die italienische Großbank verkaufte ihren Vermögensverwalter Pioneer Investment für mehr als vier Milliarden Euro an Amundi aus Frankreich und polsterte so die Kapitaldecke auf.

Der Teil-IPO hätte aber auch Nachteile für die Deutsche Bank, denn die Deutsche Asset Management liefert stabile Erträge für den Gesamtkonzern: In den ersten neun Monaten trug die Sparte 549 Millionen Euro Gewinn vor Steuern bei. Das Kapitalmarktgeschäft (Global Markets) und das Firmenkundengeschäft (Corporate & Investmentbanking) lieferten zuletzt zwar höhere Gewinne.

Das Vermögensverwaltungsgeschäft ist aber besonders risikoarm und bindet wenig Kapital. Die Eigenkapitalrendite betrug zuletzt 33 Prozent – damit hängt die Fondstochter die anderen Sparten locker ab. Es dürfte daher im Interesse der Deutschen Bank liegen, beim IPO einen möglichst großen Anteil an der Vermögensverwaltung zu behalten.

Rechtsrisiken belasten die Deutsche Bank weiter

Eine Stärkung des Kapitals scheint umso wichtiger, da weiterhin hohe Rechtsrisiken auf der Bank lasten. Anfang der Woche wurde bekannt, dass sich die Deutsche Bank in den USA weiter mit einer Milliardenklage von Großinvestoren um Pimco und Blackrock auseinandersetzen muss. Den Antrag der Bank, die Sammelklage abzuwehren, wies das zuständige Gericht ab. Im Februar geht die Verhandlung nun weiter.

Gerade erst hatte das Geldhaus einen wichtigen Vergleich mit den US-Behörden geschlossen, der für etwas Ruhe sorgte und der Deutsche-Bank-Aktie auch an der Börse wieder Aufwind verlieh: Insgesamt 7,2 Milliarden US-Dollar muss die Bank wegen dubioser Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise zahlen, gedroht hatte ihr die US-Justiz mit 14 Milliarden US-Dollar.

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