Zentrale von N26 in Berlin: Mit der jüngsten Finanzspritze wird ds deutsche Fintech zum Einhorn.

N26

10.01.19
Banking & Berater

Mega-Finanzspritze für Fintech N26

Die Online-Bank N26 hat sich in einer erneuten Finanzierungsrunde 300 Millionen Dollar besorgt und wird zum Einhorn. Neu an Bord sind ein US-Finanzinvestor und ein asiatischer Staatsfonds.

Das Berliner Vorzeige-Fintech N26 beginnt 2019 mit einem Paukenschlag: Wie die Online-Bank heute bekanntgab, hat sie eine Series D-Finanzierungsrunde über 300 Millionen US-Dollar (rund 260 Millionen Euro) abgeschlossen. Die Bewertung des Fintechs steigt auf 2,7 Milliarden Dollar. Damit zählt N26 nun zum exklusiven Klub der „Einhörner“ – junge Tech-Unternehmen, die mehr als 1 Milliarde Dollar wert sind. Noch nie zuvor hat ein europäisches Fintech so viel Geld eingesammelt.

Die jetzt von N26 realisierte Summe entspricht mehr als einem Viertel dessen, was die gesamte deutsche Fintech-Branche im vergangenen Jahr eingeworben hat. Schon 2018 stellte N26 die größte Finanzierungsrunde.

N26 sichert sich Partner mit Signalwirkung

An der jetzigen Finanzierungsrunde, bei der die New Yorker Risikokapitalgesellschaft Insight Venture Partners im Lead sitzt, beteiligt sich mit dem Singapurer Staatsfonds GIC noch ein zweiter neuer Großinvestor. Auch die bisherigen Aktionäre Earlybird und Allianz haben weiteres Geld in N26 investiert.

Die Berliner VC-Gesellschaft Earlybird zählte zu den ersten Investoren des 2013 gegründeten Fintechs, die Allianz stieg im vergangenen Frühjahr ein. Insgesamt hat N26 damit nun schon über 500 Millionen US-Dollar eingeworben und neben den erwähnten Adressen noch weitere namhafte Investoren wie das chinesische Internetunternehmen Tencent und Vala Vantures, die VC-Gesellschaft des bekannten Investors Peter Thiel, im Boot.

Ungewöhnliche Finanzierungsrunde von N26

Die erneute Finanzierungsrunde kommt überraschend – insbesondere ihre Größe, denn N26 hatte vor nicht einmal einem Jahr schon eine Serie-C-Finanzierung abgeschlossen. Bei C-Runden steigen üblicherweise etablierte Venture-Capital-Investoren oder risikobereite Private-Equity-Fonds ein. Häufig ist die C-Finanzierung die letzte vor einem Börsengang oder bevor das Start-up finanziell auf eigenen Beinen steht.

D-Finanzierungen sind in der Start-up-Welt recht ungewöhnlich. Sie werden in der Regel dann durchgeführt, wenn das Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllt hat und nochmal frisches Kapital benötigt – oder wenn sich neue Expansionschancen eröffnet haben, die finanziert werden müssen.

 

 

N26 will Marktführer in den USA werden

Bei N26 dürfte letzteres der Fall sein. Wie N26-CEO Valentin Stalf der „Welt“ mitteilte, plant die Bank für das erste Halbjahr 2019 den Einstieg in den US-Markt, den größten und wichtigsten Banking-Markt der Welt. Nach Großbritannien wären die USA der zweite Kernmarkt außerhalb der Euro-Zone, den N26 betritt. Gelänge es N26, sich am US-Markt zu etablieren, könnte sich auch das mittelfristige Ziel von weltweit 50 bis 100 Millionen Kunden als erreichbar erweisen. Für dieses Jahr haben sich die Berliner aber zunächst einmal eine Verdoppelung des Kundenstamms auf 5 Millionen zum Ziel gesetzt. Im vergangenen Jahr verdreifachte sich die Kundenzahl auf 2,3 Millionen.

Der Ehrgeiz ist groß: „Wir treten an, um in den USA den Marktführer im mobilen Banking zu bauen“, sagte Stalf gegenüber der „Welt“. Später sollen dann die Banking-Märkte in Australien, Brasilien, Kanada und Mexiko erobert werden.

N26-Gründer Stalf zeigt Banken die kalte Schulter

Stalf deutet an, dass in diesem Zuge auch noch weitere Finanzierungsrunden anstehen könnten: „Wir sind jetzt in einer Position, in der wir frei entscheiden können, wann wir an die Börse gehen, ob wir privat Geld einsammeln oder ob wir überhaupt jemals wieder externe Finanzierungen brauchen.“ Stalf zufolge könnte N26 zwar schon profitabel arbeiten, aber Priorität habe das Wachstum. Damit ist klar, dass N26 noch eine ganze Weile unterhalb der Gewinnschwelle operieren dürfte.

Für deutsche Banken ist es nun zu spät, auf diesen Zug noch aufzuspringen, meint der Gründer: „Zumindest für eine deutsche Bank sind wir spätestens jetzt kein Übernahmeziel mehr. Dafür sind wir schlicht zu groß. Außerdem haben wir überhaupt kein Interesse, übernommen zu werden.“

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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