Deutsche Fintechs haben 2018 erstmals mehr als eine Milliarde Euro eingeworben.

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08.01.19
Banking & Berater

Deutsche Fintechs durchbrechen Milliardengrenze

Die deutschen Fintechs haben 2018 wieder an Zugkraft gewonnen. Zum ersten Mal konnten sie mehr als 1 Milliarde Euro einwerben. Aber die Kuchenstücke sind nicht gleich groß.

Nach einem kurzen Durchhänger hat die deutsche Fintech-Szene 2018 wieder an Fahrt zugelegt und dabei sogar einen Meilenstein erreicht. Zum ersten Mal haben die deutschen Finanz-Start-ups in einem Jahr über 1 Milliarde Euro eingesammelt, wie aus einer Studie der Beratungsfirma Barkow Consulting hervorgeht. Bereits zum Ende des dritten Quartals 2018 hatten die deutschen Fintechs mit 778 Millionen Euro mehr Geld eingesammelt als im bisherigen Rekordjahr 2017 (713 Millionen Euro) insgesamt.

Insgesamt ergibt sich bei den eingesammelten Geldern 2018 ein Zuwachs von 55 Prozent gegenüber 2017. Diese Wachstumsrate ist beachtlich, waren die Zuwächse zuvor doch jahrelang stark zurückgegangen. Waren die eingeworbenen Mittel der deutschen Fintechs 2015 noch um 145 Prozent gewachsen, waren es 2017 nur noch 16 Prozent mehr als im Jahr davor.

Fintech N26 kassierte am meisten

Was die Marktzahlen aber auch zeigen: Der Großteil der Gelder fließt an einen kleinen Kreis von Fintechs. Dies zeigt, dass sich inzwischen schon einige Highflyer herauskristallisieren – ein klares Zeichen für einen reifer werdenden Venture-Markt.

Bei den deutschen Fintechs kamen 2018 satte 53 Prozent (594 Millionen Euro) des gesamten Finanzierungsvolumens alleine durch die zehn größten Deals zustande. Die Anzahl der Deals hingegen ist gegenüber 2017 um 10 Prozent gefallen, was ebenfalls auf eine Konzentration der Finanzierungen auf wenige Branchengrößen hinweist. Der Branchenprimus, die Berliner Online-Bank N26, macht mit einer Finanzierungsgröße von 130 Millionen Euro alleine 12 Prozent des gesamten Jahresvolumens aus.

Wieder mehr Fintech-Gründungen

Gleichzeitig wachsen aber auch wieder mehr Fintechs nach, als das zwischenzeitlich der Fall war. Nachdem in den vergangenen Jahren die Anzahl an Fintech-Neugründungen abgenommen hat, beschrieb die Direktbank Comdirect in ihrer Fintech-Studie vom Oktober vergangenen Jahres aber wieder eine Zunahme. Bis Ende September 2018 sind demnach in Deutschland 42 neue Fintechs gegründet worden, zwölf mehr als im Vorjahreszeitraum. Als auffallend bezeichnete die Comdirect die Zuwächse bei Neugründungen von Fintechs, die mit der Blockchain-Technologie experimentieren.

Insgesamt gibt es derzeit rund 800 Finanz-Start-ups in Deutschland, und sie sind en vogue, meint der Fintech-Experte Peter Barkow: „Innerhalb der Start-up-Welt sind Fintechs für Wagniskapitalgeber ein großes Thema, und der deutsche Markt steht dabei im Fokus.“ Ihm zufolge zogen Fintechs 2018 rund 29 Prozent des gesamten deutschen Wagniskapitals auf sich.

B2B-Fintechs hinken hinterher

B2B-Fintechs verzeichneten 2018 keine spektakulären Finanzierungsrunden. Einzig die Solaris Bank, die man zu den B2B-Fintechs zählen kann, rangiert mit einem neu eingeworbenen Volumen von 56 Millionen Euro unter den größten Fintech-Deals des Jahres. Eine andere Finanzierungsquelle als das klassische Fundraising erschloss sich im vergangenen Sommer die Finanzierungsplattform Creditshelf. Dieses B2B-Fintech ging an die Börse und erlöste dabei ein Emissionsvolumen von 16,5 Millionen Euro.

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