Neuer Streit um die NordLB

Ulli Reinecke/NordLB

22.03.19
Banking & Berater

Neuer Streit um die NordLB

Steht die Rettung der NordLB wieder auf der Kippe? Einem Zeitungsbericht zufolge ist ein Streit zwischen den unterschiedlichen Trägern ausgebrochen – es geht um Arbeitsplätze und die Kapitalstruktur.

Eigentlich schien die Rettung der NordLB so gut wie in trockenen Tüchern. Nach langem Ringen einigten sich die Gremien des Sparkassenlagers darauf, die kapitalbedürftige Landesbank mit 1,1 Milliarden Euro zu stützen. Das Land Niedersachsen, mit 60 Prozent der größte Anteilseigner der NordLB, sollte 2,4 Milliarden Euro beisteuern.

Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge steht dieses Bündnis jedoch auf wackligen Beinen. Angeblich herrscht Streit zwischen dem Land Niedersachsen und den Sparkassen. Dabei gehe es zum einen um Arbeitsplätze: Für ein tragfähiges Geschäftsmodell müssten dem Bericht zufolge 3.000 bis 4.000 Stellen abgebaut werden. Die NordLB will bis zum Jahresende 1.250 ihrer 5.650 Stellen streichen, was den Sparkassen aber nicht genügen soll.

Sparkassen sind mit sich und dem Land zerstritten

Ein weiterer Streitpunkt sei die neue Kapitalstruktur der NordLB. Dem Bericht zufolge will das Land Niedersachsen 1 Milliarde ihrer 2,4 Milliarden Euro schweren Hilfe als Ausfallgarantie zur Verfügung stellen. Weil manche Schiffe in der Bilanz nun aber angeblich „mehrere hundert Millionen Euro mehr wert seien“, wolle das Land davon „teilweise abrücken“. Hinzu käme, dass das Land Niedersachsen laut Bericht einen Teil der Lasten auf die Sparkassen abwälzen möchte, indem ein Teil des Verlustvortrags der NordLB-Tochter Bremer Landesbank nicht anerkannt werden soll.

Und auch die Sparkassen untereinander ziehen offenbar nicht am selben Strang. Der „SZ“ zufolge möchten die Sparkassen in Niedersachsen die Braunschweigische Sparkassentochter der NordLB nun doch in der Bank belassen. Damit sei die Geschäftsgrundlage der Einigung weg, zitiert die Zeitung einen anonymen Sparkassenfunktionär.

Streitereien behindern NordLB-Restrukturierung

Die NordLB wollte sich zu den Unruhen ihrer Träger auf Nachfrage nicht äußern. Für den laufenden Restrukturierungsprozess der Landesbank sind diese allerdings wenig förderlich. So muss beispielsweise der Rettungsplan der Sparkassen noch von den nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden diskutiert werden. Vor allem die EU-Behörden votieren immer wieder für privates Kapital zur Rettung der NordLB. Ein gemeinsames Angebot der Finanzinvestoren Cerberus und Centerbridge hatten die Träger allerdings abgelehnt. Auch mit der Helaba konnten sich die Träger nicht über eine Fusion einigen, obwohl die Bank ein unverbindliches Angebot abgegeben hatte.

Dem deutschen Bankensektor erweisen die Träger und Eigentümer mit ihren internen Unstimmigkeiten einen Bärendienst, denn sie behindern die angestoßene Konsolidierung im Landesbankensektor. Während das Sparkassenlager auf eine „Super-Landesbank“ drängt, treten die Landesbanken und die betroffenen Bundesländer auf die Bremse. Die Helaba fordert von den Sparkassen einen konkreten Vorschlag für ein Geschäftsmodell, während die BayernLB bei ihrer gestrigen Bilanzpressekonferenz deutlich machte, dass es in Bayern für solch eine Diskussion „keinen positiven Ausblick“ gebe.