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Wegen mBank: Commerzbank stellt fast halbe Milliarde zurück

Rückstellungen der polnischen Tochter mBank belasten die Commerzbank mit 490 Millionen Euro. Foto: Fotokon - stock.adobe.com
Rückstellungen der polnischen Tochter mBank belasten die Commerzbank mit 490 Millionen Euro. Foto: Fotokon - stock.adobe.com

Die polnische Tochter mBank sorgt bei Commerzbank erneut für hohe finanzielle Belastungen. Wie die Coba am gestrigen Dienstagabend nach Börsenschluss mitteilte, muss die Bank weitere 490 Millionen Euro an Risikovorsorge bilden. Diese zusätzlichen Rückstellungen werden sich laut der Commerzbank negativ auf das Ergebnis des dritten Quartals dieses Jahres auswirken.

Der Grund für die hohen Rückstellungen bei der mBank sind Immobilienkredite, die das polnische Institut an polnische Kreditnehmer ausgereicht hatte. Diese hatten aufgrund niedriger Zinsen in der Schweiz Hauskredite in Franken aufgenommen.

Da der polnische Zloty aber gegenüber dem Franken stark an Wert verloren hat, führten die Kredite wiederum bei den polnischen mBank-Kunden zu hohen finanziellen Belastungen. Die mBank sieht sich nun mit Klagen enttäuschter Kreditnehmer konfrontiert und sichert sich mit Rückstellungen ab, um mögliche Vergleichszahlungen zu finanzieren.

mBank-Belastungen steigen auf bis zu 780 Millionen Euro

Mit den zusätzlichen 490 Millionen Euro wächst der Berg an Risikovorsorge für die umstrittenen Fremdwährungskredite auf 1,43 Milliarden Euro. Die hohen Rückstellungen überraschen: Analysten der Warburg Bank waren von einer deutlich geringeren Risikovorsorge als den 490 Millionen Euro ausgegangen, die Schätzung der Warburg-Analysten hatte bei lediglich 180 Millionen Euro gelegen.

Zu den 490 Millionen Euro kommen bei den Frankfurtern im aktuellen Quartal aber noch weitere 210 bis 290 Millionen Euro an finanzieller Last hinzu, die sich auf die mBank zurückführen lassen, wie die Commerzbank bereits im Juli mitteilte. Diese Summe hat aber einen anderen Ursprung als die Franken-Kredite: Diese bis zu 290 Millionen Euro an Verlusten bei der polnischen Tochterbank sind eine Konsequenz einer neuen gesetzlichen Regelung in Polen.

Die Regelung, auch „Credit Holidays“ genannt, erlaubt es polnischen Kreditnehmern, ihre monatlichen Ratenzahlungen für Hypothekenkredite mehrere Male – insgesamt bis zu acht Mal – auszusetzen. Die polnische Regierung reagierte damit auf die Folgen der hohen Inflation und der gestiegenen Zinsen. Die Commerzbank rechnet damit, dass 60 bis 80 Prozent der Kreditnehmer von den „Credit Holidays“ Gebrauch machen werden. Das Institut hat bereits angekündigt, gegen diese „ungewöhnliche Regelung“ rechtliche Schritte zu prüfen.

Somit belaufen sich die Sonderbelastungen durch die mBank im dritten Quartal auf bis zu 780 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere Risikovorsorgepositionen für Franken-Kredite über zusammengerechnet rund 80 Millionen Euro in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres, sowie weitere 83 Millionen Euro im zweiten Quartal, die aufgrund einer Ausweitung der Einlagensicherung in Polen entstanden sind. In Summe entspricht dies einer Zusatzbelastung durch die mBank von über 900 Millionen Euro, die in den ersten drei Quartalen dieses Jahres anfällt.

Commerzbank rechnet weiter mit Milliardengewinn in 2022

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass die Commerzbank auch für das dritte Quartal, in dem diese Belastungen hinzukommen, mit einem positiven operativen Konzernergebnis rechnet – allerdings vorausgesetzt, dass aufgrund der Energieversorgung „keine weitere signifikante Bildung von Risikovorsorge notwendig wird“, heißt es in der Unternehmensmitteilung.

Auch bezüglich der Jahresperformance bleibt die Commerzbank bei ihrer Prognose – das Geldhaus rechnet im Geschäftsjahr 2022 mit einem Konzernergebnis von über 1 Milliarde Euro. „Trotz der neuerlichen Belastungen in Polen halten wir angesichts der insgesamt starken Ertragsentwicklung an unserem Ergebnisziel für das Jahr 2022 fest“, sagte Coba-CFO Bettina Orlopp. Die Analysten der Warburg Bank erklären sich das Festhalten an den Geschäftsaussichten – sowohl für das dritte Quartal als auch für das Gesamtjahr – damit, dass die Performance des Instituts im dritten Quartal deutlich besser sein muss als erwartet.

Die Commerzbank blickt auf ein starkes erstes Halbjahr, in dem die Bank ein operatives Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro und einen Konzerngewinn von 768 Millionen Euro erzielt hat. Doch die hohen Belastungen durch das mBank-Geschäft überschatten die guten Ergebnisse. Um den Schaden zu begrenzen, wollte die Commerzbank ihre polnische Tochter, an der sie 69,3 Prozent hält, im Jahr 2019 sogar abstoßen. Von dem Vorhaben mussten die Frankfurter aber letztlich absehen, weil der Aktienkurs der mBank damals zu sehr gebeutelt war.

Der Kurs der Commerzbank-Aktie reagierte auf die Nachrichten aus Polen am gestrigen Dienstag nachbörslich mit leichten Verlusten. Am heutigen Mittwochvormittag musste die Coba-Aktie jedoch zeitweise über 5 Prozent einbüßen. Aktuell rangiert das Papier bei Werten um 7 Euro.

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.