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Polnische mBank kostet Commerzbank 436 Millionen Euro

Commerzbank muss Millionenabschreibung von Tochter mBank verdauen. Foto: Julia Schwager - Commerzbank

Die mBank sieht sich weiterhin mit einer Klageflut durch enttäuschte Frankenkreditnehmer in Polen konfrontiert. Viele Kunden der Bank stehen vor deutlich höheren Belastungen durch die aufgenommenen Hypothekenkredite als erwartet, weil der polnische Zloty gegenüber dem Schweizer Franken stark an Wert verloren hat. Dies erhöht den Wert der Kredite und auch die Zinsbelastung. Die polnische Finanzaufsicht legt der mBank außergerichtliche Vergleiche mit ihren Kunden nahe, und das wird teurer als gedacht, wie die Commerzbank am Freitagabend nach Börsenschluss eingeräumt hat.

Im vierten Quartal muss die Commerzbank für die Bereinigung der Frankenproblematik eine weitere Rückstellung in Höhe von 436 Millionen Euro buchen. Damit wächst die Risikovorsorge im Zuge der umstrittenen Fremdwährungskredite auf etwa 900 Millionen Euro – eine beachtliche Summe, beläuft sich doch das gesamte Frankenkreditportfolio der mBank nur auf 2,4 Milliarden Euro.

Warum schnitt die Commerzbank „underlying“ so gut ab?

Überraschend ist, dass die Commerzbank trotz dieses nicht geplanten Rückschlags davon ausgeht, 2021 einen Jahresüberschuss erreicht zu haben. CEO Manfred Knof hatte diese Ambition mehrfach unterstrichen, nachdem im harten Jahr 2020 noch ein Verlust von 2,9 Milliarden Euro in den Büchern der Commerzbank stand. Eine Rückkehr in die Gewinnzone stand allerdings unter dem Vorbehalt, dass es keine substanziellen Veränderungen geben würde, die mit dem Kreditgeschäft der polnischen Tochter zusammenhängen. Dies hat sich nun jedoch geändert.

Analysten hatten im Schnitt bislang mit einem Überschuss von 163 Millionen Euro gerechnet. Inklusive der Rückstellungen würde sich daraus nun ein Jahresverlust von 273 Millionen Euro errechnen. Dies bedeutet, dass das vierte Quartal abseits der Frankenproblematik um mindestens diesen Betrag besser abgeschnitten haben müsste als von den Analysten erwartet. Ob diese überraschend hohen Gewinne aber aus dem Kerngeschäft kommen oder ebenfalls bilanziellen Sondereffekten zu verdanken sind, wird sich erst zeigen, wenn Knof und CFO Bettina Orlopp am 17. Februar die detaillierten Bilanzzahlen vorstellen. Die Analysten der UBS tippen auf unerwartet hohe Wertzuwächse im Private-Equity-Portfolio der Bank.

CFO-Profil

Dr. Bettina Orlopp, Commerzbank

Dr. Bettina Orlopp

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Commerzbank AG

mBank sollte verkauft werden

Die nun fast verdoppelten Verluste aus den Fremdwährungskrediten der mBank dürften auch die Zukunft dieser Bank unter dem Dach der Commerzbank wieder zum Thema werden lassen. Knofs Vorgänger Martin Zielke hatte die 69-Prozent-Beteiligung an der mBank 2019 zum Verkauf gestellt, um mit dem Verkaufserlös die Digitalisierung des Mutterhauses zu finanzieren. Knof kassierte diesen Plan 2020 dann wieder ein, nachdem die Coronakrise und die Frankenkredite den Aktienkurs der mBank stark gebeutelt hatten.

Doch seit dem Tief im Oktober 2020 hat sich die mBank-Aktie inzwischen wieder vervierfacht, der Anteil der Commerzbank ist somit wieder fast 3 Milliarden Euro wert. Die Aktie der Commerzbank reagiert richtungslos auf die gemischte Nachricht vom Freitagabend – sie schwankt um den Schlusskurs vom Freitag von 7,35 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 10 Prozent zu Buche.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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