Ungewöhnlicher Karriereschritt bei Michael Diederich: Der Vorstandssprecher der zur Unicredit gehörenden HypoVereinsbank (HVB) wechselt zum FC Bayern München. Dort wird er als Finanzvorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender anstelle des scheidenden Jan-Christian Dreesen tätig sein. Eine Nachfolgerin für Diederich ist bereits gefunden: Er übergibt sein Amt bei der HVB Ende Februar 2023 an Marion Höllinger, die zum 1. März 2023 zur neuen CEO ernannt werden soll.
Michael Diederich ist ein Eigengewächs der HVB – mit ein paar Unterbrechungen. Er kam im Jahr 1996 als Trainee ins Haus und stieg zum Vorstandsassistenten im Bereich Firmenkunden auf. Zwei Jahre lang war er danach als Executive Director für den Dienstleister Communication Equity Associates tätig, bevor er zur HVB zurückkehrte und diverse Führungspositionen bekleidete. 2015 verließ er die Bank, um CEO von Euler Hermes in Hamburg zu werden – doch schon nach vier Monate kehrte er wieder zur HVB zurück. 2015 zog er in den Vorstand der Bank und übernahm 2018 die Rolle des CEO.
„Unser Geschäft in Deutschland hat alle Erwartungen durchgängig übertroffen und ist eine tragende Säule unserer Gesamtstrategie. Dies ist der Beweis für Michael Diederichs hervorragende Führung der Bank“, sagt Andrea Orcel, Aufsichtsratsvorsitzender der HVB und CEO der UniCredit Group. „Im Namen des gesamten Aufsichtsrats danken wir ihm von ganzem Herzen für seine Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft viel Erfolg.“ Der HypoVereinsbank wird Michael Diederich auch künftig verbunden bleiben: Er soll laut Pressemitteilung ein Mandat im Aufsichtsrat übernehmen.
Eigengewächs Marion Höllinger wird neue Chefin der HVB
Seine Nachfolgerin Marion Höllinger kommt ebenfalls aus dem Konzern: Sie leitet derzeit das deutsche Privatkundengeschäft der HypoVereinsbank. Sie ist seit dem Jahr 2021 im Vorstand der Bank und war seit dem Jahr 1996 in zahlreichen Führungspositionen an wechselnden Orten für die Bank tätig. „Sie kennt die Bank und den Konzern seit vielen Jahren und hat in dieser Zeit nicht nur fachliche Exzellenz, sondern auch große Führungs- und Umsetzungskompetenzen bewiesen“, sagt Andrea Orcel.
Die HypoVereinsbank gehört zur UniCredit, einer paneuropäischen Geschäftsbank mit Sitzen in Italien, Deutschland sowie Zentral- und Osteuropa. Nach eigenem Angaben betreut sie mehr als 15 Millionen Kunden weltweit. In den vergangenen Jahren hat sie ein neues Sektorenmodell eingeführt: Sie bündelt ihre Beratungsteams in sechs Industriesektoren. Das bedeutet für manche Kunden den Abschied von ihrem festen Kundenberater, zu dem besonders viele Mittelständler eine langjährige Beziehung pflegen.
Unter CFOs und Treasurern gehört die HVB zu den Top 5 im deutschen Firmenkundengeschäft, zeigen die Ergebnisse des neuen FINANCE-Banken-Survey 2022. Doch in manchen Feldern hatte sie zuletzt auch Federn lassen müssen.

Michael Diederich wird vom Fan zum Finanzchef
Der Wechsel des Bankchefs zum Fußballverein kommt aber auch nicht komplett überraschend: Immerhin ist Diederich seit dem Jahr 2018 zudem Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern München. Seinen neuen Job als Finanzchef und stellvertretender Vorsitzender er am 1. Juli 2023 an.
Sein Vorgänger Jan-Christian Dreesen hatte dem Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Hainer mitgeteilt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern werde. Dieser läuft bis zum 30. Juni 2023. Bereits ab April 2023 wird Diederich als reguläres Mitglied im Vorstand der Bayern tätig sein, um in den darauffolgenden drei Monaten zusammen mit seinem Vorgänger den Übergang bis zu seinem Amtsantritt zu koordinieren.
„Ich würde die HypoVereinsbank nicht für irgendeine Rolle verlassen, aber die Möglichkeit, die mir angeboten wurde, konnte ich nicht ablehnen. Ich begleite den Verein schon seit langem, zuerst als Fan und seit vier Jahren als Mitglied des Aufsichtsrates“, so Diederich zu seiner neuen Rolle.

Herbert Hainer, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München bezeichnet Diederich als „hervorragenden Finanzexperte mit einem wertvollen Netzwerk und ausgeprägten Führungsqualitäten.“
Jan-Christian Dreesen verlässt FC Bayern auf eigenen Wunsch
Der scheidende Jan-Christian Dreesen gehört seit Februar 2013 dem Vorstand des FC Bayern an, seit Februar 2014 ist er stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Was Diederich und Dreesen verbindet: Beide sind Banker, und auch Dreesen startete seine Karriere als Trainee bei der HVB, beziehungsweise der Vorgängerbank Bayerische Vereinsbank.
Er hatte bis 2006 verschiedene Führungspositionen bei der HypoVereinsbank inne, bevor er in den Vorstand der UBS Deutschland wechselte. Zudem war er viele Jahre Mitglied im Vorstand der BayernLB. „Ich hatte fantastische zehn Jahre beim FC Bayern. Nach langer und reiflicher Überlegung habe ich mich nun entschlossen, meine persönlichen Ziele noch einmal neu zu definieren,“ so Dreesen.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Hainer dankte ihm „für seinen hervorragenden Einsatz und seine großartigen Leistungen“. In den fast zehn Jahren mit Dreesen als Finanzvorstand habe der FC Bayern Jahr für Jahr Gewinne erwirtschaftet – selbst während der Corona-Pandemie –, was auf Dreesen zurückzuführen sei.
erika.vonbassewitz[at]finance-magazin.de
Erika von Bassewitz ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Philosophie und Französisch an der Humboldt-Universität in Berlin sowie an der Université de Genève studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Vor FINANCE war sie mehr als acht Jahre Redakteurin in der Multimediaredaktion des Medienhauses der EKHN. Davor war sie unter anderem Redakteurin beim HR-Magazin von monster, freie Autorin bei Deutsche Welle TV und freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Zeitung.
