Augmented-Reality-Anwendung für die Ansicht eines Automotors: Accentures Zukauf Mackevision ist in dem Bereich Augmented Reality aktiv ebenso wie in CGI und Virtual Reality.

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10.01.18
Banking & Berater

Accenture kauft Mackevision von Investor Gimv

Ungewöhnlicher Zukauf bei Accenture: Der IT-Berater übernimmt den Digitalfilmspezialisten Mackevision. Verkäufer ist der Finanzinvestor Gimv.

Die IT-Beratung Accenture stärkt ihr Agenturgeschäft (Accenture Interactive) erneut und kündigt den Kauf des Special-Effects-Spezialisten Mackevision an. Das gab das Unternehmen am heutigen Mittwoch bekannt.

Verkäufer ist das belgische Private-Equity-Haus Gimv. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Gimv war Ende 2014 bei Mackevision eingestiegen. Laut Gimv habe die Investition im gesamten Anlagezeitraum eine Rendite deutlich über dem langfristigen Durchschnitt des Investors generiert. Der positive Beitrag zum Eigenkapitalwert betrug rund 0,70 Euro pro Gimv-Anteil, heißt es weiter. Gimv wurde bei dem Verkauf von GCA Altium beraten.

„Game of Thrones“ arbeitet mit Mackevision zusammen

Mackevision wurde 1994 gegründet und erwirtschaftete mit seinen 500 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2015/2016 einen Umsatz von knapp 49 Millionen Euro. Der Kauf überrascht auf den ersten Blick, denn Mackevision ist in einer Branche aktiv, mit der Accenture bisher nur wenig Berührungspunkte hatte.

Das Unternehmen ist ein Dienstleister für sogenannte Computer Generated Imagery (CGI), die unter anderem bei Science-Fiction-Filmen zum Einsatz kommt. Auch in den Bereichen Visual Effects und Augmented sowie Virtual Reality ist Mackevision aktiv.

Durch die Technologien können täuschend echte digitale Kopien von Automobilen, Flugzeugen, Maschinen aber auch Fabelwesen erstellt werden. Mackevision ist vor allem dafür bekannt, dass es die Spezialeffekte für die US-amerikanische Serie „Game of Thrones“ kreiert, wo das Unternehmen Drachen digital zum Leben erweckt.

Mackevision ist ein Dienstleister für Computer Generated Imagery (CGI), Visual Effects sowie Augmented und Virtual Reality.

Mackevision zählt BMW und Porsche zu seinen Kunden

Aus Marketing-Sicht dürften die Hollywood-Aktivitäten des Zukaufs für Accenture zwar interessant sein. Der Mehrwert von Mackevision dürfte für den IT-Berater jedoch woanders liegen: Die Baden-Württemberger zählen auch klassische Industriekonzerne wie Audi, BMW, Chrysler und Porsche zu ihren Kunden.

„Mackevision kann komplexe Ingenieurdaten bearbeiten und mit ihrer Hilfe umsatzrelevante Kundenerlebnisse erzeugen.“

Frank Riemensperger, Accenture-Chef

Denn Mackevision produziert neben den Spezialeffekten für Film- und Fernsehen unter anderem digitale Kataloge, virtuelle Showrooms und multimediale Kioske.

„Die Fähigkeiten von Mackevision, komplexe Ingenieurdaten zu bearbeiten und mit ihrer Hilfe emotionale und umsatzrelevante Kundenerlebnisse zu erzeugen, sind beeindruckend“, lässt sich Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture Deutschland, zu dem M&A-Deal zitieren. Er verspricht sich zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten der Mackevision-Technologie in verschiedenen Branchen.

Accenture stärkt Agenturgeschäft durch M&A-Deals

Accenture treibt den Ausbau seines Agenturgeschäfts durch den Mackevision-Zukauf weiter voran. Die IT-Beratung hatte zuletzt mit zahlreichen M&A-Deals Aufmerksamkeit erregt. So kündigte Accenture vor knapp einem Jahr die Übernahme der Internetagentur Sinner Schrader an, die mittlerweile abgeschlossen ist. Zudem fokussiert sich Accenture zunehmend auf das Cloud-Geschäft.

Dabei spürt Accenture immer mehr Druck durch die Big Four. PwC, KPMG, Ernst & Young (EY) und Deloitte drängen immer stärker in das Beratungsgeschäft und sind auf dem M&A-Markt ebenfalls sehr aktiv.

So hat Deloitte beispielsweise im Sommer vergangenen Jahres die Digitalagentur Acne gekauft. Kurz davor hatte EY den Digitalberater Etventure übernommen. Da sich die Tätigkeitsfelder von Accenture und den Big Four immer mehr annähern, konkurrieren diese auch immer stärker um Mitarbeiter: Im Juli 2017 gewann PwC die Banken-IT-Expertin Sandra Babylon von Accenture. 

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