PwC gilt als Top-Arbeitgeber bei den Studierenden. Doch McKinsey holt auf.

PwC

05.05.17
Banking & Berater

High Potentials: Lieber zu PwC als zu McKinsey

Der Kampf der Unternehmensberater um die neue Elite ist in vollem Gange. Gewonnen hat ihn vorerst PwC, dicht gefolgt von McKinsey, EY und BCG. Eine große Strategieberatung hingegen bricht dramatisch ein.

Noch nie war der Wettbewerb zwischen den Big Four KPMG, PwC, Deloitte sowie EY und den klassischen Strategieberatern McKinsey, BCG, Roland Berger und Co. so hart wie jetzt. Sie kämpfen um die größten Marktanteile und die lukrativsten Aufträge – und vor allem um die besten Mitarbeiter.

Besonders begehrt sind dabei die sogenannten „Digitals“, junge Talente mit ausgeprägten Kompetenzen im Digitalbereich. Die Berater wollen sie unbedingt haben, damit sie Unternehmenskunden bei der digitalen Transformation unterstützen. Dieser Markt boomt, die Beratungshäuser können sich vor Nachfrage kaum retten.

Der größte limitierende Faktor beim Wachstum ist die Verfügbarkeit geeigneter Berater. Und gleichzeitig digitalisieren Big Four auch noch ihre eigenen Stammgeschäfte, insbesondere die Wirtschaftsprüfung – auch dort fehlt Personal.

PwC ist die attraktivste Big-Four-Gesellschaft

Der derzeitige Sieger im Kampf um die Absolventen ist offenbar PwC, aktuell der attraktivste Arbeitgeber in der Beraterbranche. Das hat eine Befragung des Marktforschungsunternehmens Trendence ergeben, bei der rund 52.000 Studierende aus wirtschaftswissenschaftlichen Fächern, die kurz vor dem Abschluss standen, zu ihren favorisierten Arbeitgebern befragt wurden. Zusätzlich hat Trendence noch ausgewertet, wie beliebt die Unternehmen speziell bei den Digitals unter den Jung-Ökonomen sind.

Bezogen auf die Prüfungs- und Beratungsbranche belegt PwC demnach den ersten Platz auf der Attraktivitätsskala der Wirtschaftswissenschafter, bezogen auf alle Unternehmensbranchen liegt PwC in Deutschland auf Platz 9 der beliebtesten Arbeitgeber. Dort liegen die großen Automobilkonzerne in Front. Vor allem freuen dürfte PwC, dass die WP-Gesellschaft gerade bei den Digitals besonders beliebt ist.

PwC bemüht sich besonders um diese Zielgruppe und hat dafür unter anderem vor kurzem ein „Experience Center“ in Frankfurt gegründet, in dem Unternehmen mit Hilfe von Big Data und Predictive Analytics tief in ihre Zahlen einsteigen können. Das Experience Center dient PwC aber auch als Aushängeschild für die begehrten Nachwuchskräfte – obwohl in einem Frankfurter Hochhaus angesiedelt, ist es im Stile eines Berliner Start-ups gestaltet.

Top-Arbeitgeber: McKinsey überholt EY

PwC ist schon seit einigen Jahren der Top-Arbeitgeber der jungen BWL-Absolventen, doch die Konkurrenz ist dicht auf den Fersen. Folgte auf PwC bislang Ernst & Young, ist dieses Jahr McKinsey auf den dritten Platz vorgerückt. Auch McKinsey überzeugt vor allem die Digitals überdurchschnittlich gut, EY hingegen ist gerade bei den Digitals weniger attraktiv, wie die Trendence-Auswertung zeigt.

Diese Einschätzung der Studierenden spiegelt sich auch in den aktuellen Geschäftszahlen von EY wider. Die 2016er-Zahlen zeigten, dass EY zuletzt von allen Big Four mit 8 Prozent im Consulting am schwächsten wuchsDeloitte und PwC sind hingegen mit über 40 Prozent gewachsen, wenn auch zum Teil mit Hilfe von Zukäufen.

KPMG fällt hinter BCG zurück

Auf EY folgt die Strategieberatung BCG, die sich im branchenübergreifenden Ranking von Platz 18 auf Platz 13 verbessert hat und damit an KPMG vorbeischießt. Während BCG bei den Digitals unter den Wirtschaftswissenschaftlern besonders beliebt ist, verliert KPMG dort an Boden – ein Urteil, dass das Unternehmen ernst nehmen sollte. Auch bei KPMG zeigt sich diese Bewertung in den Zahlen, das Wachstum des Consultings von 12 Prozent war im Vergleich zur Konkurrenz ebenfalls schwach.

Die vierte Big-Four-Gesellschaft Deloitte liegt im branchenübergreifenden Trendence-Ranking relativ weit abgeschlagen auf Platz 21. Doch die Gesellschaft holt rasant auf, im Vorjahr lag sie noch auf Platz 32. Deloitte gelingt es derzeit auch, gerade die Digitals überdurchschnittlich stark von sich zu überzeugen.

Roland Berger verliert dramatisch an Boden

Im Kampf um die besten Absolventen mischen nicht nur die Big Four und die großen Strategieberater mit – auch die spezialisierten Beratungshäuser geben sich große Mühe, die besten Kandidaten zu bekommen, beispielsweise Accenture.

Die IT-Strategieberatung rangiert im Ranking zwischen Deloitte und Bain auf Rang 43 und verbessert sich damit um 18 Plätze. Überraschend schlecht schneidet Roland Berger ab. Die Münchener belegen im branchenübergreifenden Ranking nur Platz 68 und haben sich damit verglichen mit dem Vorjahr sogar um sieben Plätze verschlechtert. Die Strategieberatung rutscht bereits seit einigen Jahren immer weiter nach hinten, 2013 lag sie noch auf Platz 54.

Insgesamt zeigt die Auswertung von Trendence aber, dass die Unternehmensberatungen bei den Wirtschaftswissenschaftlern immer beliebter werden. „Den Absolventen sind Karriere, persönliche Entwicklung und Weiterbildung so wichtig wie noch nie. Und genau das finden sie bei Consulting-Firmen“, begründet Trendence-Chef Holger Koch diese Entwicklung.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

KPMG, PwC, Deloitte und EY werden zu einer immer größeren Konkurrenz für die klassischen Strategieberater. Wie sich die Geschäftszahlen der Big Four entwickeln und welche Beraterunternehmen sie hinzukaufen, können Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four nachlesen.