KPMG setzte im vergangenen Geschäftsjahr 1,6 Milliarden Euro um, ist insgesamt aber schwächer gewachsen als die Konkurrenz.

KPMG

20.12.16
Banking & Berater

KPMG wächst schwächer als PwC und Deloitte

2016 ist KPMG insbesondere in der momentan so dynamischen Unternehmensberatung deutlich hinter PwC und Deloitte zurückgeblieben. Das könnte für KPMG langfristig zum Problem werden.

Das vergangene Jahr war kein leichtes für KPMG: Das Verkaufsdebakel am Flughafen Hahn, die falschen Bilanzen von Bastei Lübbe oder die Millionenklage der P+S-Weften haben am Ruf der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft gekratzt.

Mit der Entwicklung der Geschäftszahlen ist KPMG-Chef Klaus Becker dennoch sehr zufrieden, wie er heute vor Journalisten betonte: Insgesamt ist KPMG um 90 Millionen Euro auf 1,6 Milliarden Euro gewachsen, das ist ein Anstieg von 6,2 Prozent. Die Profitabilität sei sogar prozentual zweistellig gestiegen, so Becker, ohne das näher zu beziffern. Mit diesem Wachstum bleibt KPMG allerdings hinter dem Anstieg von über 9 Prozent im Vorjahr zurück.

Und auch im Vergleich zur Konkurrenz verliert das Geschäftsjahr von KPMG an Glanz: Die wesentlich kleinere Deloitte ist sowohl prozentual (22 Prozent) als auch in absoluten Zahlen (173 Millionen Euro) stärker gewachsen als KPMG und setzte 2016 schon fast 1 Milliarde Euro um. Auch PwC ist mit 16 Prozent, was einem Zuwachs von 250 Millionen Euro entspricht, wesentlich stärker gewachsen und kratzt an der 2-Milliarden-Euro-Marke. Auch organisch – ohne die Einrechnung von Zukäufen – ist PwC mit 12 Prozent deutlich stärker gewachsen als KPMG. Der letzte Big-Four-Konkurrent Ernst & Young wird seine Zahlen erst in Kürze veröffentlichen.

Wirtschaftsprüfung: KPMG kann BASF-Mandat retten

Dass KPMG sich insgesamt schwächer entwickelt hat als die Konkurrenz, zeigt sich auch in den einzelnen Geschäftsfeldern. In der Wirtschaftsprüfung ist KPMG um gerade einmal 2 Prozent auf 609 Millionen Euro gewachsen. Zwar ist die Wirtschaftsprüfung das Feld, das sich bei allen Gesellschaften momentan am schwächsten entwickelt, doch mit einem Wachstum von jeweils 7 Prozent sind Deloitte und PwC dort derzeit besser aufgestellt.

Ob sich das Wachstum von KPMG hier in den kommenden Jahren erhöhen wird, ist fraglich, denn wegen der verpflichtenden Abschlussprüferrotation, bei der die Großunternehmen ihren Prüfer wechseln müssen, wird KPMG früher oder später alle seiner derzeit 16 Prüfmandate im Dax abgeben müssen.

Bisher hat KPMG aber noch keines abgeben müssen: Die Ausschreibung von BASF hat die WP-Gesellschaft erneut gewonnen und konnte damit ein großes Mandat retten. Momentan schreibt aber auch die Allianz ihr Mandat aus. Ob KPMG das Unternehmen weiter prüfen darf, wird sich erst im Frühjahr 2017 zeigen.

Etwas besser entwickelt hat sich der Geschäftsbereich Tax, wo KPMG um 6 Prozent auf 422 Millionen Euro gewachsen ist. Diese Entwicklung ist besser als bei PwC (3 Prozent), aber schlechter als bei Deloitte (9 Prozent).

PwC und Deloitte legen in der Beratung stärker zu als KPMG

Besonders stark zeigt sich der Unterschied zur Konkurrenz aber im momentan sehr wichtigen Beratungsgeschäft: Dort haben Deloitte und PwC Rekordwachstumsraten von über 40 Prozent vorgelegt. Auch bei KPMG war die Beratung das am stärksten wachsende Geschäft 2016, allerdings ist die Wachstumsrate mit 12 Prozent wesentlich niedriger. Die Big Four versuchen derzeit vor allem über Digitalisierungsthemen an neue Mandate zu kommen – wer jetzt die Weichen stellt, wird wahrscheinlich auch langfristig der Gewinner sein. Insgesamt verdient KPMG am Beratungsgeschäft nun 568 Millionen Euro, das ist erstmalig fast so viel wie im Wirtschaftsprüfungsgeschäft.

„Unsere Beratungsexpertise ist besonders da gefragt, wo große Transaktionen, Joint Ventures, Carve-outs oder strategische Neuausrichtungen stattfinden“, erklärte KPMG-Chef Klaus Becker. Damit macht KPMG sowohl strategischen Beratern wie McKinsey, BCG und Bain als auch Corporate-Finance-Beratern und Investmentbanken Konkurrenz.

„Unsere Mandanten schätzen besonders unsere im Vergleich zu einer Investmentbank unabhängige Expertise, da wir nicht darauf abzielen, noch eine Finanzierung zu verkaufen“, sieht Becker den Vorteil einer KPMG. Wie genau sich das Wachstum aber auf Corporate Finance und Managementberatung aufteilt, publiziert KPMG nicht.

EY und PwC stärkten sich in der Beratung durch Zukäufe

Prominente Beratungsprojekte von KPMG im vergangenen Geschäftsjahr waren beispielsweise die Kapitalerhöhungen im Zuge von Zukäufen bei Kion und ProSiebenSat.1, das Joint Venture von Nestlé und der britischen R&R Ice Cream, die Abspaltung des Lampengeschäfts von Osram und das große-IT-Projekt der Commerzbank. Auch bei Familienunternehmen konnte KPMG Beratungsprojekte gewinnen, zum Beispiel beim Verkauf der Schrottrecyclers Scholz an die chinesische Chiho Tiande oder bei der strategischen Neuausrichtung der Viega Gruppe.

Trotz dieser Erfolge ist es fraglich, ob KPMG die Konkurrenz im Kampf um die besten Beratungsmandate schlagen kann. Die Wettbewerber versuchen sich vor allem durch Zukäufe stark aufzustellen. PwC hat neben den zwei kleineren Beratern Persicon und der Outbox Group mit Booz (heute Strategy&) eine komplette Strategieberatung gekauft und diese gerade in das Unternehmen integriert. EY hat dieses Jahr mit Innovalue eine kleinere Beratungsfirma übernommen und so die Beratungsexpertise verstärkt. KPMG hat dieses Jahr keinen Kauf getätigt – hält aber Ausschau, wie Becker sagte.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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