Kautionsdienstleister wird Finanzierungsberater

Gracher

08.04.19
Banking & Berater

Kautionsdienstleister wird Finanzierungsberater

Der Kredit- und Kautionsmakler Gracher ist eigentlich für die Vermittlung von Avalen und Bürgschaften bekannt. Nun kommt ein Leveraged-Finance-Banker an Bord, der für Gracher ein Private-Debt-Geschäft aufbauen soll.

Gracher sitzt im beschaulichen Trier und ist ein etablierter Kredit- und Kautionsmakler. Das Unternehmen beschäftigt rund 40 Mitarbeiter, die Mittelständlern vor allem Avale und Bürgschaften strukturieren und diese dann bei Versicherungen platzieren.

Dieses Stammgeschäft will Gracher nun erweitern und in die Finanzierungsberatung einsteigen. Wie FINANCE erfuhr, hat das Unternehmen dafür mit Christian Wolber einen ehemaligen Leveraged-Finance-Banker von Barclays und Citi an Bord geholt, der zuletzt als unabhängiger Corporate-Finance-Berater gearbeitet hat.

„Aval und Bürgschaft sind die Türöffner“

Das erklärte Ziel: Neben Factoring und Lagerfinanzierung will Gracher Mittelständler fortan auch beim Einsatz von langfristigen Finanzierungsinstrumenten wie Projektfinanzierungen, Anleihen, Schuldscheinen und Private Debt beraten. „Unser Sweet Spot wird voraussichtlich bei 15 bis 75 Millionen Euro Finanzierungsvolumen liegen“, sagt Wolber gegenüber FINANCE. Sein persönlicher Fokus liegt vor allem auf Private-Debt-Finanzierungen.

Debt-Fonds hätten großes Interesse an Mittelstandsfinanzierungen, Gracher über das Aval- und Bürgschaftsgeschäft die dafür nötigen Kontakte, argumentiert das Beratungshaus. „Das Aval- und Bürgschaftsgeschäft sind für uns die Türöffner zu weiteren Finanzierungsfragen“, erklärt Wolber. Er sieht darin gegenüber anderen Finanzierungsberatern einen Wettbewerbsvorteil.

Corporate-Finance-Fachmann Wolber soll sich zunächst alleine um die Finanzierungsberatung von Gracher kümmern. Unterstützt wird er von den Teams in Deutschland und Bulgarien, wo Gracher das Back Office und die Kreditanalyse angesiedelt hat. Hinzu kommen noch Vertriebsmitarbeiter in Amsterdam, die sich um den Benelux-Raum kümmern. Den Großteil seines Geschäfts macht Gracher aber im deutschsprachigen Raum. „Ich werde das Finanzierungsgeschäft aufbauen und habe auch das Mandat, das Team mittelfristig auszubauen“, kündigt Wolber an. 

Wolber sieht neuen Private-Debt-Trend

In Grachers Kundenstamm sucht Wolber vor allem nach Unternehmen, die sich in einer Sondersituation befinden. Zwar begleitet Gracher Wolber zufolge Restrukturierungen regelmäßig aktiv im Aval- und Bürgschaftsgeschäft. Bei der Finanzierungsberatung stünde dies dagegen nicht im Fokus. Laut Wolber vermittelt Gracher aber Turnaround-Kandidaten an darauf spezialisierte Debt-Fonds. Diese engagieren sich in Deutschland bisher überwiegend im Private-Equity-Umfeld, der Mittelstand steht aber bei vielen Fonds auf der Zielliste.

Wolber will noch einen weiteren Trend ausgemacht haben, der er sich für Gracher zunutze machen will: „Es gibt inzwischen vermehrt Debt-Fonds, die mit Banken finanzieren.“ Dies geschehe nicht über sogenannte 1st-out/2nd-out-Strukturen, bei denen Debt- Fonds im Vergleich zu Banken in den strukturellen Nachrang gehen, sondern auf gleicher Rangebene. „Diese Fonds sind flexibel und können situativ bewusst eine niedrigere Rendite in Kauf nehmen“, meint Wolber. Sie bilden mit anderen Banken dann zusammen einen Club-Deal – ein Geschäft, bei dessen Anbahnung Gracher in Zukunft mitverdienen willl.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de