KPMG stärkt sich in der Data-Science- und SAP-Beratung und kauft das Beratungshaus Conogy.

KPMG

01.08.18
Banking & Berater

KPMG kauft SAP-Beratung Conogy

Im Februar erst hat KPMG einen bekannten Data-Science-Spezialisten gekauft – jetzt schlägt das Big-Four-Haus schon wieder zu und erwirbt die SAP-Beratung Conogy.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus KPMG übernimmt zum heutigen 1. August das SAP-Beratungshaus Conogy mit Sitz in Berlin. Die 2007 gegründete Beratung beschäftigt knapp 70 Reporting-Experten und berät Großkonzerne sowie große Mittelständler zu SAP-Anwendungen wie beispielsweise dem neuen ERP-System SAP S4/Hana. Zum Beratungsspektrum gehören aber auch Projekte aus dem Bereich Data Science. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Conogy berät eine Reihe von Großkonzernen

Zu den bisherigen Kunden von Conogy gehören beispielsweise RWE. Den Dax-Konzern haben die Berliner beim Reporting und beim Forderungsmanagement beraten. Bei Siemens Healthcare (heute „Siemens Healthineers“) war Conogy für die Einführung einer Logistik-Reporting-Lösung zuständig. Für den Gashändler Gazprom Germania baute die neue KPMG-Tochter eine Business-Intelligence-Anwendung auf.

„ERP- und Customer-Consulting gehören bei KPMG zu den wachstumsstärksten Geschäftsfeldern. Wir freuen uns daher, mit dem Erwerb von Conogy unsere Marktposition in diesem Bereich weiter ausbauen zu können“, begründet Ioannis Tsavlakidis, KPMG-Bereichsvorstand Consulting in Deutschland, den Deal.

KPMG will Digitalisierungsberatung stärken

Ein wichtiges Element der aktuellen Wachstumsstrategie von KPMG ist es, Mandanten verstärkt rund um Digitalisierungsfragen zu beraten, beispielsweise zum Datenschutz, beim Aufbau einer Big-Data-Struktur oder zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Diese Strategie verfolgt KPMG bereits seit einigen Jahren und hat in diesem Rahmen beispielsweise das Digital Lab „Insights Center“ gegründet sowie im Februar den Data-Science-Spezialisten Kiana gekauft.

Die Nachfrage nach derartigen Dienstleistungen ist sehr hoch – daher haben auch die Big-Four-Wettbewerber PwC, Deloitte und EY diese Themen zu Wachstumsfeldern auserkoren. Gerade Deloitte legte zuletzt einen regelrechten M&A-Marathon hin: Vor wenigen Wochen stärkte sich der stark aufholende Konkurrent mit der Analytics-Beratung Trufa, 2017 gab es gleich drei wichtige Akquisitionen: Im Oktober vergangenen Jahres kaufte Deloitte die Start-up-Schmiede Makers, im September den Analytics-Spezialisten SCDM Germany und im August die Digitalagentur Acne.

Beratungssparte von KPMG stagnierte 2017

Auch PwC machte mit Zukäufen von IT-Beratern von sich reden, verstärkt sich aber auch personell: Vergangenes Jahr warb PwC die Accenture-Geschäftsführerin Sandra Babylon ab. Auch EY kaufte vor einem Jahr mit der Berliner Etventure erstmals einen Digitalberater.

Doch während bei den Konkurrenten die Beratungsumsätze zuletzt stark zweistellig gewachsen sind – bei Deloitte sogar um über 40 Prozent – droht KPMG in diesem wichtigen Geschäftsfeld ins Hintertreffen zu geraten: Mit einem Wachstum von nur 1 Prozent stagnierte das Beratungsgeschäft 2017 quasi, mit 575 Millionen Euro hat KPMG von allen Big-Four-Häusern zudem am wenigsten umgesetzt. Auch deshalb dürfte der aktuelle Zukauf ein wichtiger Schritt für KPMG sein, um die Konkurrenz nicht aus den Augen zu verlieren.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wie sich die Wirtschaftsprüfer mit Zukäufen für die Digitalisierung positionieren wollen und wer derzeit die lukrativsten Mandate hält, lesen Sie auf unserer Themenseite Big Four.