KPMG

21.12.17
Banking & Berater

KPMG bleibt hinter der Big-Four-Konkurrenz zurück

Während Deloitte und PwC zuletzt stark zulegten, ist KPMG 2017 nur mäßig gewachsen. Inzwischen setzt sogar die deutlich kleinere Deloitte mehr im Beratungsgeschäft um.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus KPMG hat seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 vorgelegt. Nachdem KPMG bereits im Vorjahr im Vergleich zur Konkurrenz mit rund 6 Prozent nur moderat zugewonnen hat, schwächte sich das Wachstum in diesem Jahr noch weiter ab.

Insgesamt konnte KPMG die Gesamtleistung um 4 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro steigern. Die Gesamtleistung berücksichtigt im Gegensatz zum reinen Umsatz die bis zum Bilanzstichtag erbrachte Leistung aus noch nicht beendeten Projekten. Jede der Big Four (KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young) weist ihre Zahlen in Form der Gesamtleistung aus.

Das schwache Wachstum verwundert, ist doch der Markt für Wirtschaftsprüfung und insbesondere Beratung momentan recht dynamisch. Zum Vergleich: 2017 ist PwC um 10 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro und Deloitte sogar um 34 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gewachsen. Konkurrent  Ernst & Young (EY) veröffentlicht seine Zahlen erst Mitte Januar 2018.

Wird Deloitte KPMG überholen?

Erst dann wird sich zeigen, ob KPMG gemessen an der Gesamtleistung die Nummer zwei oder die Nummer drei in Deutschland ist. In den vergangenen Jahren haben sich KPMG und EY immer wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Klar ist aber schon jetzt: Mit dem schwachen Wachstum vergrößert KPMG den Abstand zur bisherigen Nummer eins in Deutschland PwC deutlich und schmälert gleichzeitig den Abstand zur Nummer vier Deloitte.

Deloitte-Chef Martin Plendl hatte bereits bei der Präsentation der Jahreszahlen im September angekündigt, bis 2020 nicht mehr die Nummer vier im Markt zu sein – dieses Ziel erscheint jetzt um so realistischer. KPMG-Vorstandsprecher Klaus Becker entgegnete heute bei der Vorstellung der Zahlen vor Journalisten: „Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern vor allem profitabel sein. Die reine Umsatzzahl spielt für mich keine Rolle.“ Seit dem Rekordjahr 2016 sei die Profitabilität auf dem zweithöchsten Stand in der Geschichte von KPMG, so Becker, allerdings ohne diese zu beziffern. Das Jahr 2017 stünde vor allem im Zeichen der Konsolidierung und Stabilisierung des Wachstums.

KPMG wächst nur um 1 Prozent im Advisory

„Die reine Umsatzzahl spielt für mich keine Rolle.“ 

Klaus Becker, KPMG-Chef

Besonders überraschend ist, dass KPMG im Advisory nur um 1 Prozent wachsen konnte (Vorjahr: 12 Prozent). Zwar sei das Geschäft in der Strategie- und Unternehmensberatung um 6 Prozent gewachsen, die Umsätze mit der Beratung in den Bereichen M&A, Sanierung und Restrukturierung aber eingebrochen, erklärt Becker diese Entwicklung. Insgesamt hat KPMG mit der Beratung 675 Millionen Euro umgesetzt.

KPMG droht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren, denn PwC und Deloitte haben sich 2017 im Beratungsgeschäft wesentlich besser entwickelt. PwC ist um 18,1 Prozent auf 781,3 Millionen Euro gewachsen und Deloitte sogar um 44,5 Prozent auf 700 Millionen Euro. Damit hat sogar die wesentliche kleinere Deloitte mehr mit der Beratung umgesetzt als KPMG. Wie bei KPMG auch war das Wachstum bei Deloitte rein organischer Natur.

Ein wichtiger Unterschied ist allerdings, dass Deloitte ein breiteres Beratungsspektrum anbietet und beispielsweise auch beim Programmieren von Software berät. Das bietet KPMG bewusst nicht an, die Margen und Tagessätze seien zu niedrig, so Klaus Becker.

KPMG investiert viel in Beratungsleistungen

Das alleine kann es allerdings nicht sein, denn eigentlich vergeben Unternehmen momentan viele Beratungsaufträge, getrieben vor allem durch die Digitalisierung der Geschäftsmodelle. Hinzu kommt, dass KPMG viel in den Ausbau der Beratungsleistungen investiert hat. Unter anderem hat KPMG das Insights Center eröffnet, dort werden Themen wie Industrie 4.0 oder Big Data anhand von Datenanalysen für die Kunden erlebbar gemacht.

Abgrenzen von der Konkurrenz will sich KPMG auch unter anderem mit exklusiven Allianzen. So hat KPMG gemeinsam mit IBM eine Software für die Bilanzierung von Leasingverträgen nach IFRS 16 entwickelt. Der neue Bilanzierungsstandard betrifft fast alle deutschen Unternehmen und bedeutet für sie eine großen Umstellungsaufwand. Die Software könne die Leasingverträge selbständig auslesen und Anpassungen in der Bilanzierung vornehmen.

Außerdem hat KPMG viel in den Ausbau seiner Beratungsleistungen in den Bereichen Regulatorik und Finance Advisory, Digital Tax, Data & Analytics und Künstliche Intelligenz, Cyber Security und mehr investiert. In den Umsätzen schlägt sich aber noch nicht nieder. Auch im Steuerberatungsgeschäft nicht, wo KPMG ebenso wie im Vorjahr um 3 Prozent auf 437 Millionen Euro gewachsen ist.

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KPMG gewinnt Douglas, Scout24 und Boehringer

Im Bereich Wirtschaftsprüfung konnte KPMG im Vergleich zum Vorjahr etwas zulegen und ist um 3 Prozent (Vorjahr: 2 Prozent) auf 627 Millionen Euro gewachsen. Die größte Herausforderung liegt für KPMG momentan darin, dass das Unternehmen in den kommenden Jahren viele seiner Prüfungsmandate abgeben muss. Schuld daran ist die verpflichtende Abschlussprüferrotation, laut der Unternehmen ihre Prüfmandate alle zehn Jahre ausschreiben müssen.

Für KPMG ist das bitter, denn die Gesellschaft prüft momentan 60 Prozent aller Dax30- sowie 34 Prozent aller MDax-Unternehmen und wird demnach entsprechend viele Mandate abgeben müssen. Ähnlich sieht es beim Konkurrenten PwC aus.

In den Jahren 2018 und 2019 werden vier der großen KPMG-Kunden ihren Prüfer wechseln, das sind Tele Columbus, Allianz, Talanx und die HSH Nordbank. Insgesamt verliert KPMG dadurch 33 Millionen Euro an Honorar, was 2 Prozent des Umsatzes des Jahres 2017 sind. „Das ist für uns verkraftbar“, so Becker. Wenn die große Wechselwelle in den Geschäftsjahren 2020 und 2021 kommt, dürften die Verluste allerdings wesentlich höher sein.

Klaus Becker gibt sich trotzdem optimistisch: „Wir wollen unsere starke Rolle als Abschlussprüfer festigen und neue Prüfmandate gewinnen.“ In einigen Fällen ist das 2017 auch durchaus gelungen: So hat KPMG große Kunden wie die Douglas-Gruppe, Leifheit, Scout24, SGL Carbon oder Boehriger Ingelheim gewonnen. Außerdem konnte KPMG 2017 in einigen Fällen bestehende Mandate verteidigen und die Ausschreibungen erneut gewinnen, so unter anderem bei Diebold Nixdorf, Klöckner, Metro sowie Ceconomy, Röchling und Wacker Chemie.

„Wer könnte unsere Kunden bei all ihren Themen und Herausforderungen besser beraten als wir?“ 

Klaus Becker, KPMG-Chef

Tele Columbus: KPMG wird vom Prüfer zum Berater

Den Umsatzeinbruch durch den Wegfall der Mandate in den kommenden Jahren will KPMG nicht nur durch neue Prüfmandate ausgleichen. Vor allem will KPMG bei den Unternehmen, die es jetzt prüft, künftig der führende Berater werden, kündigt Becker an. Wenn KPMG das schaffen würde, könnte die Gesellschaft den Umsatzeinbruch durch die wegfallende Prüfmandate sogar überkompensieren, denn die Tagessätze in der Beratung sind wesentlich höher als in der Prüfung.

In einem Fall hat das sogar schon geklappt: Bei Tele Columbus wird KPMG künftig im Bereich Steuern, Finance Advisory und ERP beraten. „Wir kennen unsere Kunden aus der Prüfung von Grund auf. Wer könnte sie bei all ihren Themen und Herausforderungen besser beraten als wir?“, erklärt Becker die Idee dahinter.

Sollte die Strategie von KPMG aufgehen, dürften die Wachstumsraten im Advisory in den kommenden Jahren steigen. Die Entwicklung in den ersten zwei Monaten des aktuellen Geschäftsjahren macht KPMG Hoffnung: Das Wachstum ist deutlich zweistellig, auch im Consulting-Bereich, so Becker. Allerdings: Die gleiche Strategie fahren auch die Konkurrenten, und vor allem PwC dürfte ebenfalls um Beratungsmandate bei den vielen ehemaligen Prüfungskunden buhlen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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