Die Commerzbank hat im dritten Quartal die Markterwartungen trotz hoher Belastungen im polnischen Geschäft deutlich übertroffen. Zwar halbierte sich der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal, mit 195 Millionen Euro lag er trotzdem deutlich über dem Konsens der Analysten von 116 Millionen Euro.
Das operative Ergebnis sank gegenüber dem dritten Quartal 2021 um 40 Prozent auf 282 Millionen Euro, übertraf jedoch ebenfalls die Markterwartung von 137 Millionen Euro deutlich. Die harte Kernkapitalquote (CET 1) betrug 13,8 Prozent (Vorjahresquartal: 13,5 Prozent) und lag damit über der regulatorischen Mindestanforderung (MDA-Schwelle) von aktuell 9,4 Prozent.
CFO Bettina Orlopp sieht in dem Quartalsergebnis die Ertragsstärke der Commerzbank unter Beweis gestellt und ist zuversichtlich für die weitere Entwicklung der Bank. Diese Einschätzung korrespondiert mit der Rückeroberung des Spitzenplatzes der Commerzbank im diesjährigen FINANCE-Bankensurvey.
Ergebnis im Firmenkundengeschäft deutlich gesteigert
Maßgeblicher Treiber war das Firmenkundengeschäft, in dem die Commerzbank das beste Quartalsergebnis seit sieben Jahren erzielte. Der operative Gewinn fiel mit 536 Millionen fast doppelt so hoch aus wie von den Analysten erwartet. Im dritten Quartal 2021 hatte er noch bei 215 Millionen Euro gelegen.
Der bereinigte Zinsüberschuss legte um 25 Prozent auf 521 Millionen Euro zu. Der Provisionsüberschuss steigerte sich aufgrund eines starken Transaktions- und Kapitalmarktgeschäfts um 7 Prozent auf 332 Millionen Euro. Zudem hat das Team um Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer die Kosten noch einmal deutlich gesenkt. Die Cost-Income-Ratio (CIR) lag mit 49 Prozent (3. Quartal 2021: 69 Prozent) deutlich unter der des Gesamtkonzerns. Letztere bezifferte die Bank inklusive Pflichtbeiträge auf 80,6 Prozent, bereinigt um selbige auf 75,8 Prozent.
Commerzbank ist fast am Jahresziel angelangt
Die Commerzbank hält an ihrem Jahresziel von mindestens 1 Milliarde Euro Nettogewinn und fest und sieht die Kosten bei 6,4 Milliarden Kosten. Nach neun Monaten liegt der Nettogewinn bei 963 Millionen Euro. Angesichts dieser Geschäftsentwicklung will die Bank weiterhin eine Dividende von 30 Prozent des Konzernergebnisses an ihre Aktionäre ausschütten.
Auch bei der Commerzbank trug die Zinswende maßgeblich zum guten Ergebnis bei. Das Zinsergebnis lag bei 1,6 Milliarden Euro und damit rund 44,5 Prozent über dem Zinsüberschuss des Vorjahreszeitraum. Der Provisionsüberschuss sank aufgrund des schwächeren Wertpapiergeschäfts von 887 Millionen Euro auf 849 Millionen Euro. Die operativen Kosten sanken auch aufgrund des Stellenabbaus – bis Ende September hat sich die Coba von rund 8.350 Mitarbeitern getrennt – auf 1,4 Milliarden Euro.
Wie nachhaltig ist das Zinsgeschäft?
Doch mit den Zinseinnahmen dürfte auch die Unsicherheit wachsen: So bringen die steigenden Leitzinsen den Banken zwar höhere Erträge. Allerdings steigt der Preis für frisches Geld während einer beginnenden Rezession und prognostizierten Insolvenzwelle, was die Zahl der Kreditausfälle in die Höhe treiben könnte. Viele Firmenkunden der Commerzbank kommen aus dem Mittelstand, der besonders unter der Wirtschaftskrise leiden dürfte.
Ein weiteres mögliches Problemfeld: Einem Bericht der Ratingagentur Moody’s zufolge hat die Commerzbank viele Kredite an Energie- und Versorgungsunternehmen vergeben. Die Bank selbst beziffert ihr Exposure laut einem Bericht des „Handelsblatts“ auf rund 45 Milliarden Euro, was rund 9,3 Prozent des Gesamtportfolios entsprechen würde.
Zur Risikovorsorge legte die Commerzbank mit 84 Millionen Euro deutlich weniger zurück als von den Analysten erwartet. Die waren zuvor im Konsens von 133 Millionen Euro ausgegangen. Die Belastungen aus dem Polen-Geschäft verbuchte die Coba unter sonstigen Erträgen. Die Quote der Problemkredite (NPL-Quote) blieb mit 0,9 Prozent niedrig. Die Commerzbank sieht sich mit der aktuellen Risikovorsorge von 500 Millionen für die bevorstehende Rezession gut gerüstet.
Konzernweit lag die Eigenkapitalrendite bei 2,2 Prozent und damit leicht unter den Analystenerwartungen. Die Ziele ihrer „Strategie 2024“ bestätigte die Commerzbank. Die Gelben wollen dann eine Eigenkapitalrendite von 7,3 Prozent und Cost-Income-Ratio von 60 Prozent erzielen. Die Ertragsprognose wird von 9,1 Milliarden Euro auf 10 Milliarden Euro angehoben. Die Aktie der Commerzbank gab am Morgen leicht nach.
Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.
