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Lockerer Kündigungsschutz soll Banken nach Frankfurt holen

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer will Banken die Kündigung von Top-Verdienern erleichtern.
sborisov/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die europäischen Finanzmetropolen buhlen nach dem Brexit-Votum der Briten um die Gunst der Banken. Jetzt hat das Bundesland Hessen offenbar einen neuen Plan, Londoner Banken nach Frankfurt zu holen: Den Kündigungsschutz für Topverdiener lockern.

„Die Briten sagen: ‚Wenn wir Top-Verdiener während eines Booms einstellen, müssen wir die Anzahl dieser Manager in einer Krise auch reduzieren können‘“, sagte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er plädiert daher dafür, den Kündigungsschutz für diejenigen Mitarbeiter zu lockern, die mehr als 300.000 Euro pro Jahr verdienen. „Man könnte sicherlich strikte Kündigungsregelungen für diese Manager abschaffen“, sagt Schäfer. In Großbritannien sei es einfacher, Verdienern dieser Gehaltsklasse zu kündigen.

Der Hintergrund des Vorstoßes: Der Finanzplatz London könnte nach dem Ausscheiden aus der EU erheblich an Bedeutung verlieren. Vor allem der Devisenhandel und das Clearing sollen in der Euro-Zone bleiben, fordern Experten. Einige Banken haben bereits angekündigt, den Arbeitsplatz ihrer Mitarbeiter auf das europäische Festland zu verlegen. Zehntausende Banker könnten dadurch aus London wegziehen. Eine enorme Chance für andere europäische Städte, erheblich an Bedeutung zu gewinnen.

Banken sollen Mitarbeiter schneller feuern können

Aus Sicht von Finanzminister Schäfer sollten so viele Banken wie möglich nach Frankfurt kommen. Einen Strich durch Schäfers Rechnung macht ihm jedoch der stark ausgeprägte Kündigungsschutz der Angestellten in Deutschland. Unternehmen können Festangestellte nur schwer entlassen – egal wie viel sie verdienen. Vorstände und leitende Angestellte können Unternehmen wesentlich leichter loswerden.

Die Gesetzesänderung müsste bundesweit gelten. Die hessische CDU müsste daher die Arbeitsministerin überzeugen – die Sozialdemokratin Andreas Nahles. Diese hat bereits verlauten lassen, dass sie keine Änderungen des Kündigungsschutzes plane. Eine Gesetzesänderung ist dadurch unwahrscheinlich.

Frankfurt will indes nicht nur dadurch hervorstechen, dass es Banker schneller feuern könnte. Die Mainmetropole sieht sich aufgrund wichtiger Institutionen als optimales Ziel für die Geldhäuser.  Die Europäische Zentralbank sitzt in Frankfurt ebenso wie die europäische Versicherungsaufsicht (EIOPA). Auch die Zentrale von Eurex, einem der größtem Clearinganbieter der Welt, befindet sich am Main.

Brexit: Paris, Dublin und Amsterdam buhlen um Banker

Der Vorstoß des hessischen Finanzminister ist der neueste in einer ganzen Reihe von Wortmeldungen. Obwohl der Brexit wohl erst in ein paar Jahren offiziell vollzogen sein wird und eventuelle Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU noch verhandelt müssen, kämpfen mehr als ein halbes Dutzend Metropolen um die Gunst der Londoner Banken. Dabei geht es vor allem um die Europa-Zentralen von internationalen Großbanken.

Paris etwa wirbt mit seinem großen Asset-Management-Sektor und damit, dass einige französische Banken an der Seine heimisch sind. Allerdings gilt Frankreich als vergleichsweise finanzfeindlich. Der Staat besteuerte zwischenzeitlich etwa Top-Verdiener mit einem Gehalt über 1 Million Euro mit 75 Prozent. Mittlerweile ist die Reichensteuer wieder abgeschafft.

Die irische Hauptstadt Dublin wirbt ebenfalls um London-Auswanderer. Die Iren verlangen eine sehr niedrige Unternehmenssteuer. Allerdings war diese zuletzt erheblich in die Kritik geraten: Die EU-Kommission verdonnerte die irische Tochter des iPhone-Herstellers Apple zu einer Steuernachzahlung über 13 Milliarden Euro.

Amsterdam würde auch gerne Londoner Banken aufnehmen. Die niederländische Metropole sieht sich als perfektes Verbindungsstück zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland. Zudem gilt Amsterdam als Innovationszentrale Europas. Madrid, Luxemburg und Mailand haben ebenfalls Interesse angemeldet, Geldhäuser aus Großbritannien willkommen zu heißen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über die Folgen des britischen Votums für einen Austritt aus der EU lesen Sie auf unserer Themenseite zum Brexit.

jakob.eich@finance-magazin.de | + posts

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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