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Moody’s: Commerzbank wird Mindestkapitalquoten nur knapp einhalten

Das Großprojekt Strategie 2020 lässt der Commerzbank nicht viel Spielraum in Sachen Kernkapitalquoten. Die Kosten des Umbaus sind hoch.
Julia Schwager/Commerzbank

Bei der Commerzbank läuft der massive Umbau des Geschäfts an. Das Projekt, das die Bank rund 1,1 Milliarden Euro kosten wird, dürfte ihr langfristig helfen, das eigene Geschäft zu stabilisieren. Doch in den kommenden Jahren sorgen die Restrukturierungskosten zunächst für großen Druck auf die Kennzahlen der Bank. Die genauen Auswirkungen hat die Ratingagentur Moody’s in einem neuen Report nachgezeichnet.

Zwischen 2016 und 2018 wird die Reorganisation über die deutlich sinkende Profitabilität dafür sorgen, dass die Commerzbank kein neues Kapital aufbauen kann. Dadurch dürfte es der Bank laut Moody‘s kaum gelingen, ihre Kernkapitalquote (fully loaded common equity Tier 1, CET1) vor 2019 deutlich über 12 Prozent zu steigern. Das Problem: Die Mindestvorgaben werden immer strenger, so dass es dazu kommen dürfte, dass die Commerzbank ohne zusätzliche Eigenkapitalaufnahme vom Markt 2019 nur knapp über der von den Regulatoren vorgegebenen Mindestquote von 11,75 Prozent herauskommen wird.

Das ist ein dünnes Polster, um etwaige externe Schocks aufzufangen, ohne hinsichtlich der Kapitalquoten in Schwierigkeiten zu geraten. Auch ein noch weiter sinkendes Zinsumfeld, mit dem die europäischen Banken zur Zeit alle kämpfen, könnte der Commerzbank laut Moody‘s noch stärker zusetzen, als CEO Martin Zielke derzeit antizipiert.

Commerzbank könnte CET1-Quote 2020 auf über 13 Prozent steigern

Insgesamt sieht Moody’s den Umbauprozess jedoch positiv. Mit ersten Erfolgen der neuen Strategie rechnet die Agentur Ende 2018. Dann soll die erste Phase des Umbaus abgeschlossen sein. Das dürfte sich längerfristig dann positiv auf die Kernkapitalquote der Bank auswirken: 2020 könnte die CET1-Quote wieder über 13 Prozent liegen, schätzt Moody’s.

Im Zuge der Neuorganisation gehen weite Teile des Invetsmentbankings der Commerzbank in der Mittelstandsbank auf. Insgesamt fallen fast 10.000 Stellen weg, 80 Prozent der Geschäftsprozesse sollen digitalisiert werden. Gerade die geplanten Kürzungen im Investmentbanking sieht Moody’s positiv. Dadurch werde Volatilität aus dem Geschäft genommen. Die Commerzbank sieht ihre Wachstumschancen im Bereich der Privat- und kleinen Unternehmenskunden sowie im Firmenkundengeschäft.

Der Umbau der Mittelstandsbank hatte bereits personelle Konsequenzen: Firmenkundenchef Markus Beumer verlässt die Bank Ende Oktober. In seinem Bereich sollen offenbar 1.800 Stellen wegfallen. Auch einer der Bereichsvorstände der Mittelstandsbank, Günter Tallner, wechselt den Arbeitgeber und geht zur NordLB.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Wie sich die Wettbewerber der Commerzbank mit Blick auf Firmenkunden positionieren sehen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zum Firmenkundengeschäft.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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