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Unicredit gibt HVB mehr Freiheit

Unicredit-Chef Orcel wird Aufsichtsratsvorsitzender der HVB.
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Mit der Einführung einer neuen Organisationsstruktur will Andrea Orcel, der seit Mitte April Vorstandschef der Unicredit ist, die einzelnen Geschäftsbereiche der italienischen Großbank voneinander unabhängiger machen. Dies soll zum Abbau von Überschneidungen und zu schnelleren Entscheidungen führen. Die größeren Freiheiten gelten fortan für das Italiengeschäft, die Mittel- und Osteuropaeinheit – und auch für die deutsche Tochter HVB.

Orcels Vorgänger Jean-Pierre Mustier hatte noch einen anderen Kurs gefahren: Er setzte auf Zentralisierung. Seine straffe Führung aus der Zentrale in Mailand heraus führte zwischenzeitlich sogar zu Befürchtungen, dass die Unicredit die HVB komplett integrieren oder sie alternativ abstoßen könnte.

Diederich und Beumer behalten ihre Posten

Um die Umsetzung seiner Strategie zu überwachen, übernimmt Orcel neben seinem Posten als Unicredit-CEO auch den Aufsichtsratsvorsitz der deutschen Tochter, wie die HVB bekannt gab. Mit Orcel, der Gianpaolo Allessandro ablöst, zieht auch die Unicredit-Chefstrategin Fiona Melrose in das zwölfköpfige Gremium ein. Allessandro bleibt als stellvertretender Vorsitzender Teil des Aufsichtsrates, während  die „Transformations-Chefin“ der Unicredit, Finja Kütz, und Westeuropa-Chef Olivier Khayat aus dem Aufsichtsrat der HVB ausscheiden.

In der HypoVereinsbank, die seit 2005 zur italienischen Unicredit gehört, dürfte die neue Struktur positiv aufgenommen werden – zumal Orcel an dem bisherigen Führungspersonal festhält: Sowohl Deutschlandchef Michael Diederich als auch Firmenkundenchef Markus Beumer und Chef-Investmentbanker Jan Kupfer bleiben in ihren angestammten Rollen. Lediglich die Leitung des Privatkundengeschäfts soll neu besetzt werden: Der bisherige HVB-Privatkundenchef Jörg Frischholz wechselt zur NordLB.

Diederich wird fortan jedoch direkt an Konzern-CEO Orcel berichten anstatt wie bisher eine Ebene tiefer an Khayat.

HVB senkt Cost-Income-Ratio

Für die Italiener ist die deutsche Tochter eine zentrale Säule der Bank. Zwar hat die aufgrund der Coronakrise stark gestiegene Risikovorsorge auch der HVB 2020 im Firmenkundengeschäft die Zahlen verhagelt – der Konzerngewinn sank 2020 um 20 Prozent auf 668 Millionen Euro, aber mit einer Cost-Income-Ratio (CIR) von 60,5 Prozent (2019: 65,4 Prozent) gehört die HVB inzwischen zu den effizientesten Geschäftsbanken in Deutschland. Im Firmenkundengeschäft ging die Cost-Income-Ratio 2020 sogar überproportional stark zurück, und zwar von 77,3 auf 64,4 Prozent. Die Personalkosten im Corporate & Investment Banking sanken im Vergleich zum Vorjahr um 26 Millionen Euro.

Dem Ansehen bei den Firmenkunden haben die Effizienzbemühungen der HVB nicht geschadet. In der vor einer Woche veröffentlichten FINANCE-Banken-Survey landen die Münchener in der Gunst der befragten CFOs und Treasurer erneut auf Platz drei der führenden Firmenkundenbanken in Deutschland. Die Position der HVB im Mittelstand schätzen die Befragten sogar stärker ein als vor einem Jahr.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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