Spezialisierte Anwälte schätzen das Risiko durch Legal Tech geringer ein als ihre Kollegen. Dennoch ist die Skepsis insgesamt groß.

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06.06.17
Banking & Berater

Anwälte sehen Legal Tech als Bedrohung

Technische Innovationen sorgen dafür, dass immer mehr Bereiche der Rechtsberatung automatisiert werden. Bei vielen Anwälten stößt das jedoch auf Skepsis.

Moderne Technologien in der Rechtsberatung, auch bekannt unter dem Stichwort Legal Tech, verändern das Berufsbild der Anwälte – und zwar nicht zu deren Freude, wie eine Vorabveröffentlichung aus einer laufenden Umfrage ergeben hat. Demnach schätzen Anwälte ihre Chancen, von der Digitalisierung selbst profitieren zu können eher gering ein, hat die Befragung zum Berufsrechtsbarometer 2017 des Soldan Instituts ergeben.

46 Prozent der Befragten denken, dass Legal Tech Rechtsanwälte aus dem bislang typischen Anwaltsgeschäft verdrängen könnte. „Als Bedrohung werden hier vor allem Plattformen gesehen, über die überwiegend Verbraucher Alltagskonflikte schnell und günstig beilegen können“, sagt Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts.

Die Skepsis könnte auch darin begründet sein, dass viele sich mit den genauen Auswirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Software im juristischen Arbeitsprozess noch nicht sonderlich gut auskennen: Jeder dritte Teilnehmer gab an, sich mit Legal Tech noch nicht näher befasst zu haben.

Spezialisierte Rechtsanwälte sind offener für Legal Tech

Spezialisierte Rechtsanwälte sind der Befragung zufolge offener für Legal Tech als juristische Generalisten. Die spezialisierten Juristen schätzen die möglichen positiven Effekte höher ein. Genaue Zahlen hierzu nannte das Soldan Institut zwar nicht. Allerdings zeige sich, dass jüngere Rechtsanwälte sowie Anwälte, die überwiegend gewerbliche Mandanten betreuen, optimistischer in Bezug auf Legal Tech seien.

Dies dürfte auch daran liegen, dass die Spezialisten sich in ihrem Bereich bereits mit konkreten Anwendungsfällen befassen können. In der Gesamtheit der Teilnehmer geht beispielsweise nur knapp ein Drittel der Befragten davon aus, dass Juristen sich durch den Einsatz von Legal-Tech-Software stärker auf lukrative Mandate werden konzentrieren können und im Gegenzug von Routineaufgaben entlastet werden.

Legal Tech sorgt für Entlastung in der Due Diligence

In spezialisierten Bereichen gibt es bereits erste Beispiele, die genau darauf abzielen, etwa bei der Übernahme von Routineaufgaben in der Due Diligence durch selbstlernende Algorithmen. Damit einher geht allerdings auch, dass sich die Anforderungen an den Juristenberuf verändern.

Um den Kernbereich des Geschäfts, die Auftragsbeschaffung, werden sich die Juristen allerdings trotz neuer technologischer Möglichkeiten auch weiterhin selbst kümmern müssen. Nur 13 Prozent erwarten, dass Legal Tech die Vermittlung neuer Mandate erleichtern könne.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de