Immer mehr junge Juristen unterschreiben lieber bei kleineren Sozietäten als bei Großkanzleien. Ganz vorn behauptet sich jedoch mit Freshfields ein großes Haus.

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01.11.18
Banking & Berater

Freshfields, Hengeler & Co.: Zu diesen Kanzleien wollen junge Juristen

Gleiss Lutz und Noerr gewinnen, Clifford Chance und Hogan Lovells rutschen ab: Nachwuchsjuristen zieht es wieder vermehrt zu mittelgroßen Kanzleien. Der beliebteste Arbeitgeber im Kanzleisektor bleibt allerdings eine Großkanzlei, zeigt ein aktuelles Ranking.

Schwere Zeiten für Großkanzleien: Als Arbeitgeber erscheinen sie jungen Juristen immer weniger attraktiv. Das legt eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Trendence nahe, das für sein Absolventenbarometer 2.200 Studenten, Referendare und junge Volljuristen befragt hat.

Ein Ergebnis: Nur noch knapp die Hälfte der Nachwuchsjuristen möchte überhaupt in einer Kanzlei arbeiten. Unter den fünf beliebtesten Arbeitgebern finden sich fünf öffentliche Institutionen: allen voran das Auswärtige Amt sowie auf den Rängen drei und vier die Europäische Kommission und das Bundeskriminalamt.

Unter den Kanzleien rangiert Freshfields Bruckhaus Deringer ganz oben, direkt hinter dem Auswärtigen Amt ist die Großkanzlei aus Sicht junger Juristen der zweitbeliebteste Arbeitgeber. Hengeler Mueller schafft es als zweite Kanzlei unter die Top-5-Arbeitgeber. 

Großkanzleien als Arbeitgeber weniger beliebt

Zwar ist Freshfields damit die beliebteste Kanzlei, auch in einer Auswertung des Karrieremagazins „Azur“ aus dem Frühjahr landete Freshfields Bruckhaus Deringer im Ranking der Juristen-Arbeitgeber vorn. Allerdings hat die Kanzlei bei den Bewerbern zuletzt deutlich Sympathien verloren: Sie büßte Trendence zufolge 4,5 Prozentpunkte in der Gunst der Juristen ein. Dies sei der höchste Verlust, den ein Arbeitgeber in den vergangenen fünf Jahren zu verzeichnen gehabt habe, schreiben die Marktforscher.

Die Kanzlei ist damit in bester Gesellschaft: „Viele andere attraktive Großkanzleien wie Clifford Chance, Linklaters und CMS Hasche Sigle werden unbeliebter. Hogan Lovells fällt sogar aus den Top 10 der beliebtesten Arbeitgeber“, ergab die Trendence-Analyse. Die Marktforscher führen dies auch darauf zurück, dass die Unternehmensethik der Großkanzleien bei einer wachsenden Zahl junger Juristen auf Kritik stoße. Drei Viertel der Nachwuchsjuristen berücksichtigen demnach die Unternehmensethik bei ihrer Jobsuche. 

Gleiss Lutz, Noerr und Latham legen zu

Neben verschiedenen großen Konzernen finden sich unter den Top-20 der beliebtesten Arbeitgeber aber auch Kanzleien, die in der Gunst der Bewerber zulegen können. So erreichte Gleiss Lutz den sechsten Rang der Beliebtheitsskala. „Gleiss Lutz hat es geschafft, sich dem sonst zu beobachtenden Abwärtstrend zu entziehen“, sagt Simon Mamerow vom Trendence Institut. Gleiss Lutz gelang damit in den Top-Ten der Sprung vor Clifford Chance, Linklaters und CMS.

Noerr legte ebenfalls zu und erreicht Rang zwölf. Bei Noerr haben Bewerber Trendence zufolge die Entwicklungs- und Karriereperspektiven sowie das Miteinander deutlich positiver bewertet als in den Vorjahren. Auch Latham & Watkins (Rang 19) gewann Sympathiepunkte hinzu.

Trendence sieht bei den jungen Juristen einen Trend hin zu mittelgroßen Kanzleien als Arbeitgeber. Dafür sprechen auch die Ergebnisse zweier deutscher Kanzleien: Flick Gocke Schaumburg (Rang 24) und Luther (Rang 27) erzielen den Marktforschern zufolge die besten Platzierungen seit mehr als zehn Jahren. 

Kleinere Kanzleien punkten besonders bei Volljuristen

Die kleineren Kanzleien punkten besonders bei Juristen, die schon erste Berufserfahrung vorzuweisen haben. Nach einigen Jahren spielten flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Strukturen sowie ein kollegiales Arbeitsklima eine deutlich stärkere Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers, während Karriereperspektiven gegenüber dem Berufsstart etwas in den Hintergrund rückten, ergab die Befragung.

Die Kanzlei Gleiss Lutz, die den Sprung unter die drei beliebtesten Kanzleien geschafft hat, wirbt unter anderem mit flexiblen Arbeitszeiten und Sabbaticals. Offenbar trauen die erfahreneren Bewerber den mittelständischen Kanzleien insgesamt besser zu, ihre Wünsche zu erfüllen. Die Beliebtheit der mittelgroßen Häuser ist laut Trendence unter Volljuristen um 50 Prozent höher als unter Studenten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de