Für Deloitte und die Wettbewerber ist das Beratungsgeschäft ein wichtiger Umsatztreiber. Eine erzwungene Trennung von der Beratungssparte wäre ein harter Schlag.

Deloitte

10.07.18
Banking & Berater

Deloitte-Chef Plendl: „Warum die Big Four aufspalten?“

2017 sind die Big Four stärken denn je gewachsen und lassen die Next Ten immer weiter hinter sich. Wichtigster Treiber ist das Beratungsgeschäft. Ausgerechnet dieses wird jetzt durch einen Skandal bedroht.

Im vergangenen Jahr haben die Big Four (KPMG, PwC, Deloitte und EY) ihr ohnehin schon starkes Wachstum aus den Jahren davor noch einmal übertroffen und sich damit noch weiter von ihren mittelständischen Konkurrenten (Next Ten) entfernt. Das ist das Ergebnis der Lünendonk-Studie, bei der der Marktforscher Lünendonk & Hossenfelder jährlich den Wirtschaftsprüfermarkt untersucht und ein Umsatz-Ranking der 25 größten WP-Gesellschaften in Deutschland erstellt.

Insgesamt sind die Big Four 2017 demnach um 15,8 Prozent gewachsen, das ist wesentlich mehr als in den Vorjahren, wo es 11,8 Prozent (2016) beziehungsweise 8,2 Prozent (2015) waren. Auf Platz 1 rangiert nach wie vor PwC mit einem Umsatz von rund 2,1 Milliarden Euro (+9,1 Prozent). Eine Änderung gab es auf den Plätzen 2 und 3: Hier hat EY mit 1,8 Milliarden Euro (+16,2 Prozent) KPMG überholt, die 1,7 Milliarden Euro (+3,8 Prozent) umgesetzt hat. Deloitte befindet sich nach wie vor auf Platz vier, hat mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro (+34 Prozent) aber enorm aufgeholt.

„Die Vehemenz, mit der die Trennung von Prüfung und Beratung diskutiert wird, besorgt mich.“

Joachim Riese, Warth & Klein-Chef

Auch die Next Ten sind 2017 ordentlich gewachsen, am Ranking hat sich aber nichts geändert: Auf dem 5. Platz befindet sich BDO mit einem Umsatz von 230 Millionen Euro (+7,1 Prozent), gefolgt von Rödl & Partner mit 219 Millionen Euro (+8,3 Prozent) und Ebner Stolz, die 197 Millionen Euro umgesetzt hat (+8,7 Prozent). Auf Platz 8 befindet sich Baker Tilly mit 148 Millionen Euro (+5,5 Prozent), auf Platz 9 Mazars mit 135 Millionen Euro (+8,8 Prozent). Auf dem 10. Platz liegt schließlich erneut Warth & Klein Grant Thornton mit 96 Millionen Euro (+9,6 Prozent).

Beratung bleibt stärkster Umsatztreiber

Ein wichtiger Wachstumsfaktor bei den Wirtschaftsprüfern war wie in den Vorjahren auch das Beratungsgeschäft. Das hat sich besonders stark bei Deloitte gezeigt, wo das Beratungsgeschäft um 53 Prozent zugelegt hat. Und so soll es weitergehen, hoffen die Wirtschaftsprüfer: Die 25 größten WPs Deutschlands sehen vor allem in der Steuer- und Rechtsberatung, aber auch im Business Consulting sowie der Corporate-Finance-Beratung große Wachstumschancen.

Doch jetzt droht ein Skandal in Großbritannien diese Dynamik in Gefahr zu bringen: Nach der Pleite des britischen Vorzeigeunternehmens Carillion fordern Politiker in London eine Zerschlagung der großen Prüfungsunternehmen KPMG, PwC, Deloitte und EY. Es geht wieder einmal um eine strikte Trennung von Prüfung und Beratung – viele Kritiker sehen in den zunehmenden Beratungstätigkeiten der Wirtschaftsprüfer eine Gefährdung ihrer Unabhängigkeit. Treffen würde eine solche Trennung aber nicht nur die Big Four – auch die mittelständischen WP-Gesellschaften bieten lange schon Beratungsleistungen an.

FINANCE-TV-Talk mit Jörg Hossenfelder von Lünendonk & Hossenfelder

KPMG-Skandal besorgt Wirtschaftsprüfer

„Die Vehemenz, mit der das Thema diskutiert wird, besorgt mich“, gab Joachim Riese, Vorstandsvorsitzender von Warth & Klein Grant Thornton, gestern vor Journalisten zu. „Schwappt das am Ende auch nach Deutschland über?“

Deloitte-Chef Martin Plendl machte deutlich, dass er von der in Großbritannien diskutierten Trennung von Prüfung und Beratung nicht viel hält: „Warum sollte man die Big Four aufspalten? Ich kenne kein einziges Argument, warum eine Trennung zu einer Qualitätsverbesserung bei der Prüfung führen soll.“ Stattdessen unterstreicht er das bereits im September 2017 formulierte Ziel, führend in der Beratung der digitalen Transformation der Unternehmen werden zu wollen.

 „Wir haben hunderte Millionen in die Qualitätssicherung investiert.“ 

Martin Plendl, Deloitte-Chef

Plendls Meinung nach seien es zwei unterschiedliche Dinge, ob man die Beratung per se verbiete oder die Beratung bei einem Kunden, den man auch prüfe. Im Falle eines absoluten Verbots sieht er ein besonderes Risiko: Die Attraktivität des WP-Berufsstandes, der ohnehin unter einem massiven Fachkräftemangen leidet, könnte sinken. Plendl glaubt, dass die Branche aus den Skandalen der Vergangenheit gelernt hat: „Es ist sehr viel passiert, wir haben hunderte Millionen in die Qualitätssicherung investiert.“

Mazars und Rödl setzen auf Prüferrotation

Die angedrohte Trennung zwischen Prüfung und Beratung ist aber nicht das einzige Thema, das die Branche aktuell umtreibt. Auch die verpflichtende Prüferrotation, bei der Unternehmen alle zehn Jahre ihr Abschlussprüfermandat ausschreiben müssen, steht sowohl bei den Big Four als auch bei den Next Ten oben auf der Agenda: Sie alle erhoffen sich daraus zusätzliches Umsatzwachstum im Prüfsegment. Dabei ist das Ganze ein Nullsummenspiel.

Christoph Regierer, Partner bei Mazars, betont, wie wichtig eine klare Strategie dabei ist: Anstatt sich quer durch die Bank für alle möglichen Branchen zu bewerben, sehe er für sein Haus insbesondere den Financial-Services-Bereich – also beispielsweise Banken und Versicherungen – im Fokus, da Mazars hier auf langjährige Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen könne. Auch Rödl & Partner setzt auf die Rotation, wie der geschäftsführende Partner Martin Wambach erklärte: Er hofft unter anderem auf die Mandate, die dadurch frei werden, das kleinere WP-Praxen herausrotieren müssen.

Akzeptanz für IT-gestützte Vollprüfung wächst

Mit Hilfe neuer Technologien in der Prüfung wollen die WP-Häuser ihre Mandanten halten beziehungsweise Neue gewinnen. Immer mehr Wirtschaftsprüfer setzen dabei auf eine IT-gestützte Vollprüfung, zeigt die Lünendonk-Studie. Dies erstaunt, weil die Branche diese Technik vor einigen Jahren noch skeptisch beurteilt hatte.

Generell ist die Digitalisierung zunehmend in den Fokus der Wirtschaftsprüfer gerückt. So wollen die Top-25-Prüfungsgesellschaften im Durchschnitt 2,8 Prozent ihrer Jahresumsätze über den normalen IT-Betrieb hinaus einsetzen, um smarte Produkte und Lösungen zu entwickeln. Ganz oben auf der Digitalisierungsagenda steht eine Konsolidierung der IT-Systeme.

Am anderen Ende der Skala steht überraschenderweise das Trendthema Künstliche Intelligenz, über deren Möglichkeiten aktuell viel diskutiert wird. Nun zeichnet sich ab, dass die Wirtschaftprüfer die dafür nötigen Weichen erst noch grundlegend stellen müssen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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