Exklusiv: Aurelius steigt in den Wirtschaftsprüfermarkt ein

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Aurelius steigt bei dem in München ansässigen Wirtschaftsprüfer WZT ein. Foto: Animaflora PicsStock - stock.adobe.com
Aurelius steigt bei dem in München ansässigen Wirtschaftsprüfer WZT ein. Foto: Animaflora PicsStock - stock.adobe.com

Der nächste Private-Equity-Investor drängt in den Markt für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung: Aurelius schnappt sich die Münchener Steuerberatungskanzlei WZT, wie aus einer Meldung auf der Website des Finanzinvestors hervorgeht. Weitere Details zur Transaktion, welche Pläne Aurelius mit WZT verfolgt, oder die Höhe der Investition gehen aus der Meldung nicht hervor. Aurelius wollte sich gegenüber FINANCE nicht äußern, WZT ließ eine Anfrage bislang unbeantwortet.

WZT ist eine Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in München. Daneben verfügt das Unternehmen über Standorte in Berlin, Leipzig, Saarbrücken und Rosenheim. Geschäftsführer ist Jürgen Zingraf, der die Kanzlei 2004 unter dem Namen Welzzingraf Treuhand GmbH Steuerberatungsgesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gegründet hatte.

WZT zählt zu den kleineren WP-Gesellschaften

Dem jüngsten Jahresabschluss aus dem Jahr 2023 zufolge erzielte WZT einen Jahresüberschuss von 735.000 Euro, im Jahr 2022 betrug der Überschuss rund 484.000 Euro. Das Analysehaus Lünendonk & Hossenfelder schätzt den Umsatz auf rund 5,5 bis 7 Millionen Euro.

WZT reiht sich damit in eine immer länger werdende Liste an Wirtschaftsprüfern und Steuerberatungen ein, die einen Private-Equity-Investor an Bord holen. Zuletzt hatte die Nummer 10 im deutschen Markt, Grant Thornton, den Einstieg von Cinven bekanntgegeben. Zuvor waren die Einstiege von Ufenau Capital bei PKS WMF, EQT bei WTS und Waterland bei Intaria bekannt geworden.

Um Baker Tilly in Deutschland ranken sich seit einiger Zeit die Gerüchte um einen bevorstehenden Einstieg. Nach FINANCE-Informationen soll die Next-Seven-Gesellschaft im Sommer die Investmentbank Rothschild & Co mandatiert haben, um mögliche Interessenten anzusprechen.

Die WP-Gesellschaften und Steuerberatungen erhoffen sich von den Investoren Transformationskapital für die Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die PE-Gesellschaften einen stetigen Cashflow, da das Geschäft mit der Abschlussprüfung und der Steuerberatung relativ krisenresistent ist.

Finanzministerium will Fremdbesitzverbot stärken

Doch nicht alle in der Branche befürworten die Öffnung der Branche für fremde Investoren. Sie fürchten den Verlust der Unabhängigkeit und durch das Trimmen auf Rendite eine Minderung der Qualität der Abschlussprüfung und Steuerberatung. Eigentlich soll das sogenannte Fremdbesitzverbot einen Einstieg von externen Investoren verhindern. Doch über Beteiligungskonstruktionen über EU-Länder wie Luxemburg oder Belgien, die einen Einstieg erlauben, kann es aktuell umgangen werden.

Im Sommer veröffentlichte das Bundesfinanzministerium deshalb einen Gesetzentwurf, der diese Lücke schließen soll. Kritiker des Entwurfs zweifeln jedoch, ob dieser EU-konform ist und in dieser Form in Kraft treten wird. Die jüngsten Investments von Cinven und Aurelius scheinen diese Ansicht zu bestätigen.

Nach einer ersten Lesung im Bundestag wird der Entwurf in die Fachausschüsse überwiesen und dort über ihn beraten. Es folgen eine zweite und eine dritte Lesung, bevor die Abgeordneten darüber abstimmen.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.