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Gericht bestellt ausgerechnet KPMG zum Adler-Prüfer

Laut Gericht soll KPMG künftig die Adler-Bilanzen prüfen – aber will KPMG das überhaupt? Foto: Alexey Novikov/adobe.stock.com
Laut Gericht soll KPMG künftig die Adler-Bilanzen prüfen – aber will KPMG das überhaupt? Foto: Alexey Novikov/adobe.stock.com

Die schwierige Prüfersuche der Adler Group hat eine kuriose Wendung genommen: Nun hat das Amtsgericht Charlottenburg KPMG zum Abschlussprüfer für die Prüfung des Einzel- und Konzernabschlusses der Adler Real Estate bestellt. Die Wahl überrascht, ist KPMG doch eben jener Prüfer, mit dem Adler zuletzt in Konflikt geraten war.

KPMG hatte bereits den Jahresabschluss 2021 geprüft. Es war das Jahr, in dem Adler ins Visier des Shortsellers Fraser Perring geraten war. Um Perrings Vorwürfe aus dem Weg zu räumen, hatte Adler eine forensische Prüfung beauftragt – die auch von KPMG durchgeführt wurde. Das Ergebnis der Prüfung fiel gemischt aus, so bemängelten die KPMG-Forensiker unter anderem, dass ihnen ihrer Meinung nach notwendige Informationen vorenthalten worden seien.

Adlers verzweifelte Suche nach einem Prüfer

Schließlich verweigerten die Abschlussprüfer von KPMG Adler das Bilanztestat für 2021 – mit einer ähnlichen Begründung. Trotzdem schien es zunächst so, als würde KPMG auch weiterhin die Bilanzen des Konzerns prüfen, so teilte es zumindest der Adler-Verwaltungsratschef Stefan Kirsten mit – kurz darauf gab KPMG allerdings überraschend bekannt, das Mandat niederzulegen. Kirsten, der zuvor stets von „sehr professionellen Diskussionen“ sprach, bezeichnete den Schritt als „äußerst überraschend, enttäuschend und irritierend“.

Das Verhältnis zwischen Adler und KPMG war also offenbar zerrüttet – umso überraschender ist daher die Entscheidung des Amtsgerichts. Das Amtsgericht musste in Aktion treten, da Adler nicht in der Lage war, selbstständig einen neuen Abschlussprüfer zu finden. Und das, obwohl der Konzern in einem Brief an die Prüferbranche an die WP-Gesellschaften appelliert hatte.

Adler musste daraufhin einen Antrag auf eine gerichtliche Bestellung beim Amtsgericht stellen, denn eine Prüfung des Konzerns ist gesetzlich verpflichtend. Grundsätzlich kann bei so einem Antrag auch eine konkrete Prüfgesellschaft vorgeschlagen werden – ob Adler dies getan hat, ist nicht bekannt.

Was passiert, wenn KPMG ablehnt?

Allerdings ist KPMG nicht verpflichtet, das Mandat anzunehmen. „Die gerichtliche Bestellung bedarf der Annahme des Prüfungsmandats durch die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft“, schreibt Adler in einer Ad-hoc-Mitteilung. „Die Gesellschaft hat keine Kenntnis davon, ob die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft das Prüfungsmandat annehmen wird“, so Adler weiter.

Auf FINANCE-Anfrage kommentierte KPMG die Entscheidung des Gerichts wie folgt: „KPMG liegt kein entsprechender Beschluss des Amtsgerichts Charlottenburg vor“, so ein Sprecher. Sollte KPMG das Mandat erneut ablehnen, läge der Ball wieder beim Amtsgericht. Damit würde dieser beispiellose Fall, bei dem ein börsennotierter und prüfungspflichtiger Konzern einfach keinen Prüfer finden kann, in die nächste Runde gehen.

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.