Wenn der Abschlussprüfer höher haftet, prüft er besser – davon geht zumindest Bundesfinanzminister Olaf Scholz aus. Hätte eine höhere Haftung Wirecard verhindert?

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FINANCE+ 04.03.21
Banking & Berater

Nach Wirecard: Was, wenn Abschlussprüfer unbegrenzt haften?

Als Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal droht Abschlussprüfern bald eine deutlich höhere Haftung. Würde dies die Prüfungsqualität verbessern, und was wären die Folgen für die Big Four und Next Ten? Die FINANCE-Analyse.

Wie kann man die Qualität der Abschlussprüfung verbessern? Nach dem Bilanzskandal bei Wirecard steht diese Frage ganz oben auf der Agenda von Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Mit dem „Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität“ (FISG) meint er, eine Antwort darauf gefunden zu haben. In dem Regierungsentwurf, der Mitte April im Finanzausschuss beraten und dann womöglich schon verabschiedet wird, stehen zahlreiche Maßnahmen, mit denen die Branche der Wirtschaftsprüfer strenger reguliert werden soll.

Die WP-Branche läuft gegen die geplanten Maßnahmen Sturm. Eine davon sorgt für besonders viel Aufregung: Der Wirtschaftsprüfer und seine Gesellschaft sollen bei Fehlern deutlich höher haften als bislang. Könnten so wirklich Bilanzskandale verhindert werden? Und welche Folgen hätte dieser Schritt für die Prüfqualität sowie die Marktverteilung innerhalb der Big Four und Next Ten

FISG-Entwurf: Wirtschaftsprüfer sollen unbegrenzt haften

Bisher waren die WP-Gesellschaften in einer verhältnismäßig komfortablen Situation. Handeln Prüfer bei ihrer Arbeit leicht oder grob fahrlässig, müssen die Prüfer sowie ihre WP-Gesellschaften gegenüber einem kapitalmarktorientierten Unternehmen sowie Finanzinstituten mit maximal 4 Millionen Euro haften. Bei einem Unternehmen, das nicht am Kapitalmarkt präsent ist, sogar nur mit 1 Million Euro. Nur bei Vorsatz gab es bisher keine Beschränkung – das galt auch bei billigendem Vorsatz, wenn Prüfer also wider besseren Wissens etwa einen uneingeschränkten Vermerk erteilen.

Das soll sich laut FISG-Entwurf jetzt dramatisch ändern. Die Haftungsobergrenzen drohen deutlich angehoben zu werden: Bei der Prüfung von kapitalmarktorientierten Unternehmen auf 16 Millionen Euro, bei den übrigen auf 1,5 Millionen Euro. Nur bei Finanzinstituten bleibt es bei 4 Millionen Euro. Allerdings gilt diese Obergrenze jetzt auch nur noch bei leichter Fahrlässigkeit. Bei grober Fahrlässigkeit oder bei Vorsatz – hier wird nicht mehr unterschieden – haften Prüfer künftig voraussichtlich uneingeschränkt.

Die härtere Bestrafung soll „die Qualität der Abschlussprüfung stärken und die erforderlichen Anreize für eine sorgfältige und gewissenhafte Prüfung setzen“, heißt es aus dem Bundesfinanzministerium. Allerdings setzt das neue Gesetz den Big Four und Next Ten womöglich ganz andere Anreize. 

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