Ab Juni 2020 wird Volker Krug neuer Deutschlandchef von Deloitte und folgt damit auf Martin Plendl.

Deloitte

02.12.19
Banking & Berater

Volker Krug wird Deutschlandchef von Deloitte

Der M&A-Berater Volker Krug wird neuer Deutschlandchef von Deloitte. Er tritt in große Fußstapfen, denn unter dem amtierende CEO Martin Plendl hat das Big-Four-Haus vor allem im Beratungsgeschäft enorm zugelegt.

Führungswechsel bei Deloitte: Die Partner des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus haben am Samstagnachmittag den M&A-Berater Volker Krug zum nächsten Deutschlandchef gewählt. Der 47-Jährige wird zum 1. Juni 2020 das Amt vom amtierenden CEO Martin Plendl übernehmen. Die Position des CEOs wird bei Deloitte alle vier Jahre gewählt und bringt die Mitgliedschaft in dem globalen Führungsgremium – der sogenannten Global Executive – mit sich.

Krugs Vorgänger und noch amtierender Deutschland-CEO Plendl bleibt dem Big-Four-Haus als CEO des europäischen Verbunde Deloitte DCE sowie in der Deloitte Global Executive bis Mai 2021 erhalten. Der 60-jährige Wirtschaftsprüfer ist seit dem Geschäftsjahr 2010/11 Deutschland-Chef bei Deloitte und hat maßgeblich die Transformation zu einem multidisziplinären Dienstleister mit zunehmendem Schwerpunkt auf das Beratungsgeschäft vorangetrieben.

CEO Martin Plendl forcierte Beratungsgeschäft enorm

In seiner Amtszeit ist Deloitte vor allem mit dem Beratungsgeschäft außergewöhnlich stark gewachsen und erzielte in den vergangenen Jahren hohe zweistellige Wachstumsraten, die deutlich über denen der Konkurrenten KPMG, PwC und EY lagen. War Deloitte bezogen auf den Umsatz vor einigen Jahren noch die Nummer 4 im Beratungsgeschäft in Deutschland, hat das Big-Four-Haus seine Konkurrenten überholt und rangiert inzwischen mit einer Gesamtleistung von 993 Millionen Euro in der Beratung auf Platz 1. 

Dem gegenüber steht ein Umsatz von lediglich 450 Millionen Euro in der Wirtschaftsprüfung, dem eigentlichen Kerngeschäft des Hauses. In einem Interview mit FINANCE erklärte Noch-Deloitte-CEO Plendl vor Kurzem, dass „Kerngeschäft [nicht] bedeutet, dass es zwangsläufig der umsatzstärkste Bereich ist“. Über alle Geschäftsfelder hinweg hat Deloitte im vergangenen Geschäftsjahr eine Gesamtleistung von 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet und ist damit zwar noch die Nummer 4 in Deutschland, kommt an die Nummer 3 KPMG aber immer näher heran.

Deloitte macht mit Volker Krug Beratung zur Chefsache

Das Deloitte auch weiterhin stark auf das Beratungsgeschäft setzt, zeigt auch die Wahl von Volker Krug: Der zukünftige CEO ist seit 2009 Partner im Bereich Financial Advisory und auf Transaction Services – hier insbesondere auf Financial Due Diligence – spezialisiert. Auch wenn sein Schwerpunkt in den vergangen Jahren auf der Beratung lag, ist Krug gelernter Wirtschaftsprüfer und Certified Public Accountant in den USA. Er begann 1999 seine Karriere bei Deloitte.

Zu seinen Kunden gehören zudem Unternehmen aus der Automobilindustrie, unter ihnen OEMs und internationale Zulieferbetriebe. Der gesamte Automotive-Sektor, von den großen Autoherstellern bis hin zu den Zulieferern, steckt seit einiger Zeit in der Krise. Da liegt es auf der Hand, dass dieser Kernsektor der deutschen Industrie in den kommenden Monaten und Jahren einiges an Beratungsleistung abrufen könnte. Dazu passt auch, dass Deloitte in den vergangenen zwei Jahren verstärkt in die Restrukturierungsberatung investiert hat, die zum Bereich Financial Services gehört.

Deloitte setzt sich ambitionierte Ziele

Krug muss zeigen, dass er den starken Wachstumskurs im Beratungsgeschäft halten kann: Der steigende Bedarf an Restrukturierungs- und Digitalisierungsberatung dürften ihm dabei helfen, gleichzeitig werden Unternehmen in der erwarteten Konjunkturflaute aber auch das ein oder andere Beratungsprojekt wohl einstellen.

Herausforderungen warten auf ihn aber auch im WP-Geschäft: Dort hat sich Deloitte eigentlich vorgenommen, im Zuge der verpflichtenden Abschlussprüferrotation mehrere neue Prüfmandate im Dax zu gewinnen – mit Bayer ist das aber bisher nur in einem Fall gelungen. Stattdessen räumt Konkurrent EY ein großes Prüfmandat nach dem anderen ab. Und auch in den anderen Börsensegmenten halten sich die Zugewinne bislang in Grenzen.

Gleichzeitig sind die Wachstumsziele Deloittes ambitioniert. Diese hatte Deutschland-CEO Plendl erst vor Kurzem neu formuliert: „Ich halte es für realistisch, 2025 die Marke von 3 Milliarden Euro Umsatz zu erreichen.“ Damit müsste Deloitte unter Krug in fünf Jahren seinen Umsatz nahezu verdoppeln.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Wessen Geschäft wächst am stärksten und wer gewinnt die lukrativsten Mandate? Wie sich PwC, Deloitte, KPMG und EY entwickeln, können Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four nachlesen.