Erstes Urteil im Schadenersatzprozess gegen Ex-Wirecard-Vorstände: Das Landgericht München hat am heutigen Donnerstag drei ehemalige Wirecard-Vorstände zu Schadenersatzzahlungen in Höhe von insgesamt 140 Millionen Euro zuzüglich Zinsen verurteilt, wie die Nachrichtenagentur DPA berichtet. Mit der Klage gegen die Ex-Manager will Insolvenzverwalter Michael Jaffé Geld für die Gläubiger des insolventen Zahlungsdienstleisters sichern.
Dabei geht es um Ex-Wirecard-CEO Markus Braun sowie den damaligen Finanzvorstand Alexander von Knoop und Produktvorständin Susanne Steidl. Der Vorsitzende Richter Helmut Krenek sah es als erwiesen an, dass die drei bei der Zeichnung von Schuldverschreibungen und der Vergabe eines Kredites mindestens fahrlässig gehandelt haben. So sei zum einen der fragliche Kredit nicht besichert gewesen, zum anderen sei vor der Zahlung der Schuldverschreibungen keine gründliche finanzielle Prüfung vorgenommen worden.
Demnach seien die Manager für den entstandenen Schaden haftbar zu machen. Bei Braun und dem ehemaligen Finanzvorstand ergebe sich die Verantwortlichkeit aus den jeweiligen Ressortzuständigkeiten, im Fall der ehemaligen Produktvorständin hätten die Vorgänge nach Ansicht des Gerichts Misstrauen deren wecken müssen.
Aufsichtsratschef muss nicht zahlen
Nicht zahlen muss derweil der ehemalige stellvertretende Aufsichtsratschef Stefan Klestil, der ebenfalls Teil der Klage von Insolvenzverwalter Jaffé war. Zwar sah das Gericht auch in seinem Fall eine Verletzung der Aufsichtspflichten, was in den Augen des Richters jedoch nicht zu einem Haftungsanspruch gegen den Klestil führe. Die Entscheidung begründete Krenek darin, dass nicht sicher sei, ob ein Eingreifen des Aufsichtsrates in den beiden Fällen geholfen hätte, das sich der Wirecard-Vorstand bereits in der Vergangenheit nicht an Vorgaben des Aufsichtsrates gehalten habe.
Das zuvor mit Spannung erwartet Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, Beobachter rechnen damit, dass Berufungen eingereicht werden. Darüber hinaus ist fraglich, ob das Privatvermögen der drei Manager für die entstandenen Kosten ausreicht. So bleibt zunächst weiter unklar, wie viel Geld Insolvenzverwalter Jaffé für die Entschädigung der Wirecard-Gläubiger letztlich erhält.
Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
