Alles Helden im CFO-Bereich? Recruiter und Gesellschafter werden bei der Bewertung des Track Records von CFO-Bewerbern zunehmend kritisch, meint FINANCE-Kolumnist Paul Taaffe.

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24.04.17
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Mit diesem Track Record können CFOs Karriere machen

Viele Manager planen ihre Karriere naiv. Sie haben keine Vorstellung davon, wie Unternehmen auf CFO-Kandidaten blicken. Bei der Beurteilung des Track Records geht es besonders zur Sache.

Wie ich in meinem vergangenen Blogbeitrag erklärt habe, gibt es drei zentrale Kriterien, die über den Erfolg einer CFO-Karriere entscheiden: Persönlichkeit, Ausbildung und Track Record. Die beiden ersten Eigenschaften öffnen einem Tür und Tor, schließlich bekommt man ohne Persönlichkeit und akademische Auszeichnung vielleicht nie die Chance, seine Erfolgsgeschichte in einem Interview unter Beweis zu stellen. Aber die wichtigste ist der Track Record. Dies sind die Fragen, an denen Unternehmen für die Beurteilung der Vita eines Kandidaten das größte Interesse haben:

•    Was genau hat der Kandidat in seiner oder ihrer Karriere bewegt?
•    Wo wurde ein Mehrwert erzeugt?
•    Welche schwierigen Herausforderungen wurden erfolgreich gemeistert?
•    Hat der Kandidat einen Fehler gemacht, aber daraus gelernt? (Anmerkung: Nicht alle Firmen haben bei dieser Frage den nötigen Mut)
•    Wie wurde der Kandidat von Managern, Kollegen und Mitarbeitern bewertet? Alle Ebenen sind hier wichtig. Einige Manager können großartig mit Ihren Vorgesetzten arbeiten, aber überhaupt nicht mit ihren Untergebenen – ein absolutes No-Go!

So sieht ein guter Track Record für CFOs aus

Genauso wichtig ist die Leistungsschau. Viele Unternehmen fühlen ihren angehenden Topmanagern tief auf den Zahn und lassen sich von gut klingenden Headlines im Lebenslauf nicht blenden. In den Interviews fragen sie ganz gezielt: Was könnten Beispiele für herausragende Leistungen sein? Meine Antworten:

•    Ein erfolgreicher IPO ist immer eine herausragende Leistung für einen CFO.
•    Ebenso eine erfolgreiche, komplexe M&A-Transaktion über diverse Territorien hinweg – nebst reibungsloser Integration. Beides zeigt interkulturelle Verhandlungsfähigkeit.
•    Eine erfolgreiche Veräußerung kann genauso wichtig sein – vor allem, wenn es darum ging, Mittel zu kreieren, um in besser passende Vermögenswerte zu investieren. Viele CFOs kämpfen damit, gute Vermögenswerte zu verkaufen. Dies kann ein großer Fehler sein. Denn die entscheidende Frage lautet immer: Gibt es eine bessere Alternative, um die vorhandenen Mittel zu investieren?
•    Auch eine erfolgreiche Wachstumsstrategie mit Investitionen in neue Technologien, neue Märkte, Produktionsstätten et cetera überzeugt. Wachstum ist immer gut, muss sich aber sowohl im Umsatz als auch im Gewinn niederschlagen.
•    Und last but not least: Erhöhte Umsätze und Gewinne pro Mitarbeiter sind aus meiner Sicht ebenfalls ein ausschlaggebender Leistungsindikator. CFOs, die bloß Kosten um jeden Preis senken, sind für kein Unternehmen gut, außer es handelt sich um Ausnahmesituationen mit einem sterbenden Geschäftsmodell, und es gibt keine anderen Optionen. CFOs, die wie mit einer Machete durch das Unternehmen gehen, werden nicht mehr gebraucht – und das aus gutem Grund.

Was passiert, wenn die CFO-Karriere zusammenbricht?

Zugegeben, diese Liste ist lang, und ohne eine Erfolgsgeschichte mit entsprechenden Leistungen wird man nicht zur Creme da la Creme der CFOs aufsteigen. Aber meine Auflistung soll Kandidaten keineswegs abschrecken, sondern CFOs eine Orientierung geben, was das Wichtigste für sie ist, um Erfolg zu haben. Ein ganz bestimmter Arbeitgeber gehört aus meiner Sicht nicht dazu. Es gibt viele Unternehmen, die gut passen und nicht in der Champions League mitspielen.

Wo ich dagegen wenig entspannt bin, ist die Art und Weise, wie viele Finanzchefs ihre Karriere planen. Es ist unglaublich, wie wenig und wie naiv einige CFOs über ihren nächsten Schritt nachdenken. Sie planen, ihren idealen Partner zu heiraten, wunderschöne Kinder zu haben und ein tolles Haus zu bauen. Aber was passiert, wenn dann die Karriere zusammenbricht?

Sie sind widerwillig, umzuziehen, und das ist verständlich. Dinge können falsch laufen, und man will sicherstellen, dass die Familie in ihrer gewohnten Umgebung von Freunden und Familie beschützt ist. Deshalb ist das „Unterwegs während der Woche“-Modell heutzutage sehr verbreitet. Doch was sich nur Wenige ernsthaft fragen: Übt genau das nicht noch mehr Druck auf die Familie aus, und ist die Pendelei über viele Jahre hinweg aufrechtzuerhalten?

Ich persönlich wurde davon sehr müde und war immer froh, nach Hause zu kommen und Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Panik und Verzweiflung helfen nicht, wenn die Karriere zusammenbricht. Klares Umdenken, ein neues Konzept und harte Arbeit sind nötig, um wieder den richtigen Kurs einzuschlagen.

Beim nächsten Mal werde ich in die faszinierende Welt von Private-Equity-CFOs eintauchen, ein Gebiet, auf dem viele CFOs gerne arbeiten würden. Aber erwartet CFOs am Ende des Private-Equity-Regenbogens wirklich ein Topf voll Gold? Meine Überlegungen dazu gibt es demnächst an dieser Stelle.

ptaaffe[at]finance-ps.com

Lesen Sie mehr CFO-Karrieretipps von CFO-Veteran Paul Taaffe in seinem FINANCE-Blog „Chief Future Officer“. Der Artikel „Was ein erfolgreicher CFO alles braucht“ erschien vorletzte Woche.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema CFO-Karriere und moderne CFOs? Paul Taaffe freut sich auf Ihren Input per Email an ptaaffe[at]finance-ps.com.