Jung, flexibel, technikaffin: Ist das alles, was heutzutage einen Erfolgs-CFO ausmacht? Nein, meint FINANCE-Kolumnist Paul Taaffe.

Romolo Tavani / Thinkstock / Getty Images

10.04.17
Blogs

Was ein erfolgreicher CFO alles braucht

Ein regelrechter Jugendwahn fegt durch Deutschlands Finanzabteilungen. Für CFOs mit Karriereambitionen hat das fast alles verändert.

Jeden Tag lesen wir über moderne CFOs und was diese Manager angeblich alles können müssen. Man könnte meinen: Die Unternehmen suchen nach Wesen, die überhaupt nicht existieren – die „eierlegende Wollmilchsau“, wie man auf Deutsch so schön sagt. Viele CFOs, die ich coache und die ihre Stelle wechseln möchten, sind oftmals ziemlich unsicher. Sie fragen mich: „Paul, sag mal: Denkst Du, ich kann das noch? Was empfiehlst Du mir?“

Dies ist mein Eindruck dessen, wonach Unternehmen für ihre Finanzposten jetzt gerade suchen und was sich dabei über die letzten Jahre geändert hat.

Gibt es noch Chancen für ältere CFOs?

Zunächst einmal: Ja es stimmt, Firmen suchen nach jüngeren CFOs. Aktuelle Beispiele gibt es zu Hauf: ProSiebenSat.1 etwa hat einen 36-jährigen Zalando-Manager zum Nachfolger des scheidenden Finanzchefs Gunnar Wiedenfels gemacht. Wiedenfels selbst ist gerade einmal 39 – und wurde von einem großen US-Medienkonzern abgeworben. Auch im Mittelstand beobachte ich diesen Trend, bei Start-ups sind junge CFOs ohnehin gang und gäbe. Lediglich Private Equity fällt nicht in dieses Schema. Dort ist alles auf den „Track Record“ der CFO-Kandidaten ausgelegt. Ich werde in meinem nächsten Blog näher darauf eingehen.

Aber was steckt hinter diesem Jugendwahn? Ich habe kürzlich sehr qualifizierte Kandidaten in den späten 40ern, frühen 50ern für die CFO-Rolle in einem MDax-Unternehmen präsentiert. Später im Recruitment-Prozess hat mein Kunde dann entschieden, ein Höchstalter von 45 anzusetzen. Warum? Weil der Karriereplan für diesen CFO lautet, dass er als Finanzchef anfängt und später in eine allgemeine Managementrolle oder sogar die CEO-Position vorrückt. Aus Sicht des Kunden ist dies eine logische Entscheidung, denn was gibt es für einen besseren Weg, das Unternehmen kennenzulernen, als den CFO-Posten?

Diese Entwicklung erfordert von älteren CFOs, die es noch einmal wissen wollen und noch nicht bereit für die Rente sind, eine völlig neue Karrierestrategie. Ihre Lage ist aber beileibe nicht einfach, vor allem dann, wenn sie ihre ganze Karriere in einer Gruppe verbracht haben. Das passiert sehr oft. Eine neue Stelle zu finden, kann sich für diese CFOs als sehr schwierig erweisen. Kandidaten, die eine lange Zeit bei einer Gruppe verbracht haben, werden oft mit Skepsis betrachtet, da sie nicht an andere Kulturen gewöhnt sind und ihre Anpassungsfähigkeit oft in Frage gestellt wird.

Für solche Manager wäre meine Empfehlung, einmal darüber nachzudenken, ob sie Interim-Manager werden wollen. Nur von Hotel zu Hotel zu reisen und aus dem Koffer zu leben, ist aber nicht nur Spaß, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Das bedarf einer großen Umstellung.

Die CFO-Basics erledigt heute der Leiter Rechnungswesen

Dies führt mich zum nächsten Aspekt: „Was hat sich verändert?“. Die Zeiten, in denen es gereicht hat, dass der CFO die G&V und die Bilanz interpretieren konnte, sind vorbei. Die Bücher zu schließen und die Wirtschaftsprüfer zufrieden zu stellen, ist jetzt Aufgabe des Leiters Rechnungswesen und nicht mehr des CFOs.

Heutzutage muss der CFO das Geschäftsmodell vollständig verstehen, beeinflussen und entwickeln, um Mehrwert für die Firma zu schaffen. Er muss Hand in Hand mit dem CEO und dem Rest des Managements arbeiten. Oft ist der CFO heutzutage der Co-Leiter der Firma – auch aus einem Grund, der häufig übersehen wird: Der Finanzchef ist oft weniger auf Reisen als der CEO (zumindest bei nicht-börsennotierten Unternehmen) und damit für die Angestellten wesentlich sichtbarer.

Entscheidungen fallen nicht mehr aus dem Bauch heraus

Am Ende des Tages geht es aber nicht primär ums Alter und um die strategische Weitsicht. Die drei wichtigsten Faktoren, um den richtigen CFO-Kandidaten auszuwählen, sind Persönlichkeit, Ausbildung und Track Record. Fangen wir mit Persönlichkeit an. Was ist am wichtigsten, um sich für eine Top-CFO-Position zu qualifizieren?

Ich würde sagen, wenn man introvertiert ist, sollte man nicht CFO oder gar irgendein Manager werden. Eine spezialisierte Stelle ist für solche Menschen besser geeignet. Ein CFO hingegen muss ein ausgezeichneter Kommunikator sein. Er oder sie muss sich vor einer Menschenmenge bei einer Roadshow, einer Pressekonferenz oder einer Firmenbesprechung wohl fühlen. Dies sollte ein natürliches Talent sein. Zweitens muss ein CFO Führungsqualitäten haben, Menschen müssen an ihn oder sie glauben können. CFOs müssen überzeugen und Zahlen nicht nur interpretieren, sondern sie auch in Form positiver wie negativer Geschichten erzählen können, um die Mitarbeiter mitzunehmen.

Ein Anführer ist jemand mit Anhängern, hat mir mal jemand gesagt. Es ist ein natürliches Talent, im Gegensatz zu einer angeeigneten Fähigkeit. Natürlich kann es verbessert werden, aber ich denke, Führungskraft kann einem nicht von Grund auf beigebracht werden. In der Vergangenheit waren oftmals die CEOs die alleinigen Anführer des Unternehmens. Dies ändert sich, da Stakeholder heute nicht mehr gewillt sind, große Entscheidungen aus dem Bauch heraus beziehungsweise ohne eine tiefgreifende Analyse zu treffen. Sie möchten eine rationale und analytische Einschätzung des CFOs. 

Zweite Fremdsprache: Spanisch ist wertvoller als französisch

Zweitens die akademische Ausbildung. Diese ist ein klarer Differenzierer. Wenn jemand seinen Master in Übersee in Harvard oder Cambridge gemacht hat, wird er besser bewertet als jemand, der woanders seinen Abschluss gemacht hat. Ein Master-Abschluss ist Standardvoraussetzung, Auslandssemester werden zu einem Plus im Lebenslauf. Aber auch die früheren Meriten zählen noch – ein gutes Abitur ist besser als ein schlechtes. Dieses und Praktika bei interessanten Arbeitgebern zeigen, dass schon in jungen Jahren Ambition, Neugier und Flexibilität vorhanden waren.

Internationale Unternehmen bevorzugen Kandidaten, die außerdem noch Interesse zeigen, in anderen Kulturen zu leben. Nicht gut Englisch sprechen zu können, ist ein No-Go, während eine dritte Sprache immer mehr zum Vorteil wird. Spanisch ist zum Beispiel ein großes Plus bei Firmen, die in Südamerika operieren, und meiner Meinung nach inzwischen viel wertvoller als Französisch.

Last but not least, aber eventuell am allerwichtigsten von allen drei Punkten ist der Track Record. Mehr dazu in meinem nächsten Blog.

ptaaffe[at]finance-ps.com

Lesen Sie mehr von CFO-Veteran Paul Taaffe in seinem FINANCE-Blog „Chief Future Officer“. Der Artikel zum Thema Track Record erscheint in etwa zwei Wochen.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema CFO-Karriere und moderne CFOs? Paul Taaffe freut sich auf Ihren Input per Email an ptaaffe[at]finance-ps.com.