Anthony Modeste und sein Markenzeichen, die Brille: Behält der 1. FC Köln den umworbenen Torjäger, könnte bald ein Investor an Bord kommen.

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06.04.17
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1. FC Köln: Neues Stadion oder Anthony Modeste

Beim Abbau der finanziellen Altlasten ist der 1. FC Köln fast am Ziel. Um das nächste Level zu erreichen, muss Finanzchef Alexander Wehrle aber schon bald schwere Entscheidungen treffen.

Tabellenplatz 5: Der 1. FC Köln klopft an die Tür zum Europacup und steht damit kurz davor, den Turnaround des Traditionsklubs in beeindruckender Manier abzuschließen. Auch im wirtschaftlichen Bereich ist die Trendwende nicht zu übersehen. Bestes Indiz für beide Phänomene ist das Werben ausländischer Klubs um Anthony Modeste. Ein chinesischer Verein soll sogar mehr als 40 Millionen Euro für den Torjäger geboten haben. Das wäre fast die Hälfte des Umsatzes, den der FC – ohne Transfererlöse – in einer ganzen Saison einfährt.

Modeste hat dem Klub zwar mitgeteilt, dass er bleiben möchte. Aber sollte es am Ende der Saison doch nicht mit der Qualifikation für das internationale Geschäft klappen, könnte der größte Transfer der Vereinsgeschichte schnell wieder zum Thema werden. Ohne Zweifel würde ein Verkauf von Modeste die Mannschaft schwächen. Ein solcher Deal könnte den Verein aber finanziell auf einen Schlag sanieren.

Der Schuldenberg des 1. FC Köln wird kleiner

Aktuell schleppt der FC noch Finanzschulden von 19,9 Millionen Euro mit sich herum – eine Altlast aus der Ära der Manager Claus Horstmann und Michael Meier, die hemmungslos ins Risiko gegangen waren, um mit Rückkehrern wie Trainer Christoph Daum und Fanliebling Lukas Podolski den sportlichen Erfolg zu erzwingen. In der Spitze mussten ihre Nachfolger, das aktuelle Management um Finanzchef Alexander Wehrle, einen Schuldenberg von über 30 Millionen Euro so ausbalancieren, dass es den Verein nicht finanziell zerlegt – und das, während die Kölner zwischenzeitlich in der Zweiten Liga spielten. 

Diese brisante Lage hat sich in den vergangenen Jahren stetig entspannt. In den drei vergangenen Spielzeiten schrumpfte Wehrle den Schuldenstand von 27 auf 20 Millionen Euro, das negative Eigenkapital von zeitweise minus 11 Millionen Euro verwandelte der vom VfB Stuttgart gekommene Manager in ein positives Eigenkapitalpolster von 9,2 Millionen Euro. Weil die FC-Führung inzwischen einen Großteil der Transfererlöse wieder zurück in die Mannschaft steckt, will sie sich für den Abbau der restlichen Schulden noch bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein Zeit lassen.

Seit Wehrle im vergangenen September zwei auslaufende Fananleihen refinanziert hat, kann sich der FC diese Strategie auch erlauben. Die neue Finanzierung spart den Kölnern über die Laufzeit von acht Jahren nicht nur mehrere Millionen Euro an Zinsen, sondern gibt dem Klub zudem die Option, die neue Anleihe deutlich früher als geplant zurückzuzahlen. Das könnte verlockend sein, wenn sich die Finanzlage noch weiter stabilisieren sollte oder der Klub seine Finanzen einmal komplett neu ordnen will.

Mehr Gewinn, weniger Schulden: Der Turnaround des 1.FC Köln

(Angaben in Mio. €)

Quelle: 1.FC Köln

Der FC klettert im TV-Ranking immer weiter nach oben

Dass die Finanzen wieder stabil sind, bringt den FC außerdem in eine gute Verhandlungsposition, wenn im Sommer finanzkräftige Konkurrenten die Fühler nach seinem Personal ausstrecken sollten. Neben Modeste spielen bei den Kölnern noch weitere Leistungsträger wie Torwart Timo Horn und Nationalverteidiger Jonas Hector. Während Horns Vertrag nur noch bis 2019 läuft und der Keeper daher am Transfermarkt nicht viel mehr als 10 Millionen Euro Ablöse verspricht, könnte sich der Marktwert von Hector, der beim FC bis 2021 verlängert hat, nahezu in Modeste’schen Regionen bewegen. Und dahinter stehen noch weitere wertvolle Spieler wie Leonardo Bittencourt, Marcel Risse und Dominique Heintz, die ebenfalls signifikante Millionenablösen erzielen könnten.

Das Gute für die FC-Fans ist, dass ihr Klub derzeit keine Spieler verkaufen muss – oder es sich zumindest erlauben könnte, einen Großteil anfallender Transfererlöse wieder in den Kader zurück zu pumpen. Denn das Geschäft bekommt zunehmend Rückenwind. In der vergangenen Saison sprang der Umsatz um rund 20 Prozent von 90 auf 107 Millionen Euro. Steigende Transfererlöse durch die Verkäufe von Kevin Vogt und Yannick Gerhardt, die dem FC zusammen 16 Millionen Euro brachten, waren nur eine Säule des Umsatzanstiegs. Weil sich der FC im TV-Ranking nach vorne schob, wuchsen auch die TV-Einnahmen stärker als bei anderen Bundesligaklubs. Garniert wurde das positive Bild durch Zuwächse beim Merchandising.

„Es war das beste Jahr der Vereinsgeschichte“, jubelte Wehrle im Spätherbst bei der Vorlage der Zahlen. Das gilt auch für den Ertrag: Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg von 15,5 auf 21,9 Millionen Euro. Auch die laufende Saison dürfte ein ordentliches Ergebnis bringen, selbst wenn die Kölner keine großen Transfererlöse erzielen sollten. Schließlich geht der Aufstieg im TV-Ranking der Bundesliga weiter. Aktuell ist der FC schon auf Platz 11 vorgerückt, während er vor einem Jahr noch auf Rang 14 lag. In den kommenden zwei Jahren, wenn die beiden Zweitligasaisons aus der Wertung fallen, könnte der FC bis zu zwei weitere Plätze gutmachen.

Aufschwung beim 1.FC Köln

(Umsatzentwicklung in Mio. €)

Quelle: 1.FC Köln

Das Stadion ist zu klein, die Miete zu hoch

Doch an dieser Stelle endet die Erfolgsgeschichte, denn den FC drückt das gleiche Problem wie Eintracht Frankfurt und Hertha BSC Berlin: die Stadionfrage. Alle drei Traditionsklubs sind nur Mieter in ihren Stadien, alle müssen an Miete und Pacht Jahr für Jahr hohe einstellige Millionenbeträge an die jeweiligen Städte abdrücken. Laut FC-Präsident Werner Spinner müssen die Kölner die zweithöchste Stadionmiete aller Bundesligaklubs zahlen.

Noch dazu ist das Stadion in Köln-Müngersdorf zu klein, um das volle Fanpotential ausschöpfen zu können. Die Arena fasst 50.000 Zuschauer und ist fast immer ausverkauft. Trotz des ungebrochenen Fanansturms liegt der FC damit nur auf Platz 7 der Zuschauertabelle. Die Vereinsführung glaubt, dass der Klub auch eine Arena mit 70.000 Zuschauern sowie ein Dutzend zusätzliche Business-Logen füllen könnte. Auf 10 bis 15 Millionen Euro beziffert Wehrle die Zusatzeinnahmen pro Saison, wenn der FC ein größeres Stadion hätte. 

Ein Investor könnte über 20 Prozent der Anteile übernehmen

An dieser Stelle kommt das Thema Königstransfer zurück aufs Tableau, denn um sich in der Stadionfrage besser aufzustellen, müsste der 1. FC Köln selbst zum Bauherren werden. Der Ausbau des jetzigen Stadions oder sogar der Bau einer völlig neuen Arena würden einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen. Dafür braucht es erhebliche Rücklagen, die der FC momentan nicht hat. Ohne hohe Transfererlöse ließen sich solche Rücklagen auch nicht aufbauen, zumal die Uhr tickt –  2024 läuft der aktuelle Stadionpachtvertrag aus. Will der FC dann im eigenen Stadion spielen, hat Wehrle nicht mehr viel Zeit, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Ein wichtiger Geldgeber für eine solche Rieseninvestition zeichnet sich bereits ab. Er trägt weder die Rückennummer 27, noch hat er in dieser Saison 22 Tore gemacht (wie Modeste), und er ist bei den Fans mit Sicherheit auch lange nicht so beliebt wie der französische Torjäger: Wehrle denkt an einen strategischen Partner, der 20 bis 25 Prozent der Klubanteile übernehmen könnte.

Ein Anteilsverkauf in dieser Größenordnung könnte dem FC mehr als 50 Millionen Euro in die Kasse spülen. Das wären in Transfererlösen gerechnet einmal Modeste und einmal Horn – mindestens. Torjägerverkauf oder neuer Anteilseigner: Welches Opfer die Kölner Fans eher bringen würden, um mittelfristig in eine größere, vereinseigene Arena pilgern zu können, hat noch niemand abgefragt. Für Wehrle und Sportchef Schmadtke könnte diese Abwägung aber schon bald zu einer konkreten Entscheidung werden.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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