Der im Juni geglückte Verkauf der britischen Projektpipeline, der PNE Wind einen Kaufpreis von bis zu 141 Millionen Euro bescheren wird, erweist sich schon jetzt als eminent wichtig, um die Konzernbilanz im Lot zu halten. Denn die Bilanzeffekte der von PNE-Wind-Chef Martin Billhardt eingeleiteten „YieldCo“-Strategie werden immer größer. In eine neue Tochterfirma namens „YieldCo“ will PNE Wind selbst entwickelte Windparks mit einer Leistung von bis zu 150 Megawatt einbringen, um die YieldCo Ende 2016 entweder an Investoren zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.
Billhardt, der gerade in einem erbitterten Machtkampf mit Großaktionär Volker Friedrichsen um seinen Posten kämpft, erhofft sich durch den Paketverkauf höhere Erlöse als durch den Einzelverkauf der Windparks. Skeptiker hingegen warnen davor, dass PNE Wind sich mit der YieldCo ein gefährliches Klumpenrisiko aufbaut. Während Billhardt noch keine Gelegenheit hatte, nachzuweisen, dass er richtig liegt, ist der am Montag vorgelegte Halbjahresbericht von PNE Wind Wasser auf die Mühlen der YieldCo-Kritiker. Die Q2-Zahlen zeigen, wie sehr die YieldCo schon jetzt auf der Konzernbilanz lastet – lange vor ihrer geplanten Vollendung.
PNE Wind hat Covenantbruch geheilt
So sind die Vorräte des Konzerns im Lauf des zweiten Quartals um weitere 35 Millionen Euro angeschwollen. Mit 217,9 Millionen Euro liegen sie damit nun schon über 60 Millionen Euro höher als zum Jahreswechsel, als PNE Wind Vorräte von 152,4 Millionen Euro bilanziert hatte. Unternehmensangaben zufolge schwellen die Vorräte an, weil PNE Wind gerade die ersten Windparks, die nächstes Jahr in die YieldCo eingebracht werden sollen, mit Windmühlen bestückt. Dafür muss PNE Wind hohe Anzahlungen an den Turbinenhersteller Nordex leisten.
Dies treibt auch die kurzfristigen Schulden, die im Lauf des zweiten Quartals um mehr als 20 Millionen Euro angewachsen sind und mit 154,7 Millionen Euro nun mehr als zwei Drittel höher liegen als zum Jahresende, als sie nur 91,1 Millionen Euro erreichten. In erster Linie verantwortlich dafür sind die kurzfristigen Zwischenfinanzierungen auf Projektebene, die PNE Wind für den Bau der Windparks abschließen muss.
Dabei handelt es sich Firmenangaben zufolge um Non-Recourse-Projektfinanzierungen, deren Risiken nicht auf den Konzern zurückschlagen können. Deren Volumen allein stieg im zweiten Quartal von 52,3 auf 75,8 Millionen Euro. „Nach Umsetzung der Windparks werden diese Zwischenfinanzierungen aber in langfristige Projektfinanzierungen umgewandelt“, lässt PNE-Wind-CFO Jörg Klowat seinen Sprecher ausrichten.
Immerhin wird der kurzfristige Finanzierungsdruck dadurch gemildert, dass es Klowat gelungen ist, einen 20 Millionen Euro großen Konsortialkredit der PNE-Tochter WKN bis Ende Juni nächsten Jahres zu verlängern. WKN hatte zum Jahresende die Covenants gebrochen, über das ganze Frühjahr hinweg stand eine Kündigung des Kreditrahmens durch die Banken im Raum. Der Covenant-Bruch sei „geheilt“ worden, erklärt PNE Wind, ohne genauer zu erläutern, wie die Einigung mit den Banken zustande kam.
Kasse von PNE Wind nach wie vor gut gefüllt
Wenig überraschend hat der Cashflow von PNE Wind im ersten Halbjahr massiv unter dem Aufbau der YieldCo gelitten. Der Cash-Abfluss aus dem operativen Geschäft weitete sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 15,3 auf 52,8 Millionen Euro aus.
Doch wegen des Eingangs der ersten Kaufpreistranche für das UK-Geschäft in Höhe von 52,8 Millionen Euro weist PNE Wind noch immer ein komfortables Liquiditätspolster von 105,8 Millionen Euro aus. Zudem hatte sich das Unternehmen im vergangenen Jahr über eine Bondemission fast 100 Millionen Euro besorgt. Eine kleine Kapitalerhöhung hatte in diesem Frühjahr weitere 10 Millionen Euro in die Firmenkasse gespült.
Gewaltiger Bilanzeffekt bei Verkauf der YieldCo
Indes: So tief die Spuren in der Bilanz heute schon sind, der Aufbau der YieldCo ist noch nicht einmal zur Hälfte abgeschlossen. Aktuell befindet sich PNE Wind kurz vor der Fertigstellung des Windparks Chransdorf in Brandenburg. Mit einer Leistung von 57,6 Megawatt soll dieser das Rückgrat der YieldCo bilden.
Windparks mit einer Leistung von weiteren 18 Megawatt befinden sich in einem früheren Baustadium, für zusätzliche 22 Megawatt hat PNE Wind schon alle erforderlichen Genehmigungen beisammen. „Für rund 50 Megawatt erwarten wir im zweiten Halbjahr die Genehmigung, so dass auch diese noch 2016 in die YieldCo eingebracht werden können“, erklärt ein PNE-Wind-Sprecher.
Damit zeichnet sich ab, dass auch in den nächsten Quartalen weiter Cash abfließen wird. Zwar dürfte noch in diesem Jahr die für Chransdorf abgeschlossene Zwischenfinanzierung von über 70 Millionen Euro in Langfristkredite umgeschuldet werden – sofern das Projekt pünktlich fertiggestellt wird. Gleichzeitig werden aber die Vorfinanzierungen für die anderen Windparks hochlaufen. Es ist damit zu rechnen, dass sich die kurzfristigen Schulden damit auch in den nächsten Quartalen weiter erhöhen werden, wenn auch womöglich nicht mehr so schnell wie zuletzt.
Entspannen wird sich die Bilanzsituation erst dann, wenn alle Windparks im Zuge eines Verkaufs der YieldCo entkonsolidiert werden können. Am Ende wird die YieldCo laut Angaben von PNE Wind Assets im Wert von rund 300 Millionen Euro umfassen. Rund 90 Millionen Euro davon wollen Billhardt und Klowat über Eigenkapital finanzieren. Aktuell sind davon schon rund 50 Millionen Euro einbezahlt, die noch fehlenden rund 40 Millionen sind derzeit durch die Cash-Position von über 100 Millionen Euro abgedeckt. Die übrigen 210 Millionen Euro werden fremdfinanziert.
Wenn dieser Brocken entkonsolidiert würde, entstünde ein erheblicher Bilanzeffekt: Die Bilanzsumme dürfte sich in etwa halbieren. Im ersten Halbjahr 2015 ist sie von 417 auf 507 Millionen Euro angeschwollen. Ende 2016 werden es voraussichtlich über 600 Millionen Euro sein.
PNE Wind winken noch über 120 Millionen aus UK-Exit
Mit einem Verkauf der YieldCo würde PNE Wind außerdem voraussichtlich einen Gewinn im hohen zweistelligen Millionenbereich realisieren – aber nur dann, wenn Ende 2016 der Exitkanal Börse noch offen ist oder die institutionellen Investoren keine Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf von Windparks haben, wie es nach der Finanzkrise mehrere Jahre lang der Fall gewesen ist. Dies wäre eine erhebliche Last für die Langfriststrategie von PNE Wind, denn mit seiner aktuellen Kapitalausstattung hätte der Projektierer mit einer 300 Millionen Euro schweren YieldCo auf seiner Bilanz schwer zu tragen.
Immerhin wird der geglückte UK-Exit das Bilanzrisiko auch in den nächsten Jahren dämpfen. Werden die definierten Meilensteine beim Aufbau der von PNE Wind entwickelten britischen Windfarmprojekte erreicht, kann das Cuxhavener Unternehmen zwischen 2016 und 2020 mit weiteren fast 90 Millionen Euro rechnen. Der Verkauf der Großbritannien-Tochter könnte sich noch als entscheidender Erfolgsfaktor für die YieldCo erweisen.
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