Künstliche Intelligenz soll in deutschen Finanzabteilungen eine größere Rolle spielen. Doch bei Fehlern sehen sich viele CFOs in der Haftung.

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29.11.17
CFO

Deutsche Finanzabteilungen setzen stark auf künstliche Intelligenz

Deutsche Finanzabteilungen setzen viel größere Hoffnungen in den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Accounting als ihre Kollegen im Ausland. Doch die Technologie birgt Tücken: Sollten die Algorithmen falsch entscheiden, sehen sich viele CFOs selbst in der Haftung.

Künstliche Intelligenz setzt sich offenbar auch in den Finanzabteilungen immer mehr durch. Einen Hinweis darauf hat eine Studie des Softwareanbieters Blackline ergeben, für die rund 900 Accountants, Leiter Finanzen und CFOs befragt wurden. Zu den Befragten zählten 150 Finanzexperten aus Deutschland, zudem wurden die Märkte USA, Großbritannien, Frankreich und Australien untersucht.

In Deutschland ruhen besonders hohe Hoffnungen auf dem Einsatz von künstlicher Intelligenz: Befragt nach den Technologien, die das Accounting in den kommenden fünf Jahren besonders stark verändern dürften, konnten die Teilnehmer drei Antwortoptionen auswählen. In Deutschland entschieden sich dabei knapp 41 Prozent der Teilnehmer für künstliche Intelligenz.

Damit liegt das deutsche Ergebnis höher als weltweit (24 Prozent). Allerdings schätzten in der internationalen Befragung die teilnehmenden CFOs die Bedeutung künstlicher Intelligenz deutlich höher ein als die befragten Accountants und Leiter Finanzen. Wie hoch die Teilnehmer den Einfluss der künstlichen Intelligenz bewerten, ist zudem vom Alter abhängig: Unter den Befragten, die jünger sind als 34 Jahre, zählen weltweit 27 Prozent die künstliche Intelligenz zu den wichtigsten Technologien. Unter den Teilnehmern, die älter sind als 55 Jahre, teilten diese Einschätzung nur 16 Prozent.

Cloud-Lösungen sollen Accounting verändern

Mehr als 60 Prozent der Befragten sehen den Einsatz künstlicher Intelligenz insbesondere in Bereichen, die derzeit noch prozessintensiv und zeitaufwendig sind. Allerdings ist die künstliche Intelligenz nicht die einzige Technologie, die die Rechnungslegung in den kommenden Jahren stark verändern wird. Andere Punkte schätzen die Finanzexperten als noch bedeutender ein.

So geht die Hälfte der internationalen Teilnehmer davon aus, dass Buchhaltungssoftware und Online-Buchhaltung in den kommenden fünf Jahren den größten Einfluss auf das Accounting haben werden. In Deutschland liegt dieser Punkt knapp auf dem zweiten Platz: Die deutschen Finanzexperten schätzen Cloud-Lösungen als noch relevanter ein (55 Prozent).  44 Prozent erwarten, dass Datenanalysen die größten Auswirkungen auf die Buchhaltung haben werden.

CFOs sehen sich für künstliche Intelligenz in der Haftung

Noch nicht alle Unternehmen haben schon Erfahrungen mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz gesammelt: International gibt ein Drittel an, dass künstliche Intelligenz in der Finanzorganisation bereits im Einsatz sei, ein weiteres Drittel prüft mögliche Einsatzfelder. Ähnlich sehen die Zahlen bei den deutschen Teilnehmern aus.

Doch wer haftet, wenn die intelligenten Algorithmen einen Fehler machen, der womöglich sogar zu einer Geldbuße oder einem Kurssturz führt? Jeder fünfte Befragte sieht dann den Finanzvorstand in der Pflicht. Allerdings sehen sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Befragung die CFOs selbst ihre Verantwortung deutlich stärker: Unter den teilnehmenden Finanzchefs sehen sich jeweils rund 40 Prozent selbst in der Haftung.

Doch auch die Berater würden viele Finanzer gern in die Pflicht nehmen: Jeder fünfte Teilnehmer sieht die Verantwortung für Fehler der künstlichen Intelligenz nicht im eigenen Unternehmen, sondern bei den Entwicklern der Programme.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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